Zinsen: 2017 wird das Jahr der Zins-Hopper - DER SPIEGEL
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Hermann-Josef Tenhagen

meinung •Zinsen auf Tages- und Festgeld Jetzt wird es für Sparer wieder spannend

Eine Prognose für 2017: Die Banken werden attraktivere Zinsen für Tages- und Festgeld bieten. Mit diesen zwei Strategien machen Sie das Beste aus Ihrem Geld.
Zinsen (Symbolbild)
Zinsen (Symbolbild)

Zinsen (Symbolbild)

Foto: Oliver Berg / dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit Prognosen halte ich mich normalerweise zurück, ich besitze keine Glaskugel. Aber die hier wage ich doch. 2017 wird das Jahr der Zins-Hopper. Denn wir werden in den kommenden Monaten immer neue Angebote von Banken mit besseren Zinsen sehen, ohne dass der Trend insgesamt nach oben geht.

Wie ich darauf komme? US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen hat diese Woche für die kommenden zwölf Monate bis zu drei Zinsschritte (nach oben) angekündigt. Belohnt werden in einer solchen Situation meist diejenigen, die bereit sind, häufiger zu wechseln. Tagesgeldkonten mit hohen Aktionszinsen werfen in dieser Phase wahrscheinlich mehr ab als Anlagen mit Festgeld.

Derzeit haben Sparer in Deutschland 1900 Milliarden Euro auf tagesfälligen Konten liegen und bekommen dafür häufig keine Zinsen oder nur 0,01 Prozent. Wer ein wenig aktiv ist, kann heute schon locker die Zinserträge seines Tagesgeldes versechzigfachen (auf 0,6 Prozent) oder gar verhundertfachen. 1 Prozent Zinsen bringen 100 mal so viel Zinsen wie 0,01 Prozent. Bei 100.000 Euro Anlagesumme sind Sie in drei Jahren rund 3000 Euro reicher.

Im Gegensatz zum Mantra, dass nur Onlinebanken ordentliche Zinsen zahlen können, steht bei meiner persönlichen Zins-Hitliste ganz oben die PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz. Die Genossenschaftsbank zahlt für eine vernünftige Summe auf dem Tagesgeldkonto (bis 10.000 Euro) seit Monaten konstant ein Prozent Zinsen. Einige Töchter niederländischer Großbanken liegen seit Monaten vorn und zahlen zurzeit zwischen 0,5 und 0,6 Prozent.

Mein prognostiziertes Zins-Auf-und-Ab kann man in Teilen jetzt schon beobachten. Die Consorsbank garantiert auf dem Tagesgeld seit dieser Woche wieder 1 Prozent - erst mal für sechs Monate. Das hat die Tochter der französischen Großbank BNP Paribas bis vor einigen Monaten schon mal getan, hatte dann aber die Zinsen auf 0,6 Prozent gesenkt. Die VW-Bank und die Audi-Bank nutzen das gute Konzernrating, um weiter Tagesgeld einzusammeln und versprechen sogar 1,1 Prozent pro Jahr für die ersten vier Monate .

Am anderen Ende kannten die Zinsen für Festgeld auf 24 oder 36 Monate zuletzt nur den Weg nach unten. Von 1,4 Prozent noch im Oktober auf 1,2 Prozent für 36 Monate heute (die britische Close Brothers) und sogar nur 1,1 Prozent für 24 Monate.

Das heißt, die besten sicheren Banken in Europa zahlen für 24 Monate aktuell nun auch nicht mehr Zinsen als die VW-Bank mit ihrer Aktion beim Tagesgeld. An das Festgeld kommt man allerdings 24 Monate oder 36 Monate nicht heran, beim Tagesgeld können Sie nach vier Monaten weiter "hüpfen".

Zum Autor

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Natürlich gibt es anderswo in Europa mehr Zinsen - etwa bei eher unbekannten Banken in Ländern wie Kroatien, Bulgarien oder Malta. Wer möglichst hohe Sicherheit sucht, wird sich auf dieses Abenteuer aber wahrscheinlich nicht einlassen. Denn die EU-Einlagensicherung funktioniert zwar nach einheitlichen Regeln; jeder EU-Staat ist aber selbst dafür verantwortlich, dass die Sparer ihr Geld bekommen, wenn der Bank die Luft ausgeht .

Was bedeutet das alles für Sie als Sparer?

Nun ja, das kommt darauf an, welcher Typ Sie sind. Der agile Zins-Hopper, der sich locker alle vier bis sechs Monate bei einer neuen Bank anmeldet. Oder der bequeme Sparer, der die 0,0-Prozent-Offerten vieler Banken für unverfroren hält und sich das beste sichere Festgeld sucht: Wenigstens ein Prozent auf sein sauer erspartes Geld sollte es dann aber schon sein. Das reicht ihm dann im Zweifel für die kommenden 36 Monate.

Lassen wir bequeme Sparer und Zins-Hopper einmal auf Sicht von drei Jahren gegeneinander antreten:

Der Hopper lässt das Festgeldkonto links liegen und sammelt sein Geld auf dem Tagesgeldkonto. Wohlgemerkt: Das soll keine langfristige Geldanlage sein. Anlagen für die kommenden zehn Jahre gehören dort nicht hin, sondern in andere Anlageformen. Handeln Sie hart und entschlossen. Suchen Sie sich die besten Zinsen bei einer sicheren Bank und schieben Sie Ihr Geld weiter, wenn die nächste Bank mit einem Aktionszins neue Kunden lockt. Je länger die Zinsgarantie, umso besser.

Nehmen wir aber mal den einfachen Fall mit nur einem Zinsschritt nach oben: Wenn in sechs Monaten die Zinsen für dreijähriges Festgeld wieder auf 1,5 Prozent gestiegen sein sollten, und Sie vom mit einem Prozent verzinsten Tagesgeldkonto 90.500 Euro dorthin umschichten (500 Euro Zinsen gab es schon im ersten halben Jahr, 10.000 Euro bleiben für alle Fälle auf dem Tagesgeldkonto), können Sie sich nach den verbliebenen 30 Monaten über rund 3935 Euro Zinsen freuen. Hinzu kommen 252 Euro, die Sie in 30 Monaten für die 10.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto erhalten - insgesamt knapp 4200 Euro an Zinsen .

Bleiben wir aber beim Tagesgeld und rechnen mit weiteren Zinserhöhungen und Aktionszinsen in den darauffolgenden Monaten, so werden aus den 4200 Euro an Zinsen vielleicht sogar 4400 Euro oder noch mehr. Fällt der Zins für Festgeld hingegen doch weiter auf ein Prozent, landen Sie bei insgesamt maximal 3030 Euro Zinsen.

Der bequeme Sparer belässt nur zwei Monatseinkommen auf dem Tagesgeldkonto, maximal 10.000 Euro. Ein Prozent ist dort ein guter Zins. Bekämen Sie diese für die kommenden drei Jahre, brächte das 303 Euro Zinsen.

Legen Sie den Rest Ihres Geldes, den Sie auf absehbare Zeit verfügbar haben wollen, auf das aktuell bestmögliche sichere Festgeldkonto an. Und notieren Sie sich den Termin für die Wiederanlage. 90.000 Euro zu 1,2 Prozent bringt in den kommenden 36 Monaten zusammen mit dem Tagesgeld-Zins 3583 Euro.

Das Ergebnis: 3583 Euro sicher oder 4200 Euro bei steigenden Zinsen! Wenn die Glaskugel recht hat, liegen Sie mit der Zins-Hopper-Strategie vorn. Dafür bleibt Ihnen weniger Zeit für andere Dinge im Leben. Es ist Ihre Wahl!

Aber beachten Sie: Sie müssen den Sparerfreibetrag nutzen, am besten den des Partners gleich mit. Sonst zahlen Sie auf die wenigen Zinsen auch noch Steuern.