Merkwürdiges Steuergeschenk - DER SPIEGEL
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Wirtschaftswunder Merkwürdiges Steuergeschenk

• aus DER SPIEGEL 22/2026
Bitcoin
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depositphotos / IMAGO

Stellen Sie sich vor, Sie bestellen im Restaurant eine große Portion Aktien – »klassisch, mit Dividende«. Am Nebentisch entscheidet sich jemand für Bitcoin, »modern, mit extra Schwankung«. Mit der Rechnung kommt die deutsche Spezialität: Für Ihr bodenständiges Investment werden pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig, plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Kryptofan dagegen zahlt – wenn er lange genug durchhält – am Ende vielleicht gar nichts. Möglich macht das eine Merkwürdigkeit im Steuerrecht: Wer Gewinne mit Kryptowährungen erzielt, kann sie nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei realisieren. Die sogenannte Haltefrist sendet ein irritierendes Signal.

Steuerlich wirkt die schwankende Digitalwährung attraktiver als der Kauf von Unternehmensanteilen. Der Frankfurter Finanzforscher Co-Pierre Georg spricht von einer »Kryptolücke«. In seiner Modellrechnung käme der Staat ohne die Haltefrist im Jahr 2024 auf 11,4 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen. Nun will die Politik die Lücke schließen: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat eine Neuregelung der Kryptobesteuerung in Aussicht gestellt, auch Grüne und Linke wollen Kryptoanleger künftig zur Kasse bitten.

mic
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