Smartwatches: Nirgendwo schauen Ärzte so oft auf Smartwatch-Daten wie in Deutschland - DER SPIEGEL
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Digitale Medizin Nirgendwo schauen Ärzte so oft auf Smartwatch-Daten wie in Deutschland

Deutsche Ärzte werten öfter Gesundheitsdaten von Smartwatches aus als ihre Kollegen im Ausland, ergab eine internationale Befragung. Für Kassenpatienten erfolgt die Analyse bislang gratis, Mediziner dürfen dafür kein Geld verlangen.
• aus DER SPIEGEL 30/2026
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Tom Werner / Digital Vision / Getty Images

Wer dem Arzt EKG- oder Pulsdaten seiner Smartwatch vorlegt, ist bei Weitem nicht allein. Nirgendwo werden Ärzte so häufig mit solchen Daten konfrontiert wie in Deutschland, zeigt eine Befragung des US-Ärzteverbands AMA unter mehr als 2200 Ärzten in sechs Ländern. 42 Prozent der deutschen Ärzte werden demnach mindestens wöchentlich gebeten, die Daten von Wearables – kleinen Computern wie Uhren oder Ringen, die direkt am Körper getragen werden – zu interpretieren.

DER SPIEGEL 30/2026

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Keine Vergütung

Geld von den gesetzlichen Krankenkassen bekommen die Ärzte dafür nicht, im Vergütungskatalog für Kassenpatienten fehlt eine Ziffer. Der Fachärzteverband SpiFa hält das für problematisch: »Oft kommen beunruhigte Patienten mit Gesundheitsdaten aus der Smartwatch. Diese zu beurteilen, ist komplex, da braucht es Zeit und ein gutes Arztgespräch«, sagt Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender und HNO-Arzt. Bislang sei eine Abrechnung allerdings nur bei Privatpatienten oder Selbstzahlern möglich. Da sei die gesetzliche Krankenversicherung »mal wieder von vorgestern«.

Kein »Leistungsspektrum der Kassen«

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hingegen hält die aktuelle Regelung hingegen für richtig. Von Konsumenten genutzte Wearables gehörten nicht zum Leistungsspektrum der Kassen. Die Aussagekraft der Daten sei unklar, im Rahmen des Spargesetzes würden 2027 ohnehin drei Milliarden Euro aus der ambulanten Versorgung gestrichen. Der Hausärzteverband will erst gar keine neue Ziffer. »Wir brauchen nicht für jeden Handgriff eine neue Abrechnungsziffer, sondern fair vergütete Gesprächsleistungen«, sagt der Vorsitzende Markus Blumenthal-Beier. Wenn möglichst viele Menschen möglichst viel messen, führe das zunächst einmal zu »vielen Zahlen, aber wenig Erkenntnissen«.

Auch die Kassen halten von einer neuen Vergütung nichts. Wer als Arzt auf die Smartwatch schaue, erbringe ein einzelnes Element ärztlicher Tätigkeit, so wie er den Blutdruck messe oder sich Beschwerden schildern lasse, teilt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) mit. Dafür gebe es keine eigenen Ziffern.

Keine zertifizierten Medizinprodukte

Vergütet wird die Überwachung solcher Werte bislang nur, wenn ihr Nutzen in Studien belegt ist. Herzschwache Patienten etwa müssen beim Telemonitoring regelmäßig auf die Waage, weil eine rasche Gewichtszunahme eine akute Verschlechterung ankündigen kann. Ähnliche Ideen für Smartwatches gebe es etliche, heißt es beim Spitzenverband, einen vergleichbaren Nachweis bislang jedoch nicht. Ohnehin seien die Uhren Lifestyleprodukte und keine zertifizierten Medizinprodukte, auf deren Genauigkeit sich Ärzte verlassen könnten. Ihre Daten taugten allenfalls zur begleitenden Beobachtung.

Juristisch bewegen sich Ärzte dabei ohnehin auf schmalem Grat. Wer Smartwatch-Werte ungeprüft übernimmt und medizinische Entscheidungen darauf stützt, kann nach Einschätzung der Bundesärztekammer einen Behandlungsfehler begehen – genau wie derjenige, der einen ernst zu nehmenden Hinweis in vorgelegten Daten übersieht oder fehldeutet.

Nur wenige DiGA können Smartwatch-Daten einbinden

Von 60 gelisteten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) können nach Angaben des GKV-Spitzenverbands nur 8 Smartwatch-Daten einbinden, bei 2 ist ein Wearable Pflicht. Diese beiden wurden zusammen bislang kaum 13.000-mal in Anspruch genommen. Das Bundesgesundheitsministerium sieht dennoch keinen Handlungsbedarf, die Nutzung sei ja möglich, DiGA sollten zu »Treibern künftiger hybrider Versorgungsangebote« werden.

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Wie wenig hybrid die Versorgung bislang tatsächlich ist, zeigt die elektronische Patientenakte: Wer seine Smartwatch-Daten dort ablegen will, kann das nach Auskunft der Nationale Agentur für Digitale Medizin nur auf einem Weg tun: als PDF-Export. Eine direkte Schnittstelle gibt es nicht.

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