Vermögen in Deutschland: Reichste zehn Prozent besitzen 56 Prozent - DER SPIEGEL
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Sozialbericht Reichste zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens in Deutschland

Das Vermögen in Deutschland ist gestiegen, aber es ist ungleich verteilt. Vor allem in Ostdeutschland sind die Unterschiede gravierend.
Eine Seniorin im sächsischen Heidenau
Eine Seniorin im sächsischen Heidenau

Eine Seniorin im sächsischen Heidenau

Foto: Daniel Schäfer / dpa / picture alliance

Die Haushalte in Deutschland häufen mehr Vermögen an, aber es konzentriert sich weiterhin auf einen kleinen Teil der Gesellschaft. Zu diesem Schluss kommt der neue Sozialbericht , der unter anderem vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) herausgegeben wird.

Demnach betrug das durchschnittliche Nettohaushaltsvermögen (Mittelwert) im Jahr 2021 316.500 Euro. Vier Jahre zuvor hatte es noch bei rund 233.000 Euro gelegen. Damals besaßen die obersten zehn Prozent 55 Prozent des gesamten Vermögens. Dieser Wert hat sich kaum verändert, er liegt nun bei 56 Prozent – trotz des allgemein gestiegenen Vermögens.

In den westdeutschen Bundesländern ist das durchschnittliche Vermögen dabei mehr als doppelt so hoch wie in den ostdeutschen Regionen. Dort verfügt jeder Haushalt im Mittel nur über 151.000 Euro. Deutschland zähle »im europäischen Vergleich zu den Spitzenreitern in Sachen Ungleichheit«, erklärte Philip Wotschack vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Schenkungen und Erbschaften seien ein zentraler Grund dafür, dass Vermögensunterschiede über Generationen hinweg bestehen bleiben.

Auch das Risiko, im Alter arm zu sein, hat im Vergleich zum Zeitraum zwischen 2015 und 2019 leicht zugenommen. In Ostdeutschland ist fast jede vierte Person zwischen 60 und 79 Jahren von Armut bedroht. Im Bundesdurchschnitt sind es nur rund 15 Prozent. Ostdeutsche waren zudem häufiger von Niedrigeinkommen und Einkommensarmut betroffen.

Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie, etwa durch Kinderbetreuung, sind häufig ein Grund für Altersarmut. Viele Mütter würden aber gern mehr arbeiten: Dem Sozialbericht zufolge sehen Frauen mit achtjährigen Kindern 30,2 Wochenstunden als ideale Arbeitszeit an. Tatsächlich arbeiten sie im Schnitt aber nur 24,6 Stunden. Bei Vätern ist es andersherum; sie würden ihre Arbeitszeit von 39,3 Stunden gern auf 34 Stunden verringern. Wenn Mütter in dem Umfang erwerbstätig sein könnten, den sie sich wünschen, stünden dem Arbeitsmarkt zusätzlich 645.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung, heißt es in einer Mitteilung zum Bericht.

Der Sozialbericht, ehemals bekannt als Datenreport, erscheint alle zwei bis drei Jahre und basiert auf Daten der amtlichen Statistik. Neben wirtschaftlichen Themen beschäftigt er sich auch mit Demografie, Familie, Bildung, Gesundheit oder Wohnen. Zu den Herausgebern zählen neben dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung das Statistische Bundesamt, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und die Bundeszentrale für politische Bildung.

Anmerkung der Redaktion: In früheren Versionen des Texts hatten wir die Aussage, Deutschland zähle »im europäischen Vergleich zu den Spitzenreitern in Sachen Ungleichheit«, zunächst dem Statistischen Bundesamt, dann dem Bundesamt für Bevölkerungsforschung zugeschrieben. Beides war falsch, sie stammt vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Zudem hieß es, dass der Sozialbericht alle drei Jahre erscheint. Tatsächlich wird er alle zwei bis drei Jahre veröffentlicht. Wir haben die Fehler korrigiert.

esw/Reuters