Australien: Rio Tinto berichtet erneut von sexuellen Übergriffen im Bergbauunternehmen - DER SPIEGEL
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Betriebsstätten im Outback Bergbauunternehmen Rio Tinto berichtet erneut von sexuellen Übergriffen

In den abgelegenen Minen Australiens erleiden Beschäftigte immer wieder Übergriffe. Ein Bericht offenbarte Missstände, der Konzern Rio Tinto entließ eine »beträchtliche« Anzahl Mitarbeiter. Doch Probleme gibt es immer noch.
Anlagen von Rio Tinto im Westen Australiens
Anlagen von Rio Tinto im Westen Australiens

Anlagen von Rio Tinto im Westen Australiens

Foto: Carla Gottgens / Bloomberg / Getty Images

Der australische Bergbaukonzern Rio Tinto hat in einem aktuellen Bericht über die Unternehmenskultur erneut Fälle von Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen im Unternehmen festgestellt. Zuletzt hätten acht Beschäftigte von tatsächlichen oder versuchten sexuellen Übergriffen oder Vergewaltigungen berichtet, heißt es. 2021 seien es nur fünf gewesen. 32 seien unter Druck gesetzt oder um Sex oder sexuelle Handlungen gebeten worden – etwas weniger als 37 Personen im Jahr 2021. In den meisten Fällen handelte es sich um Frauen.

Rio Tinto betreibt große Betriebe in oft abgelegenen Regionen, um Rohstoffe abzubauen. Hierzu werden Tausende Beschäftigte für eine gewisse Zeit per Flugzeug oder Helikopter zu den Betriebsstätten gebracht. Besonders an diesen Arbeitsorten waren sexuelle Belästigung und Übergriffe weitverbreitet, wie ein Bericht der Regierung des Bundesstaates Westaustralien aus dem Jahr 2022 ergab.

Hoch bezahlte Branche

Damals wurde bereits das erschreckende Verhalten gegenüber Frauen in der Bergbauindustrie beschrieben – und es wurden Änderungen empfohlen. Obwohl die Bergbauunternehmen, außer Rio Tinto auch die Eisenerzriesen BHP und Fortescue, seitdem Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung ergriffen haben, gibt es also zumindest bei Rio Tinto weiterhin Übergriffe.

»Ich habe den Bericht mit gemischten Gefühlen gelesen, weil die Menschen sich nach wie vor verletzt fühlen und unsicheres Verhalten an den Tag legen«, sagte die Australien-Chefin von Rio Tinto, Kellie Parker. »Aber ich bin auch ermutigt durch die Tatsache, dass immer mehr Menschen ermutigt werden, ihre Meinung zu sagen.«

Der Bergbaukonzern hat nach eigenen Angaben inzwischen eine »beträchtliche« Anzahl von Mitarbeitern wegen unangemessenen Verhaltens entlassen, sagte Parker. Bei Rio Tinto arbeiten rund 57.000 Mitarbeiter in 35 Ländern.

Der aktuelle Bericht stellte auch fest, dass die Hälfte oder fast die Hälfte der Befragten im Vergleich zur Lage 2022 Verbesserungen in Bezug auf Mobbing, sexuelle Belästigung und Rassismus feststellten. Allerdings stieg der Prozentsatz der Personen, die Mobbing erfahren haben, von 31 Prozent auf 39 Prozent. Der Anteil der Personen, die eigenen Angaben zufolge sexuelle Belästigung erfahren haben, blieb mit sieben Prozent konstant.

Nach Angaben der australischen Regierung sind inzwischen etwas mehr als ein Fünftel der Beschäftigten bei Rio Tinto weiblich, 2018 waren es noch 16,3 Prozent. Die Rohstoffförderung zählt zu den am höchsten bezahlten Branchen Australiens.

apr/Reuters