Bekannt als »Auto-Aldi« Das ist Lindners neuer Arbeitgeber
Autoland-Chef Wilfried Wilhelm Anclam mit Christian Lindner: Künftig ein Team
Foto:Luca Geselle / Autoland AG / obs
Christian Lindner pflegte sein Faible für Autos schon, als er noch aktiver Politiker, FDP-Chef und Finanzminister war. Da verwundert es nicht, dass er nach dem Ende seiner Politikkarriere künftig dort arbeiten wird, »wo das Herz der deutschen Wirtschaft schlägt«, wie er es ausdrückt : in der Automobilbranche.
Lindner übernimmt aber keinen Job bei Porsche, BMW oder Mercedes. Die neue Position ist weniger glamourös. Statt bei Premiumherstellern startet Lindner im Januar als stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Autoland, einem Discounter für Neu- und Gebrauchtwagen, in der Branche als »Auto-Aldi« bekannt. Er soll unter anderem für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Digitalisierung zuständig sein.
In Hannover gegründet, in Ostdeutschland verankert
Lindners neuer Arbeitgeber wurde 1978 von Wilfried Wilhelm Anclam in Hannover gegründet. Er hatte seine berufliche Laufbahn als jüngster Polizist Niedersachsens begonnen, ehe er unter die Autohändler ging, um VW-Käfer zu kaufen und zu verkaufen. Er habe damals gelesen, »dass es Käfer für 600 und für 1200 DM gab«, sagte Anclam 2023 der »Hannoverschen Allgemeinen« . Diese Differenz habe ihn interessiert. Er mietete eine Garage an – der Beginn von Autoland.
Nach dem Mauerfall verlegte Anclam den Firmensitz: von Hannover nach Leipzig und später nach Brehna in Sachsen-Anhalt. Bis heute liegt der Schwerpunkt des Unternehmens in Ostdeutschland, insbesondere in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Das Unternehmen hat etwa Standorte in Leipzig, Chemnitz, Bautzen und zweimal in Dresden. 2019 wandelte Anclam Autoland e.K. in eine Aktiengesellschaft um.
Lindner bei »Auto-Aldi«
Insgesamt verfügt das Unternehmen heute eigenen Angaben zufolge über 32 Niederlassungen in neun Bundesländern. Dort verkauft Autoland als Discounter Neuwagen und Gebrauchtwagen. Zum Unternehmen zählen rund 1500 Mitarbeitende. Künftig ist auch Lindner Teil des Teams.
Mit ihm gewinne Autoland ab Januar »eine außergewöhnlich starke Persönlichkeit«, sagte Anclam einem Bericht des Portals »Autohaus« zufolge, als er den prominenten Zugang am Montag vor der gesamten Vorstandschaft und dem Aufsichtsrat berief. »Er trat stets mit Überzeugung für den Mittelstand und für die Interessen der Autofahrer ein. Und das wird er auch außerhalb der Politik fortsetzen«, sagte Anclam.
Christian Lindner steigt aus einem Wagen (März 2018)
Foto:Bernd von Jutrczenka / picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa
Tatsächlich kokettiert Lindner seit Langem mit seiner Affinität für Autos. Vor einigen Jahren sagte er dem SPIEGEL , das erste Wort seines Lebens sei »Auto« gewesen. Und sein Faible für Porsche ist wohlbekannt. Als Minister pflegte er enge Kontakte zu Spitzenleuten aus der Autobranche.
Ambitionierte Pläne
»Ich habe Christian Lindner gewonnen, weil er seit Jahrzehnten Kampagne, Vertrieb, Marketing, Organisationsentwicklung und Digitalisierung verantwortet hat«, zitiert »Autohaus« Firmengründer Anclam. Bei diesen Themen solle Lindner in seiner neuen Rolle Verantwortung übernehmen – »vor allem also die Stärkung unseres Vertriebs, die Beschleunigung der Digitalisierung unserer Geschäftsbereiche und die Internationalisierung«.
Letzteres lässt aufhorchen, denn: Lindner soll den Bekanntheitsgrad und die Internationalität des Unternehmens steigern. »Für mich ist individuelle Mobilität eine Frage der Freiheit. Deshalb darf das Auto nicht zum Luxusgut für wenige werden, sondern muss für viele Menschen bezahlbar bleiben«, teilte Lindner mit. Das sei ebenso seine Mission wie die von Autoland. »Es gilt also: Auto statt Hedgefonds, Sandersdorf-Brehna statt New York.«
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Ob das ein Seitenhieb auf seine ehemalige Kabinettskollegin Annalena Baerbock ist, die inzwischen Vorsitzende der Uno -Vollversammlung in New York ist? Allerdings hatte auch Lindner sich nach seinem politischen Karriereende genehmigen lassen, als Investor und Berater zu arbeiten .
In jedem Fall will Autoland expandieren: In diesem Jahr hat der Konzern neue Standorte in Coburg, Halle und Hamburg eröffnet. Über die Zweitmarke Autodiscount24 kamen Filialen in Kassel und Göttingen dazu, schreibt »Autohaus«.
Im vergangenen Jahr lag der Umsatz laut Firmenangaben bei 890 Millionen Euro – mehr als 50.000 Autos wurden verkauft. Im laufenden Jahr will Autoland die Umsatzmilliarde knacken und knapp 60.000 Autos verkaufen. In zehn Jahren soll es 120 Niederlassungen bundesweit geben und bis 2045 einen Anteil von fünf Prozent am deutschen Markt erreichen. Das ist ein ambitioniertes Ziel: Es entspricht rund 500.000 verkauften Fahrzeugen jährlich.