Altersvorsorge Finanzaufsicht hält viele Lebensversicherungen für zu teuer
Antrag für eine Lebensversicherung: „Was wir bislang herausgefunden haben, entspricht nicht unseren Erwartungen“
Foto: Jonas Walzberg / dpaDie Finanzaufsicht Bafin ermahnt deutsche Lebensversicherer unter anderem wegen hoher Kosten bei ihren Produkten. »Lebensversicherungen sollen den Absicherungsbedürfnissen und den Renditeerwartungen der Kundinnen und Kunden gerecht werden. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber leider nicht«, kritisierte Bafin-Exekutivdirektorin Julia Wiens. Mehrere Versicherer müssten dringend nachbessern.
Die Bafin hatte im Mai 2023 in einem Schreiben zu kapitalbildenden Lebensversicherungsprodukten dargelegt, was sie von den Anbietern erwartet. Parallel hatte sie Produkte am Markt analysiert. Inzwischen hat die Bafin nach eigenen Angaben 13 der rund 90 Lebensversicherer geprüft. Sie stünden für mehr als 20 Prozent des Marktes.
»Was wir bislang herausgefunden haben, entspricht nicht unseren Erwartungen«, kritisierte Wiens bei einer Veranstaltung des »Handelsblatts«. Besonders wenn Menschen vorzeitig kündigten, sei das zu teuer.
Hohe Stornokosten
Der Bafin sind einige Lebensversicherungsprodukte mit sehr hohen Stornoquoten aufgefallen – speziell in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss, in denen ein großer Teil der Kosten anfalle. Ein hohes Frühstorno könne ein Hinweis dafür sein, dass die Produkte außerhalb des für sie bestimmten Zielmarktes vertrieben wurden, hielt die Bafin in einem Onlinebeitrag fest.
Bei den hohen Kosten geht es der Bafin vor allem aber um den Vertrieb und die Höhe der Effektivkosten. Diese geben an, wie stark die jährliche Rendite durch die Kosten gemindert wird. Diese Kosten entstehen aus hohen Abschlussprovisionen, die Kundinnen und Kunden vor allem in den ersten Jahren zahlen müssen.
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Bei den Produkten mehrerer Unternehmen betrugen die Kosten zum Zeitpunkt, als die Hälfte der Versicherten ihre Verträge vorzeitig gekündigt hatte, demnach vier Prozent oder mehr. »Die Unternehmen müssten also mit den dazugehörigen Kapitalanlagen eine Rendite mindestens in derselben Höhe erwirtschaften, damit die Kundinnen und Kunden davon profitierten.«
Branche: Abschläge für Kündigung schützen die Gemeinschaft
Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) wies darauf hin, dass Versicherungen im Kollektiv funktionierten. »Abschläge für frühe Kündigung bewahren das Versichertenkollektiv davor, die Rechnung dafür zu zahlen«, sagte Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Die deutschen Lebensversicherer beteiligten die Versicherten angemessen an den Überschüssen. »Im Mittel erfolgt eine Beteiligung von 95 Prozent an den Kapitalerträgen, Risiko- und Kostenüberschüssen«, stellte Asmussen fest.
Wenn die Bafin Missstände feststelle, werde sie einschreiten, sagte Bafin-Exekutivdirektorin Wiens. Die Behörde könne etwa den Vertrieb von Produkten untersagen oder Maßnahmen gegenüber Vorstandsmitgliedern verhängen, wenn deren fachliche Eignung infrage stehe. Einige Produkte seien bereits vom Markt genommen worden, bei anderen hätten die Anbieter die Kosten im Bestand gesenkt oder den Versicherten rückwirkend Kompensationsmaßnahmen angeboten.