Stromspeicher und Elektrolyseure: Bundesnetzagentur will Ausbau im windreichen Norden erleichtern - DER SPIEGEL
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Neuer Plan der Bundesnetzagentur Bau von Großbatterien und Wasserstofferzeugern soll günstiger werden

Deutschland braucht mehr Möglichkeiten, erneuerbar erzeugten Strom zu speichern. Doch bislang sind die Anschlüsse ans Stromnetz teuer. Das will die Bundesnetzagentur nun ändern, vor allem im windreichen Norden.
Anlieferung eines Batteriespeichers an einem Solarpark in Baden-Württemberg
Anlieferung eines Batteriespeichers an einem Solarpark in Baden-Württemberg

Anlieferung eines Batteriespeichers an einem Solarpark in Baden-Württemberg

Foto: Uli Deck / dpa

Der Bau von großen Batteriespeichern und Elektrolyseuren zur Erzeugung von Wasserstoff in Deutschland soll günstiger werden: Die Bundesnetzagentur will die sogenannten Baukostenzuschüsse reformieren, die Stromnetzbetreiber immer dann erheben dürfen, wenn sie neue Speicher, Elektrolyseure oder auch Fabriken anschließen. Ein entsprechendes Positionspapier hat die Behörde am Mittwoch veröffentlicht.

Demnach sollen die Übertragungsnetzbetreiber – also die Besitzer der großen, überregionalen Stromleitungen in Deutschland – künftig Abstufungen vornehmen, wenn sie Baukostenzuschüsse erheben. Die Bundesnetzagentur schlägt fünf Stufen vor, je nachdem, wie sinnvoll die jeweilige Ansiedlung für das Stromnetz ist.

Ein Beispiel ist ein Elektrolyseur, der aus Wasser mithilfe von viel Strom Wasserstoff erzeugt. Dieser Energieträger kann abtransportiert und gespeichert werden und am Ende zum Beispiel als klimafreundlicher Rohstoff in der Chemie- oder Stahlindustrie landen. Nach den Plänen der Bundesnetzagentur könnten die Baukostenzuschüsse für Elektrolyseure in Regionen mit vielen erneuerbaren Energien – oder sogar einem Überangebot an Strom – künftig sinken. Das gäbe Betreibern von Elektrolyseuren oder auch Batteriespeichern einen Anreiz, sich genau dort anzusiedeln. Davon könnte etwa das windreiche Schleswig-Holstein profitieren.

Zuschüsse können in die Millionen gehen

Die Bundesnetzagentur nennt das Beispiel eines Abnehmers mit einer Leistung von 600 Megawatt; das entspräche einer großen, energieintensiven Fabrik oder einem sehr großen Elektrolyseur. Bei den derzeitigen Netzentgelten müsste ein solcher Anschlussnehmer bei voller Belastung einen Baukostenzuschuss von etwa 60 Millionen Euro zahlen, rechnet die Behörde vor – bei 20-prozentiger Belastung künftig aber »nur« noch etwa zwölf Millionen Euro.

Der Netzausbau für die Energiewende verursache Kosten; daher sei es grundsätzlich wichtig, bewusst und sparsam mit Anschlusskapazitäten umzugehen, wird Behördenchef Klaus Müller in einer Mitteilung zitiert. »Anschlussnehmer sollen in unterschiedlicher Höhe an den Netzkosten beteiligt werden«, erklärt Müller den neuen Ansatz, »je nachdem, wie vorteilhaft die Ansiedlung an dem jeweiligen Standort fürs Gesamtsystem ist.«

Die geplanten neuen Regeln sollen nicht für Projekte gelten, die noch in diesem Jahr oder für das kommende Jahr abgeschlossen werden, damit bereits getroffene Investitionsentscheidungen nicht dadurch teurer werden könnten.

Streit um Batteriespeicher

Netzbetreiber verlangen Baukostenzuschüsse als Einmalzahlung, wenn sie einen neuen Anschluss verlegen oder einen bestehenden erweitern. Das ist ein Unterschied zu den Netzentgelten, die Stromverbraucher jedes Jahr zahlen müssen. Die Baukostenzuschüsse decken daher auch nur einen kleinen Teil aller Netzkosten in Deutschland. Beim Bau von Kraftwerken oder Windrädern wird grundsätzlich kein Baukostenzuschuss fällig, da diese ja Strom erzeugen, statt ihn zu verbrauchen.

Genau diese Unterscheidung ärgert die Betreiber von Batteriespeichern. Sie argumentieren, dass sie zwar Strom aus dem Netz entnehmen, wenn dieser gerade günstig verfügbar ist – aber dass sie in den gegenteiligen Phasen den Strom wieder einspeisen und damit die Netze entlasten. Mit den geplanten neuen Regeln könnten Netzbetreiber der Speicherbranche entgegenkommen.

Insgesamt ist der Ausbau von Batteriespeichern und Elektrolyseuren wichtig, da Deutschland mittlerweile in immer mehr Stunden Ökostrom im Überfluss erzeugt, während in den anderen Phasen Gas- und Kohlekraftwerke einspringen müssen.

Wie ein Boom bei Großspeichern den Strom in Deutschland billiger machen könnte, lesen Sie hier.

Warum der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland hinterherhinkt, lesen Sie hier .

bem