Altersvorsorge: Wie Sie Ihre Rentenlücke schließen und ein Vermögen aufbauen können - DER SPIEGEL
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Senioren bei einer Kaffeepause in Dresden

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Westend61 / ullstein bild

Vermögensplanung So können Sie auch im Alter gut leben

Egal, ob Sie 30, 50 oder 60 Jahre alt sind: Um mit dem Sparen anzufangen, ist es selten zu spät. Wer es richtig macht, kann seine Rentenlücke schließen – und vielleicht noch ein kleines Vermögen anhäufen.
• aus DER SPIEGEL 26/2024

Wer im Ruhestand gut leben will, sollte sich früh einen Überblick über seine finanzielle Lage verschaffen. Das klappt mit einer Rechnung, die auf einen Bierdeckel passt. Sinnvoll ist es, zu überschlagen, wie hoch das letzte Nettoeinkommen kurz vor Beginn der Rente sein wird. Wer eine monatliche Absicherung in dieser Höhe ansteuert, dürfte im Alter über die Runden kommen. Immer vorausgesetzt, das Leben hält keine unerwarteten Katastrophen und Krankheitsfälle bereit.

Diese Prognose funktioniert für Menschen jeden Alters, wenn sie hochrechnen, wie sehr ihr Gehalt in Zukunft steigen wird: Ansetzen sollte man dazu etwa 2,5 Prozent pro Jahr – das ist der Wert, den Statistiker für die nächsten Jahrzehnte für wahrscheinlich halten. Konkret heißt das beispielsweise: Eine 30-jährige Durchschnittsverdienerin, die aktuell 2500 Euro netto im Monat bekommt, kann nach 37 Jahren Arbeit kurz vor ihrem Ruhestand einen Lohn von etwa 6233 Euro netto im Monat erwarten.

Im nächsten Schritt folgt der Blick auf die jährliche Information der Deutschen Rentenversicherung, die alle Angestellten, vom 27. Lebensjahr an einmal jährlich erhalten, sofern sie mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben. Sie gibt Auskunft darüber, wie hoch die gesetzliche Rente im Einzelfall voraussichtlich ausfallen wird, Anpassungen mit einkalkuliert.

Diesen Betrag zieht man von seinem zu erwartenden letzten Nettomonatsgehalt ab, um die sogenannte Rentenlücke zu schätzen. Bei Durchschnittsverdienern kann sie schnell 1.500 Euro pro Monat oder mehr erreichen. Eine Lücke, die geschlossen werden sollte.

DER SPIEGEL 26/2024

Wenn das Geld knapp wird

Reicht die Rente? Diese Frage beschäftigt nicht mehr nur alte Menschen, sondern auch die Jungen. Steigende Mieten und horrende Heimkosten machen ihnen Sorgen. Die Regierung hat außer einer teuren Rentenreform kein Konzept. Jeder muss sich selbst helfen. Aber wie?

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Welches Finanzpolster dafür nötig ist, ist abhängig davon, wie lange man lebt. Das gesetzliche Rentenalter liegt von 2030 an bei 67 Jahren. Folgt man dem Statistischen Bundesamt, können heute geborene Männer damit rechnen, 78 Jahre alt zu werden. Bei heute geborenen Frauen sind es 83 Jahre. Wer finanziell auf Nummer sicher gehen möchte, schlägt ein paar Jahre drauf. Hofft man beispielsweise, den 90. Geburtstag zu erleben, muss man im Ruhestand 23 Jahre lang monatlich 1500 Euro aus den eigenen Ersparnissen finanzieren. Dies entspricht einem Vermögen von insgesamt 414.000 Euro.

Verdammt viel Geld. Doch es ist nicht vollkommen unrealistisch, dieses Vermögen anzusparen, sofern man früh damit anfängt und sich eine gewisse Sparrate leisten kann. Die Inflation wird bei der Bierdeckel-Methode ignoriert, um die Berechnung einfach zu halten – wer sich gegen die Geldentwertung wappnen möchte, muss deutlich mehr ansparen.


Was tun mit 30?

Eine heute 30-Jährige, die Monat für Monat 263 Euro über einen Sparplan breit in den Aktienmarkt investiert und im Jahr eine Rendite von sechs Prozent erzielt (ungefähr so viel also wie im Durchschnitt der vergangenen 100 Jahre), kann sich im Alter von 67 auf ein Vermögen von 414.712 Euro freuen. (Mit Sparrechnern im Internet können Sie das selbst ausprobieren ). Möglich macht das der sogenannte Zinseszinseffekt, der entsteht, wenn die jährlichen Zinserträge immer wieder zusammen mit dem Startkapital angelegt werden. Vor allem gegen Ende geht die Sache so richtig ab. Es setzt allerdings die Disziplin voraus, eisern am Sparplan festzuhalten und auch bei handfesten Börsenkrisen keine Anteile zu verkaufen. Auf lange Sicht zahlen sich die Investments aus.

Um breit in Unternehmen aus der ganzen Welt anzulegen, reicht ein einziger Sparplan, nämlich auf einen Indexfonds (ETF), der beispielsweise einen globalen Aktienindex wie den MSCI World abbildet. Auf diese Weise investiert man in etwa 1500 Unternehmen aus 23 Industrieländern, vor allem aus den USA. Seit dem Jahr 1975 hat der MSCI World im Durchschnitt eine Rendite von rund neun Prozent erzielt. Das ist kein Garant dafür, dass es künftig so weiter geht – aber ein solider Hoffnungswert.

Klar ist aber auch: Nur die wenigsten können 263 Euro im Monat für den Ruhestand zurücklegen. Die Sparraten können niedriger ausfallen, wenn man bereits per Kredit eine eigene Immobilie abzahlt. Wer diese im Alter verkaufen kann, braucht entsprechend weniger Kapital, um seine Rentenlücke zu schließen. Realistischerweise sollte man die betriebliche Altersvorsorge berücksichtigen oder die Aussicht auf ein künftiges Erbe. Auch sie lassen die Rentenlücke schrumpfen.

Eine andere beliebte Faustformel von Vermögensplanern besagt: Wer angestellt ist, sollte mindestens 15 Prozent vom monatlichen Netto in einen ETF-Sparplan für die Altersvorsorge investieren. Dann habe man gute Chancen, im Alter auf 80 Prozent seines bisherigen Nettogehalts zu kommen.

Das gilt auch für Menschen mit überschaubaren Einkommen. Wer beispielsweise 1.400 Euro netto verdient und davon jeden Monat 15 Prozent (also 210 Euro) bis zur Rente zur Seite legen würde, käme nach 37 Jahren auf ein Vermögen von 331.138 Euro.

Und wer nur 100 Euro monatlich zur Seite legen kann, der hätte bei Renteneintritt zumindest ein Polster von 157.685 Euro.


Was tun mit 50?

Deutlich schwieriger gestaltet sich der Vermögensaufbau für ältere Angestellte, denen weniger Zeit bis zur Rente bleibt. Doch auch für einen 50-Jährigen ist es möglich, die Rentenlücke noch zu schließen: Allerdings müsste er über die verbleibenden 17 Jahre bis zur Rente monatlich 1185 Euro sparen, um auf ein Gesamtvermögen von 414.000 Euro zu kommen – sofern er genau wie ein junger Mensch voll auf Aktien setzt. Doch solche Sparraten dürften allenfalls Topverdiener stemmen können. Allerdings setzt die Rechnung auch voraus, dass der 50-Jährige über kein Erspartes verfügt. Wer in diesem Alter noch 100 Euro pro Monat zurücklegt, der hätte bei Rentenbeginn einen Puffer von 34.955 Euro.


Was tun mit 60?

Wem nur noch wenige Arbeitsjahre bis zur Rente bleiben, der wird es kaum schaffen, üppige Summen anzusparen. Zumal es kurz vor dem Ruhestand zu riskant wäre, den Großteil des Ersparten in Aktien zu investieren. Wenn die Börsenkurse just zum Beginn der Rente einbrechen, hat man ein Problem. Als Faustregel gilt: Mindestens 15 Jahre Zeit sollte man bei der Aktienanlage als Puffer haben, um etwaige Krisen aussitzen zu können. Sonst bleiben nur Anlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld, die aber eher maue Renditen abwerfen.

Es spricht nichts dagegen, zumindest kleinere Teile des Ersparten im höheren Alter an den Aktienmärkten anzulegen. 60-Jährige können in der Regel noch mehr als 15 Lebensjahre erwarten. Genug Zeit, dass die Papiere weiterhin Erträge abwerfen.

Menschen, die kurz vor der Rente stehen, sollten zudem darauf achten, mögliche Lücken bei der gesetzlichen Rente zu schließen. Expertinnen und Experten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) beraten kostenlos und prüfen, welcher Teil des Lebenslaufs sich noch in Rentenpunkte umwandeln lässt. Schul- und Studienzeiten werden auf die spätere Rente angerechnet. Auch der Wehrdienst zählt. Genauso gilt es, auf Berufswechsel zu achten, damit keine Versicherungszeiten verloren gehen.


Und wenn doch alles anders kommt?

Bleibt noch ein Risiko, das viele Menschen umtreibt: Was, wenn man pflegebedürftig wird? Dann können zusätzliche Kosten von mehreren Tausend Euro pro Monat entstehen, die man kaum aus Erspartem finanzieren kann. Finanzexperte Gerd Kommer empfiehlt, derartige Risiken bei solchen Kalkulationen eher nicht zu berücksichtigen. »Das finanzielle Risiko, pflegebedürftig und damit zum Sozialfall zu werden, ist in gewisser Weise hinnehmbar«, sagt er. Am Ende springt schließlich der Staat mit der Sozialhilfe (genannt: Hilfe zur Pflege) ein, wenn das Einkommen nicht ausreicht, um einen Heimplatz zu bezahlen – allerdings nur dann, wenn das private Vermögen zuvor weitestgehend eingesetzt wurde. Wer hingegen das Pflegerisiko in seiner Sparquote einrechnen will, brauche schnell ein Vielfaches an Geld, müsste also deutlich mehr sparen und sich auch im Rentenalter mit einem deutlich geringeren Lebensstandard zufriedengeben. »Das ist für die meisten Menschen mit normalem Einkommen unrealistisch.« Und andersrum gilt auch: Wer nie zum Pflegefall wird, hat möglicherweise umsonst gespart.

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