Eklat um X-Besitzer Weißes Haus wirft Musk »abscheuliche Förderung von antisemitischem Hass« vor
Milliardär und X-Besitzer Musk
Foto: Gonzalo Fuentes / REUTERSDer doppelte Eklat um Antisemitismus und Nazi-Inhalte auf der Plattform X und bei seinem Inhaber Elon Musk selbst führt in den USA zu sehr deutlichen Reaktionen. Das Weiße Haus hat mit scharfen Worten Stellung zum öffentlichen Zuspruch des Multimilliardärs zu einem antisemitischen Beitrag genommen. »Wir verurteilen diese verabscheuungswürdige Förderung von antisemitischem und rassistischem Hass auf das Schärfste, die unseren Grundwerten als Amerikaner zuwiderläuft«, sagte ein Sprecher.
Musk hatte am Mittwoch einen Beitrag mit einer antisemitischen Verschwörungstheorie befürwortet. Darin wurde unter anderem die Falschbehauptung aufgestellt, von jüdischer Seite werde »Hass gegen Weiße« verbreitet. Musk schrieb unter dem Beitrag, darin stehe die »tatsächliche Wahrheit«. In späteren Äußerungen rückte Musk nicht von seiner Position ab, sondern relativierte sie nur ein wenig. Das Weiße Haus ließ nun verlauten, es sei »inakzeptabel, die abscheuliche Lüge« zu verbreiten, »schon gar nicht einen Monat nach dem tödlichsten Tag für das jüdische Volk seit dem Holocaust«. Gemeint ist der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober.
Gleichzeitig wenden sich immer mehr große Werbekunden vom Twitter-Nachfolger X ab. Laut Medienberichten stoppten am Freitag unter anderem Apple, Disney, Paramount und der Warner-Konzern die Werbung auf der Plattform. Auch das Filmstudio Lionsgate bestätigte, dass Anzeigen auf der Plattform ausgesetzt worden seien. Zuvor hatte der IT-Konzern IBM seine Werbung bei X pausiert.
Auslöser für die IBM-Entscheidung war, dass Anzeigen des Unternehmens bei X neben Nazi-Beiträgen und antisemitischen Äußerungen entdeckt wurden. Die Organisation Media Matters zeigte auf, wie Werbung unter anderem von IBM, Apple und dem Softwarekonzern Oracle auf X neben Beiträgen mit positiven Äußerungen über Adolf Hitler und die Ideologie der Nationalsozialisten auftauchte.
Die wirtschaftliche Lage von X ist bereits schwierig. Musk räumte mehrfach ein, dass die Werbeerlöse nur noch in etwa halb so hoch seien wie zu Twitter-Zeiten. Er versucht zwar, mehr Geld durch Abo-Angebote einzunehmen. Nach Einschätzung von Experten kann das aber bisher den Wegfall der Anzeigeneinnahmen nicht annähernd ausgleichen.
Zugleich ist Musk zumindest auf dem Papier immer noch der reichste Mensch der Welt und kommt nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg derzeit auf ein Vermögen von rund 219 Milliarden Dollar. Allerdings besteht der weitaus größte Teil davon aus seinen Beteiligungen an dem von ihm geführten Elektroauto-Hersteller Tesla und seiner Raumfahrtfirma SpaceX. Schon für den 44 Milliarden Dollar teuren Kauf von Twitter im Oktober vergangenen Jahres musste Musk Tesla-Anteile verkaufen und auch Kredite von rund 13 Milliarden Dollar aufnehmen. Diese Kredite lasten jetzt auf X, ihre Bedienung kostet laut Medienberichten rund eine Milliarde Dollar pro Jahr.