Reform der Witwenrente: Rentensplitting würde Ehepaare ärmer machen - DER SPIEGEL
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Reformdebatte über Witwenrente Rentensplitting würde Ehepaare ärmer machen

Das Aus der Rente mit 63 ist noch nicht beschlossen, schon wird über die Zukunft der Witwenrente diskutiert. Sollte sie durch ein Splittingsystem ersetzt werden, wäre das laut einer Studie für viele Ehepaare teuer.
Älteres Paar am Ostseestrand: Soll heute jeder für sich selbst vorsorgen müssen?
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Chris Emil Janssen / Chris Emil Janßen / IMAGO

Die Ehe bietet Paaren oft finanzielle Sicherheit. Es gibt da jemanden, der für einen einstehen muss, wenn man selbst beispielsweise durch Kindererziehung nicht arbeiten kann oder möchte. Diese durch den Partner erwirtschaftete Sicherheit gibt es auch nach dessen Tod – durch die Witwenrente.

Die ist für das deutsche Rentensystem allerdings äußerst kostspielig. Laut dem Wirtschaftsweisen Martin Werding gehen dafür fast 50 Milliarden Euro oder rund ein Achtel der jährlichen Gesamtausgaben drauf. Der führende Ökonom plädierte deshalb kürzlich dafür, die Witwenrente durch ein verpflichtendes Rentensplitting zu ersetzen, bei dem sich die Partner die Rentenpunkte aufteilen, die sie in ihrer gemeinsamen Zeit erworben haben. Auch die Alterssicherungskommission hatte neben dem Aus der Rente mit 63  unter anderem angeregt, die Hinterbliebenenversorgung zu überarbeiten.

Wie Forscher des Ifo-Instituts nun berechnet haben, würde ein Rentensplitting die meisten verheirateten Paare in Deutschland allerdings finanziell schlechterstellen. Auf Grundlage typischer Rentenbiografien ermittelten die Forscher in ihrer Studie: Paare verlören im Lebensverlauf teils einen sechsstelligen Euro-Betrag, die gesetzliche Rentenversicherung gewinne dagegen entsprechend hinzu.

Für ihre Untersuchung haben die Forscher typische Ehepaare über den gesamten Lebensverlauf abgebildet. Sie variierten den Beginn der Ehe, den Altersunterschied sowie die Einkommensdifferenz der Ehepartner. Für das heutige Recht mit Witwenrente und für das alternative System mit verpflichtendem Rentensplitting berechneten die Autoren jeweils den Barwert aller künftigen Rentenzahlungen.

Nur in Einzelfällen, wenn das Paar früh geheiratet hat und der hinterbliebene Partner deutlich weniger verdient und nur eine kleine eigene Rente aufbaut, wäre das Rentensplitting laut Ifo-Institut profitabler. Je nach Ehekonstellation reichen die berechneten Effekte von einem Plus von rund 153.000 Euro bis hin zu einem Minus von rund 152.000 Euro über das gesamte Leben.

»Auch wenn ein Partner in der Ehe von einem Rentensplitting profitiert, würde das Ehepaar als Ganzes in fast allen Fällen verlieren«, sagt Marcel Thum, Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden. »Profitieren würde die gesetzliche Rentenversicherung, deren Ausgaben erheblich sinken« würden. Bislang werden als Witwen- oder Witwerrente bis zu 55 Prozent der Rente des Verstorbenen an den hinterbliebenen Partner gezahlt.

Die Berechnungen unterstellen allerdings, dass sich das Verhalten der Paare bei einem Wechsel zum Rentensplitting nicht ändert. Die Studienautoren diskutieren aber mögliche Verhaltensreaktionen durch veränderte Arbeitsanreize. Entsprechend hatte auch Werding argumentiert, der der Alterssicherungskommission angehört. Er sagte: »Heute können Frauen selbst vorsorgen.«

Lesen Sie hier mehr zur aktuellen Rentendebatte: Warum der Ökonom Peter Bofinger das geplante Aus der Rente mit 63 verteidigt – und warum er das sozialpolitisch gerecht findet .

apr