Sabine Christiansen: "Ich bin ein D-Mark-Kind" - DER SPIEGEL
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Sabine Christiansen "Ich bin ein D-Mark-Kind"

Die TV-Moderatorin wirbt neben Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt und ihrem ehemaligen Tagesthemen-Kollegen Ulrich Wickert für die neue europäische Währung. Im Interview mit mm.de sagte sie, warum sie sich für den Euro stark macht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Warum werben Sie für den Euro?

Sabine Christiansen: Am 1. Januar 2002 wird der Euro als Bargeld in zwölf europäischen Staaten eingeführt. Bereits jetzt werden unsere Geldgeschäfte von den Banken in Euro ausgeführt, die Renten in Euro berechnet, Waren in D-Mark und Euro ausgepreist. Er ist bereits unsere Währung, nur anfassen können wir ihn noch nicht.

Und wir misstrauen der neuen Währung, denn wir sehen den Tag des Abschieds von der harten Mark näher rücken und den Wert des Euro fallen. Die Abwehrhaltung gegen das Neue, Unbekannte ist daher verständlich. Aber der Euro kommt - so wollten es auch mit großer Mehrheit unsere Volksvertreter. Jetzt muss die Einführung des Geldes stärker in unser Bewusstsein gerückt werden - deshalb habe ich mich an der Kampagne beteiligt.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit kann der Euro aus Ihrer Sicht zur Einigung Europas, zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl beitragen?

Christiansen: Erfolgreich sind die nationalen Geld- und Kapitalmärkte zu einem echten "Euro-Markt" zusammengewachsen. Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist aber die Integration des Finanzmarktes von großer Bedeutung. Wenn wir das Zusammenwachsen Europas wirklich weiter vorantreiben wollen, ist die Währungsunion und die Einführung des Euro ein wichtiger Schritt.

SPIEGEL ONLINE: Von Euro-Begeisterung ist allerdings in Deutschland, aber auch in anderen Ländern wenig zu spüren. Im Gegenteil. Wie erklären Sie sich die Vorbehalte gegen die Währung?

Christiansen: Je näher der Abschiedstermin rückt, desto bitterer scheinen wir der guten alten D-Mark nachzutrauern. Die Angst vor weiterem Kursverfall, höheren Preisen, vor Falschgeld und mangelnder Transparenz stärken die Vorbehalte. Hier müssen noch viele emotionale Barrieren abgebaut werden - aber auch praktische Vorbehalte wie die Senkung der Gebühren bei Auslandstransfers in Euro, die die Banken selbst längst auf Inlandsniveau hätten senken müssen.

Die Sorgen der Menschen muss man sehr ernst nehmen, viele Vorbehalte sind nicht von der Hand zu weisen. Versteckte Preiserhöhungen und ein Chaos an den Bankschaltern bei der Bargeld-Einführung wären fatal. Beides würde dem Image des Euro enorm schaden.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit haben Politiker, Bankiers und Finanzwissenschaftler bisher versagt bei ihrem Bemühen, der Bevölkerung den Euro näher zu bringen?

Vorstandschefs drücken sich

Christiansen: Viele Menschen fühlen sich schlecht informiert: Wann kommt der Euro? Wie lange kann ich noch mit meiner D-Mark bezahlen? Steigt die Miete? Was bedeutet der Euro für meine Rente? Wie wird umgerechnet? Viele berechtigte Fragen zur neuen Währung, auf die uns leider nur wenige Banker und Politiker bereitwillig Auskunft gegeben haben.

Ich werde aus Finanzkreisen immer wieder gebeten, doch mehr Sendungen zum Thema Euro zu machen, aber als Gäste wollen bedauerlicherweise viele Vorstandsvorsitzende der Banken oder großen Unternehmen nicht zur Verfügung stehen. Aus dem "stillen Kämmerlein" erreicht man aber sicher keine Akzeptanz in der Bevölkerung.

SPIEGEL ONLINE: Was muss geschehen, damit die Akzeptanz für den Euro wächst?

Christiansen: Mehr Informations- und Aufklärungsarbeit und bitte ein ehrlicherer Umgang in Interviews mit Vorteilen, aber auch Schwierigkeiten, die uns bei der Einführung bevorstehen. Nach den Sommerferien muss der Euro in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Als die neuen D-Mark-Scheine eingeführt wurden, war zunächst die Kritik groß, und es ging auch nicht alles ohne Probleme. Doch das hat sich schnell wieder gelegt.

"Ein bewegender Abschied"

SPIEGEL ONLINE: Die Währung eines Landes ist neben der Flagge und der Hymne ein nationales Symbol. Mit welchen Gefühlen verabschieden Sie sich von der D-Mark?

Christiansen: Ich bin ein D-Mark-Kind, bin mit dieser Währung in der Zeit des Wirtschaftswunders aufgewachsen. Es ist schon ein bewegender Abschied. Rein rational kann ich mit dem Euro aber gut leben. Die Aussichten für den Euro sind gut. Auch wenn er derzeit schwächelt, räumen ihm Experten großes Potenzial ein, stabiler als die Mark zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Was kaufen Sie sich vom Euro-Startpaket?

Christiansen: Ich werde es meiner Nichte Christina unter den Tannenbaum legen. Sie ist sieben Jahre alt. Ihre Generation und folgende werden wie selbstverständlich mit dieser Währung aufwachsen.

Das Interview führte Claas Hennig, manager-magazin.de