Gaspreise: Der Markt für Gasanbieter ist in Bewegung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gaspreise Wer treu bleibt, zahlt drauf

Bequemlichkeit wird bestraft - zumindest bei Verbrauchern, die in der Gas-Grundversorgung bleiben. Die treuesten Kunden von Kommunen zahlen oft Hunderte Euro mehr als bei alternativen Anbietern.
Gasflamme und Euro (Symbolbild)
Gasflamme und Euro (Symbolbild)

Gasflamme und Euro (Symbolbild)

Foto: Z1022 Patrick Pleul/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Markt für Gasanbieter ist kräftig in Bewegung. In Berlin zum Beispiel bietet der Stromkonzern Vattenfall aktuell die günstigsten Gaspreise und versucht, dem Ex-Monopolisten Gasag mit Kampfpreisen und Wechselprämien Kunden abspenstig zu machen. Für eine Durchschnittsfamilie mit 12.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, die noch in der Grundversorgung ist, sind schnell 400 Euro Ersparnis im Jahr drin .

Schaut man sich die Zahlen genauer an, ergeben sich zwei verblüffende Fakten. Die Preisdifferenzen sind in allen Großstädten hoch. Auch für Hamburg, München oder Dresden ergeben sich Einsparvolumen von 300 bis 400 Euro für die Musterfamilie. Die besten Angebote können Sie mit dem Finanztip-Vergleichsrechner finden, der die Datenbanken von Check24 und Verivox gleichzeitig auswertet und zu einem Ergebnis zusammenfasst .

Bei treuen Kunden in der Grundversorgung liegt ein Teil der riesigen Differenz an den sogenannten Konzessionsabgaben . Die kassieren Kommunen von den Gas- und Stromanbietern dafür, dass die Gas- und Stromleitungen durch ihr Gebiet führen. Und sie kassieren besonders viel bei Kunden in der Grundversorgung.

Die Bundesnetzagentur, die Jahr für Jahr hier die Daten zusammenstellt, berichtet für kleine Kunden von einer durchschnittlichen Konzessionsabgabe von 0,42 Cent pro Kilowattstunde. Das sind rund vier Prozent des Gaspreises. Bei Kunden, die Gas in großen Städten nur zum Kochen und zur Warmwasseraufbereitung nutzen, darf die Abgabe sogar bis zu 0,93 Cent pro Kilowattstunde (kWh) betragen. Die Höchstbeträge sind gesetzlich festgelegt - und werden von sehr vielen Kommunen auch ausgeschöpft.

Wechselt der Kunde aus der Grundversorgung in irgendeinen anderen Tarif, selbst beim gleichen Anbieter, ist die Abgabe dagegen von der Netzagentur scharf reguliert. Sie ist dann auf einen Bruchteil dieses Preises gedeckelt, auf maximal 0,03 Cent/kWh.

Zum Autor

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Schaut man sich die Daten der Netzagentur an, macht die Konzessionsabgabe im Schnitt ein Viertel der Preisdifferenz zwischen Grundversorger und Alternativangebot aus. Die Kommunen haben aus der Grundversorgung ein gutes Geschäft gemacht. Es ist eine einfache Methode, unauffällig Löcher im Stadtsäckel zu stopfen.

Für kluge Kunden ergeben sich daraus zwei Konsequenzen:

  • Erstens, vermeiden Sie die Grundversorgung. Selbst wenn Sie Ihr Stadtwerk und Ihre Kommune heiß und innig lieben.
  • Zweitens, die Treue zum Anbieter zahlt sich nicht aus. Ihre Mehrkosten sind einfach zu groß. Der Hamburger Musterhaushalt zahlt beim billigsten Anbieter im ersten Jahr statt rund 830 Euro nur noch 485 Euro, in Berlin werden statt 860 Euro nur noch 450 Euro fällig - jedenfalls wenn man in den beiden Fällen die Boni des Billigsten mitnimmt. Die machen in Berlin zum Beispiel 245 Euro, also gut die Hälfte der Ersparnis, aus.

Nicht jeder ist Schnäppchenjäger und Bonuskönig. Doch auch wer die Boni links liegen lassen möchte, Kündigungstermine schnell verpasst und nicht jährlich wechseln will, kann beim Heizen mit Gas kräftig sparen.

Ganz ohne Boni kann Energiehändler Montana aus München dem Berliner Musterhaushalt die 12.000 kWh im Jahr für 550 Euro anbieten, als Ersparnis gegenüber dem Grundtarif ergeben sich 310 Euro.

Sie können auf allen guten Vergleichsrechnern durch die richtigen Einstellungen wählen, welche der beiden Varianten Sie bevorzugen:

  • Erstens: Nur einmal wechseln und den komfortablen preiswerten Anbieter wählen.
  • Oder sich zweitens auf die Jagd nach allen erreichbaren Boni machen, die entsprechenden Tarife auswählen und die Kündigungstermine gleich mit dickem roten Kringel im Kalender eintragen.

Viel Erfolg beim Wechseln und Sparen. Wer beim Gastarifvergleich  am meisten spart und mich mit einer kurzen Online-Dokumentation am Sparerfolg teilhaben lässt, den lade ich beim kommenden Berlinbesuch zu einem Abendessen ein: hermann.tenhagen@finanztip.de