Bis Jahresende IWF schätzt weltweite Staatsverschuldung erstmals auf über 100 Billionen Dollar
Containerverladung: Kapitalmärkte verstehen keinen Spaß
Foto: Christian Charisius / dpaDie weltweite Staatsverschuldung dürfte in diesem Jahr erstmals die Marke von 100 Billionen Dollar übertreffen. Das schätzte der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem Bericht zur Entwicklung der öffentlichen Verbindlichkeiten. Gemessen an der Wirtschaftsleistung wird die Schuldenquote Ende 2024 voraussichtlich bei 93 Prozent liegen. Bis 2030 dürfte sie sich dann 100 Prozent annähern. Während der Pandemie war der Wert auf den bisherigen Rekordstand von 99 Prozent gesprungen. Zum Vergleich: 2019 und damit vor der Pandemie waren es 90 Prozent.
IWF und Weltbank haben für die kommende Woche zur traditionellen Herbsttagung nach Washington geladen. Neben neuen Prognosen zur Verschuldung werden in den kommenden Tagen auch Projektionen für die globale Wirtschaftsleistung erwartet. Der IWF betonte, die Schätzungen zur Verschuldung hätten zuletzt oft deutlich zu niedrig gelegen.
In den USA wird in drei Wochen ein neuer Präsident gewählt. Experten rechnen unabhängig vom Ausgang mit einer stark steigenden Verschuldung der weltgrößten Volkswirtschaft. Auch in China sollen neue Konjunkturhilfen mit Schulden finanziert werden. Nach Medienberichten ist die Ausgabe spezieller Staatsanleihen zur Finanzierung von Konjunkturhilfen geplant. Über einen Zeitraum von drei Jahren könnten so zusätzliche Schulden in Höhe von umgerechnet 774 Milliarden Euro aufgenommen werden. Die Berichte folgen auf die Ankündigung von Finanzminister Lan Foan vom Wochenende, wonach Peking die Verschuldung »deutlich erhöhen« werde.
Anfang vergangener Woche hat Bundesfinanzminister Christian Lindner Sorge über die Staatsfinanzen in einigen EU-Ländern geäußert und angekündigt, das Gespräch mit Frankreich zu suchen. Es gelte, die Defizite zu reduzieren und auch die Staatsschuldenquoten. »Wir alle sollten uns klar sein: Mit der Glaubwürdigkeit der Staatsfinanzen gegenüber den Kapitalmärkten, da ist nicht zu spaßen.« Defizite und Verschuldung müssten glaubwürdig reduziert werden. Dies sei die Basis, um sich weiter gut und stabil finanzieren zu können.