Ergo startet Transparenzoffensive - DER SPIEGEL
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Transparenzoffensive Ergo veröffentlicht eigene Skandälchen-Liste

Nach Skandalgeschichten um Sex-Sausen geht die Ergo-Versicherung in die Offensive: Der Konzern hat eine Website freigeschaltet, die Fehltritte von Mitarbeitern öffentlich macht. Dazu gehören Besuche von Striptease-Clubs, aber auch Belästigungen des Servicepersonals.
Ergo-Zentrale in Düsseldorf: "Wir haben verstanden"
Ergo-Zentrale in Düsseldorf: "Wir haben verstanden"

Ergo-Zentrale in Düsseldorf: "Wir haben verstanden"

Foto: Martin Gerten/ dpa
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Hamburg - Es gilt zu retten, was noch zu retten ist: Der Ruf der Ergo-Versicherung wurde durch mehrere Sexskandale ruiniert, zig Kunden kündigten aus Protest ihre Policen, jetzt will der Konzern mit einer ungewöhnlichen Aktion Vertrauen zurückgewinnen. Auf einer am Sonntag freigeschalteten Internetseite legt das Unternehmen alle geprüften Vorfälle der vergangenen zehn Jahre offen - und will nach eigenen Angaben rechtzeitig auf neue Fehltritte aufmerksam machen. "Wir haben verstanden, dass wir unseren eigenen Ansprüchen an eine transparente Kommunikation nicht in allen Punkten gerecht geworden sind", schreibt Ergo-Chef Torsten Oletzky in einem offenen Brief .

Schwerpunkt der Liste ist die Sex-Party in Budapest, die 2011 ans Licht kam und den Ergo-Skandal auslöste. Hierzu gibt der Konzern nun den internen Revisionsbericht frei, der bereits von anderen Medien veröffentlicht wurde.

Auch auf die bekannten Fälle der Reisen in den Swingerclub Hedonism II auf Jamaika in den Jahren 2009, 2010 und 2011 geht Ergo auf der Website ein.

Bisher unbekannt dagegen ist diese Liste "nachgewiesener Fehlverhalten":

  • Sardinien 2012: Ungebührliches Verhalten eines Reiseteilnehmers gegenüber einer weiblichen Begleitperson und einer Servicekraft.
  • Kitzbühel 2010 und 2011: Es liegen Taxi-Rechnungen vor, denen zufolge Reiseteilnehmer von einer Tabledance-Bar ins Hotel zurückgefahren sind. Belege der Bar liegen nicht vor.
  • Hamburg (2010): Eine Außendienstführungskraft rechnete per Eigenbeleg vier Eintrittskarten sowie Getränke über insgesamt 69,50 Euro von einem Striptease-Nachtclub ab.
  • New York (2010): Bei einer Wettbewerbsreise ging eine Gruppe von Teilnehmern nach dem offiziellen Programm in einen Club mit Striptease-Programm; dabei wurden seitens der Reisebegleitung Getränke bezahlt. Die Kosten beliefen sich auf etwa 900 Euro.
  • Rio de Janeiro (2010): Die Revision fand Belege über Getränke über zirka 300 Euro von einem Nachtclub, die dem Unternehmen in Rechnung gestellt wurden.
  • Tallinn (2009): Es wurden zehn Eintrittstickets über zusammen 100 Euro von einem Striptease-Nachtclub abgerechnet.
  • Wien (2008): Reiseteilnehmer rechneten Belege über Getränke in Höhe von etwa 250 Euro von einer Nachtbar ab.
  • Hamburg (2007): Ein Geschäftsstellenleiter besuchte mit Seminarteilnehmern einen Erotik-Club auf der Reeperbahn.

Die neu veröffentlichten Skandälchen sind laut Ergo aus rund 500 Stichproben aller Reisen der vergangenen zehn Jahre hervorgegangen - und sollen vermutlich vor allem eins beweisen: Die Lustreise in Budapest war in Form und Größe einmalig.

Dennoch will Ergo künftig auf Nummer sicher gehen und kündigt weitere Änderungen für die Vertriebsmitarbeiter an. So werden beispielsweise Reisen nur noch in Europa und mit Ehe- oder Lebenspartner angeboten.

Ergo-Chef Oletzky, dem in der Affäre wiederholt ungeschicktes Verhalten vorgeworfen wurde und nun offenbar vorsichtiger geworden ist, will weitere Skandale nicht kategorisch ausschließen. "Natürlich kennen wir selbst nicht immer alle Missstände. Und selbst die besten Regelwerke werden nicht verhindern, dass es auch künftig zu Fehlverhalten kommt."

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