Unfallversicherung: Für wen sie wirklich sinnvoll ist - DER SPIEGEL
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Expertentipps Für wen sich eine Unfallversicherung wirklich lohnt

Im Haushalt, im Verkehr, beim Sport: Unfälle können sowohl körperliche als auch finanzielle Folgen haben. Gegen diese Risiken soll eine private Versicherung schützen. Doch ist sie überhaupt sinnvoll?
Ein Kind wird nach einem Unfall von einer Ärztin behandelt
Ein Kind wird nach einem Unfall von einer Ärztin behandelt

Ein Kind wird nach einem Unfall von einer Ärztin behandelt

Foto: Johnér / DEEPOL / plainpicture

Es passiert im Straßenverkehr, beim Handwerkern oder im Skiurlaub: Täglich ereignen sich in Deutschland unzählige Unfälle, die schwerwiegende Folgen haben können. In solchen Fällen soll die private Unfallversicherung zumindest finanziell absichern. Mehr als 25 Millionen Verträge gibt es laut dem Statistikportal Statista  in Deutschland, doch der Bestand ist in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen. Wie sinnvoll ist eine Unfallversicherung noch? Und was genau deckt sie ab? Die wichtigsten Antworten finden Sie hier.

Was deckt eine Unfallversicherung konkret ab – und was nicht?

Im Haushalt passieren die meisten Unfälle, aber auch im Straßenverkehr oder beim Sport lauern Gefahren. Wer sich vor den finanziellen Folgen dieser Unfälle absichern möchte, kann das mit einer privaten Unfallversicherung tun. Ihre wichtigste Leistung ist eine einmalige Kapitalzahlung, die die Mehrkosten decken soll, die nach einem Unfall entstehen können, etwa für nötige Umbaumaßnahmen in der Wohnung oder am Auto. »Weitere zu vereinbarende Leistungen sind beispielsweise Leistungen bei Unfalltod, Unfallrenten oder Leistungen bei unfallbedingten Such-, Bergungs- oder Rettungseinsätzen«, sagt Julia Alice Böhne vom Bund der Versicherten (BdV).

Die Police ist jedoch nicht mit der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung zu verwechseln (lesen Sie hier  mehr dazu), die in der Regel Erwerbseinkommen ersetzen soll, dass durch einen Unfall gemindert ist oder sogar ganz wegfällt.

Was leistet die private Unfallversicherung?

Bei der Unfallversicherung spielt die sogenannte Invaliditätsleistung eine entscheidende Rolle. Sie steht den Versicherten zu, wenn diese durch einen Unfall einen bleibenden körperlichen oder geistigen Schaden erleiden. Ein Schaden fällt dann unter Invalidität, wenn dieser nach medizinischem Befund voraussichtlich dauerhaft – für mindestens drei Jahre – bestehen wird und keine Besserung zu erwarten ist.

Wie viel Geld die Versicherung am Ende zahlt, hängt von mehreren Faktoren ab. »Die Höhe der Invaliditätsleistung richtet sich nach dem Grad der Invalidität, der vereinbarten Invaliditätsgrundsumme und der eventuell gewählten Progression«, sagt Expertin Böhne. »Die Invaliditätsgrundsumme sollte ausreichend hoch gewählt werden, um im Schadenfall eine angemessene Versicherungsleistung zu erhalten.« Die Expertin empfiehlt mindestens 100.000 Euro, die Todesfallsumme, die an die bezugsberechtigten Hinterbliebenen ausgezahlt wird, sollte ihr zufolge mindestens bei 10.000 Euro liegen.

Wichtig sei es, im Vorfeld den ganz individuellen Kapitalbedarf auf Grundlage der eigenen Lebenssituation zu ermitteln. »Dabei können viele Faktoren eine Rolle spielen: beispielsweise die Wohnverhältnisse, die Leistungen der Sozialversicherungsträger und die individuellen Wünsche und Bedürfnisse«, so Böhne.

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Ist es sinnvoll, eine zu haben?

Die Unfallversicherung zählt zwar zu den zehn beliebtesten Versicherungen in Deutschland , gilt unter Experten jedoch als verzichtbar. »Wichtiger ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die sowohl bei Krankheit als auch bei Unfall leistet«, sagt Christian Biernoth von der Verbraucherzentrale. Dennoch kann es laut dem Experten in manchen Fällen Sinn ergeben, eine Unfallversicherung abzuschließen. Zum Beispiel, wenn die berufliche Tätigkeit mit einem erhöhten Unfallrisiko einhergeht oder wenn man gefährliche Sportarten ausübt.

Auch Böhne vom BdV empfiehlt eine Unfallversicherung insbesondere dann, wenn der Versicherte einem körperlich anstrengenden Beruf nachgeht, sportlich aktiv ist, viel reist oder regelmäßig häusliche und handwerkliche Tätigkeiten ausübt.

Was ist der Unterschied zwischen der gesetzlichen und privaten Unfallversicherung?

Alle Arbeitnehmer in Deutschland sind gesetzlich unfallversichert. Der Schutz beschränkt sich in diesem Fall jedoch nur auf Verletzungen bei einem Arbeits- oder Wegunfall, also wenn sich während der Arbeit ein Unfall ereignet, auf dem Weg von der Arbeit oder zur Arbeit – oder bei bestimmten Berufskrankheiten. Bei der privaten Unfallversicherung umfasst der Schutz auch Unfälle außerhalb der Arbeit.

Auch die Leistungen unterscheiden sich deutlich. Während bei der privaten Unfallversicherung in der Regel eine einmalige Kapitalleistung oder eine Monatsrente gezahlt wird, werden bei der gesetzlichen Unfallversicherung hingegen zunächst Kosten für Heilbehandlungen und Rehabilitation bezahlt. »Nur wenn trotz dieser Maßnahmen eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben nicht möglich ist, wird auch eine Rente gezahlt«, so Biernoth.

Wie teuer ist eine Unfallversicherung?

Wie bei jeder Versicherung hängt die Prämie bei der Unfallversicherung von verschiedenen Faktoren ab. In diesem Fall spielen unter anderem das Alter, die Tätigkeit und die versicherten Leistungen eine Rolle. Laut Verbraucherschützer Biernoth liegen die Kosten für eine private Unfallversicherung jährlich im Schnitt zwischen180 bis 450 Euro.

Kann mein Versicherer mir kündigen, wenn ich den Schutz zu oft in Anspruch nehme?

Ja, die Unfallversicherung kann sowohl vom Versicherten als auch vom Versicherer gekündigt werden – in der Regel mit einer Frist von drei Monaten zum Ende einer Versicherungsperiode. Zudem hat der Versicherer das Recht zu kündigen, wenn der Versicherte sich im Zahlungsverzug befindet, auch nach jedem regulierten Versicherungsfall ist seitens des Versicherers eine Kündigung möglich.