Quantitative Easing Staatsanleihenkäufe - wer hat's vorgemacht?
Hamburg - So richtig in Mode kam ein massiver Kauf von Staatsanleihen, wie ihn die Europäische Zentralbank jetzt ankündigte, seit der Jahrtausendwende: als Reaktion auf die Wachstumsschwäche und die krisenhaften Wirtschaftseinbrüche in den Industriestaaten.
Japanische Notenbank
Foto: © Yuya Shino / Reuters/ REUTERSDen Anfang mit dem als Quantitative Easing (QE) bezeichneten Instrument machte 2001 die japanische Notenbank, die seither in immer neuen Runden japanische Staatsanleihen aufkauft. Das hat dem Land mittlerweile eine schwindelerregende Staatsverschuldung von mehr als 240 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung eingebracht - zum Vergleich: In Griechenland sind es rund 170 Prozent. Doch selbst nach fast anderthalb Jahrzehnten Dauer-QE sind Wachstum und Inflation in Japan noch immer schwach.
Früherer Fed-Chef Bernanke
Foto: Alex Wong / AFPNach der Finanzkrise begann 2009 auch die amerikanische Notenbank Fed mit einem Aufkaufprogramm für US-Staatsanleihen, das im Oktober 2014 offiziell auslief. Auf rund 4,5 Billionen Dollar ist die Bilanzsumme der Fed innerhalb von fünf Jahren vor allem durch den Ankauf von Schuldpapieren angestiegen. Und tatsächlich haben sich die USA eindrucksvoll von der Krise erholt, das Wirtschaftswachstum soll laut aktueller Weltbank-Prognose 2015 bei 3,2 Prozent liegen - die Eurozone kommt demnach auf müde 1,1 Prozent.
Britische Notenbank
Foto: © Toby Melville / Reuters/ REUTERSÄhnlich wie in den USA das Bild in Großbritannien: Die Bank of England begann ebenfalls 2009 mit ihren Anleihenkäufen. Auch das britische Wachstum dürfte 2015 bei rund 3 Prozent liegen. Eindrucksvoll für ein Land, dessen Wirtschaft besonders stark an der Bankenbranche hängt und deshalb vom Einbruch 2009 besonders schwer getroffen wurde.
Ehemaliger Bundesbank-Präsident Karl Klasen (1976)
Foto: imagoKaum bekannt ist hingegen der kurze Flirt, den die Bundesbank mit QE hatte. 1975 kauften die Hüter der D-Mark deutsche Staatsanleihen im Wert von 7,6 Milliarden Mark vom Markt. Das entsprach damals immerhin einem Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Die Ziele der Aktion wirken heute seltsam vertraut: Zinsen drücken, Wachstum ankurbeln. Heute zählt Bundesbank-Chef Jens Weidmann innerhalb des EZB-Rats zu den entschiedensten Gegnern von Anleihenkäufen.
Wann funktionieren Anleihenkäufe - und wann nicht?
Was zeigen diese Erfahrungen über die Erfolgsaussichten und die Gefahren von Quantitative Easing? Eines ist sicher: In keinem der Fälle hat der Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank zur Hyperinflation oder auch nur zu bedenklich höheren Inflationsraten geführt. Eine Sorge, die dennoch in Deutschland weit verbreitet ist.
Was die Programme genau gebracht haben, lässt sich hingegen schwer einschätzen. Selbst im Fall von Japan, wo der Fehlschlag von QE besonders augenfällig zu sein scheint, bleibt offen: Wäre die Wirtschaftslage ohne Anleihenankäufe womöglich noch schlimmer?
Die umgekehrte Frage stellt sich in den USA und Großbritannien: Beide Länder haben zuletzt eine beeindruckende wirtschaftliche Erholung hingelegt. Aber welchen Anteil hatte QE daran?
Die Antwort, auf die sich Experten am ehesten verständigen können: Anleihenkäufe durch die Zentralbank leisten dann einen positiven Beitrag, wenn sie zur Wirtschaftspolitik der jeweiligen Regierung passen. In den USA kurbelten die Präsidenten George Bush und Barack Obama die Konjunktur mit schuldenfinanzierten Staatsausgaben an. Höhepunkt war ein Scheck über bis zu 600 Dollar pro Steuerzahler, den Bush 2008 mit der Post verschicken ließ. Gerade Bürger mit geringem Einkommen, so die Überlegung, würden das unverhoffte Geld sofort ausgeben und dadurch die Konjunktur ankurbeln. Eine Idee, die derzeit auch für die Eurozone diskutiert wird.
Fanal gegen die Zombie-Banken
Vor allem aber sorgten die USA dafür, dass die von der Finanzkrise angeschlagenen Banken entweder dichtmachen mussten oder aber rasch mit frischem Kapital ausgestattet wurden - notfalls in einer Art finanziellen Zwangsernährung, verabreicht vom Staat.
Dem Land blieb so das Phänomen der Zombie-Banken erspart: Kreditinstitute, die so klamm sind, dass sie kaum noch Kredite vergeben können. Was wiederum Investitionen und damit das Wachstum hemmt. Ein Problem, unter dem vor allem die südlichen Staaten der Euro-Zone leiden.
Auch in Japan haben Zombie-Banken die Wachstumsschwäche bis heute verlängert - zusammen mit der notorischen Reformunlust japanischer Politiker. Bis heute gibt es im überalterten Japan nur wenige Einwanderer, der Arbeitsmarkt ist starr, Frauen haben kaum Karrierechancen.
Am ehesten können Anleihenkäufe der Zentralbank also etwas bewirken, wenn sie von einer passenden Wirtschaftspolitik im jeweiligen Währungsraum begleitet werden. In den USA bedeutete das höhere Staatsausgaben, in Japan hingegen fehlte es an Strukturreformen.