Stiftung Warentest Privatversicherte zahlen oft Hunderte Euro zu viel
Untersuchung beim Arzt: Privatversicherte zahlen viel für gute Versorgung
Foto: Bernd Weiflbrod/ picture alliance / dpaBerlin - Die Tarife privater Krankenversicherungen sind übersichtlicher als früher, sie bieten mehr, als gesetzlich Versicherten zusteht - und sie sind "Finanztest" zufolge sehr teuer.
Sparen könnten im Vergleich mit der gesetzlichen Krankenkasse heute nur Beamte, sagt "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Für gut verdienende Angestellte und Selbständige komme das nur in Frage, wenn sie sich auch die häufig dreimal so hohen Beiträge im Rentenalter leisten können. Insgesamt bescheinigt "Finanztest" den privaten Versicherungen aber ein ordentliches bis gutes Angebot.
Von 107 getesteten Tarifen haben demnach 5 ein "sehr gutes" Preis-Leistungs-Verhältnis, 29 ein "gutes", 8 hingegen ein "mangelhaftes". Bei gleichem Leistungsniveau fanden die Tester demnach gewaltige Beitragsunterschiede.
Ein 35-jähriger selbständiger Modellkunde zahlt den Berechnungen zufolge bei einem Anbieter mit "sehr gutem" Preis-Leistungs-Verhältnis 395 Euro Beitrag im Monat - und hat 900 Euro Selbstbeteiligung. Bei einem anderen sind es 728 Euro Monatsbeitrag mit einer jährlichen Selbstbeteiligung von 960 Euro - ein "mangelhaftes" Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein gleichaltriger Angestellter kann für ein "sehr gutes" Angebot 441 Euro, für ein "mangelhaftes" aber schon 804 Euro zahlen, bei 600 bzw. 320 Euro Selbstbeteiligung im Jahr.
Jedes der getesteten Angebote sichert dem Kunden deutlich höhere Leistungen zu als die gesetzliche Krankenversicherung, sagt Tenhagen. Der Test habe zudem ergeben, dass viele Unternehmen ihre Angebote deutlich verbessert hätten. Jetzt gebe es zum Beispiel umfassende Leistungen für Psychotherapie oder für Hilfsmittel wie Hörgeräte. Außerdem seien in vielen privaten Verträgen nun auch Leistungen für häusliche Krankenpflege, ambulante Kuren, stationäre Reha-Maßnahmen oder Sterbebegleitung für unheilbar Kranke vorgesehen.
Trotzdem warnen die Tester: Der Wechsel in eine private Krankenversicherung sollte gut überlegt sein, denn er sei eine Entscheidung fürs Leben. Die Rückkehr in eine gesetzliche Krankenkasse ist extrem schwierig, meistens sogar ausgeschlossen.
Rundum empfehlenswert ist "Finanztest" zufolge eine private Krankenversicherung nur für Beamte. Selbständige und Angestellte sollten sich nur dann privat versichern, wenn sie vermögend sind oder über die Jahre für die höheren Beiträge im Alter ansparen können. Dem Bericht zufolge muss man davon ausgehen, dass der private Beitrag für die Krankenversicherung im Rentenalter dreimal so hoch ist wie bei Vertragsabschluss mit Mitte 30. Hinzu kommt: In der privaten Krankenversicherung zahlt jedes Familienmitglied eigene Beiträge. Für eine Familie mit mehreren Kindern können dadurch mehrere hundert Euro im Monat zusätzlich anfallen.
Der gesamte Test wird in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" veröffentlicht und ist im Internet abrufbar .