Konjunktur: Wachstumsprognose von DIW mehr als verdoppelt - DER SPIEGEL
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Mehr Optimismus bei Konjunktur DIW verdoppelt Wachstumsprognose

Die Deutsche Wirtschaft erholt sich 2026 besser als gedacht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat daher seine Wachstumsprognose deutlich erhöht. Doch eine große Schwachstelle bleibt.
Container im Hamburger Hafen
Container im Hamburger Hafen

Container im Hamburger Hafen

Foto: FABIAN BIMMER/ REUTERS

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) blickt mit mehr Zuversicht auf die Konjunktur und erhöht seine Wachstumsprognose deutlich. Nach einer starken ersten Jahreshälfte dürfte die deutsche Wirtschaft 2026 um ​1,2 Prozent wachsen und 2027 um 1,0 Prozent zulegen, erklärte das DIW. »Die deutsche ‌Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen«, sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. 2028 dürfte das Bruttoinlandsprodukt um weitere 0,7 Prozent zulegen.

Im Juni hatte das DIW seine Prognose für das laufende Jahr noch auf 0,5 Prozent Wachstum halbiert und für 2027 ein BIP-Plus von 0,8 Prozent erwartet. Ausschlaggebend für die ​aktuelle Aufwärtsrevision waren vorwiegend der im Frühsommer unerwartet kräftige Außenhandel und dass der Energiepreisschock infolge des Irankriegs geringer ausfiel ⁠als zunächst befürchtet, ⁠wie die Berliner Ökonomen betonten. »Dennoch bleiben die Aussichten gedämpft.« Für das laufende Sommerquartal erwarten die Regierungsberater nur eine Stagnation – auch wegen der negativen Folgen für die Industrie durch das Niedrigwasser etwa des Rheins. Hohe Gaspreise, strukturelle ‌Probleme der Industrie und die schwache private Binnennachfrage bremsten die Konjunktur. »Wichtigster Wachstumstreiber ​bleiben die Investitionen ‌des Staates, vor allem in Form des Sondervermögens für Klimaschutz und Infrastruktur und der Verteidigungsausgaben.«

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Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gingen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Neben steigenden Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Rente sorgten höhere Investitionen ‌in Infrastruktur und Verteidigungsausgaben für Schwung. »Die deutsche Wirtschaft steht vor einer möglichen Trendwende zu stärkerem Wachstum in den kommenden zwei Jahren«, betonte Fratzscher. »Derzeit verdankt die Konjunktur ihre Dynamik vor allem der ‌öffentlichen Hand.«

Die größte Schwachstelle bleibe hingegen die ​private Binnennachfrage. »Die privaten Investitionen reichen weiter nicht aus, um ‌die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken«, mahnte Fratzscher. Trotz besserer Konjunkturaussichten ‌sei Vorsicht geboten, ​und globale Unsicherheiten blieben erheblich. »Eine Eskalation im Nahen Osten oder neue Handelskonflikte könnten die Erholung erneut bremsen.« Der DIW-Chef betonte aber: »Dennoch gibt ​es Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass eine nachhaltige Erholung ⁠nach mehreren Anläufen nicht erneut ausbleibt.« Im ​zweiten Quartal war ​die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 0,4 Prozent zum Jahresstart 2026.

czl/Reuters