Konjunktur: Deutschland auf dem letzten Platz der Industrienationen (schon wieder) - DER SPIEGEL
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Internationaler Währungsfonds Deutschland auf dem letzten Platz der Industrienationen (schon wieder)

Der IWF traut der deutschen Konjunktur noch weniger zu als bisher: Im laufenden Jahr werde die deutsche Wirtschaft nur noch um 0,2 Prozent wachsen, so die Experten.
Wartung eines Triebwerks in Berlin: Maue Aussichten für die Konjunktur
Wartung eines Triebwerks in Berlin: Maue Aussichten für die Konjunktur

Wartung eines Triebwerks in Berlin: Maue Aussichten für die Konjunktur

Foto: Luis Alvarez / Digital Vision / Getty Images

Der internationale Währungsfonds (IWF) rechnet zwar mit einer Stabilisierung der Weltwirtschaft im laufenden Jahr, doch Deutschland bleibt dabei das Sorgenkind. Der IWF senkte seine Prognose für die deutsche Wirtschaft deutlich, wie die Finanzorganisation in Washington mitteilte. Demnach wird nur noch ein mageres Wachstum von 0,2 Prozent für möglich gehalten. Ende Januar hatte der IWF Deutschland noch ein Plus von 0,5 Prozent zugetraut. Keine andere große Wirtschaftsnation auf der Welt muss sich mit derart schlechten Werten begnügen.

Der IWF verwies zur Begründung unter anderem auf den anhaltend schwachen Konsum. Deutschland war stärker als andere große Volkswirtschaften vom russischen Angriff auf die Ukraine betroffen, der hierzulande zu höheren Energiekosten führte.

Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft, während viele andere Länder in Europa und Übersee deutlich auf Wachstumskurs waren. 2025 traut der IWF Deutschland dann ein Plus von 1,3 Prozent zu. Das sind ebenfalls 0,3 Punkte weniger als im Januar gedacht. Im internationalen Vergleich wäre Deutschland damit aber nicht mehr das Schlusslicht. Italien und Japan dürften weniger Dynamik aufweisen.

Erholung der globalen Konjunktur

Weltweit prognostiziert der IWF sowohl für dieses als auch nächstes Jahr ein Wachstum von 3,2 Prozent – das ist die gleiche Rate wie bereits 2023. Dies ist eine Stabilisierung nach massiven Bremsspuren durch den russischen Angriff auf die Ukraine und die danach stark gestiegene Inflation. Im langjährigen Vergleich – der Durchschnitt liegt bei 3,8 Prozent – sind die Werte allerdings schwach. Deutschland dürfte auch 2024 im Kreis der wichtigsten Volkswirtschaften am schlechtesten abschneiden. Hoffnung macht dem IWF aber die zurückgehende Inflation, die baldige Zinssenkungen zulassen könnte.

Die Weltwirtschaft sei erstaunlich widerstandsfähig, sagte IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas. »Trotz vieler düsterer Prognosen hat die Welt eine Rezession vermieden.« Es habe keine unkontrollierten Lohn-Preis-Spiralen gegeben. »Stattdessen ist die Inflation, fast so schnell wie sie gestiegen ist, jetzt auf dem Weg nach unten.« Allerdings sei die Normalisierung in den reichen Industrieländern ausgeprägter als in ärmeren Staaten.

»Die meisten Indikatoren deuten eine sanfte Landung an.«

IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas

»Die meisten Indikatoren deuten eine sanfte Landung an«, so Gourinchas. Gegenüber Januar hob der IWF seine Schätzung für die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 0,1 Prozentpunkte an. Deutlich optimistischer zeigte sich die internationale Finanzorganisation mit Sitz in Washington für die US-Wirtschaft. Sie dürfte 2024 und 2025 um 2,7 und 1,9 Prozent zulegen.

Die Prognosen für die Eurozone, die stärker von den Folgen des Ukrainekriegs betroffen ist, wurden dagegen gesenkt. Das liegt maßgeblich am Schwergewicht Deutschland, für das der IWF angesichts eines schwachen Konsums nur Wachstumsraten von 0,2 und 1,3 Prozent voraussagt. Beide Schätzungen liegen 0,3 Punkte unter den Januarprognosen. Zugpferde sind international vor allem die großen Schwellenländer China und Indien. Russland, das derzeit viel Geld in Kriegswirtschaft und Aufrüstung steckt, wächst deutlich stärker als bisher angenommen – um 3,2 und 1,8 Prozent in den Jahren 2024 und 2025. Damit wurden die bisherigen Schätzungen um 0,6 und 0,7 Punkte nach oben gesetzt.

Höhere Inflation in armen Staaten

Der IWF betonte, dass sich Chancen und Risiken wieder die Waage halten, nachdem zuletzt die Risiken eindeutig überwogen hatten. Wichtig bleibt die Inflation. Sie dürfte zwar seit den Höchstwerten Mitte 2022 weiter zurückgehen, aber mit unterschiedlichem Tempo. In den Industriestaaten werden 2024 noch 2,6 Prozent erwartet, 2025 dann 2,0 Prozent. Letzterer Wert entspricht dem Ziel großer Notenbanken wie der EZB oder der Fed in den USA. Dies dürfte die Basis für Zinssenkungen im zweiten Halbjahr bereiten, die dann wiederum die Konjunktur anschieben sollten. In Schwellen- und Entwicklungsländern werden dagegen 2024 und 2025 noch Teuerungsraten von 8,3 und 6,2 Prozent prognostiziert und damit etwas mehr als im Januar. Der allgemeine Trend sei ermutigend, sagte Gourinchas. »Wir sind aber noch nicht da.«

Der Währungsfonds warnte erneut vor der seit der Coronapandemie stark gestiegenen Staatsverschuldung. Die Regierungen müssten wieder Puffer in ihren Haushalten schaffen, um auf Krisen reagieren zu können. Dies werde sich kurzfristig aber negativ auf die Konjunktur auswirken. China muss laut IWF weiter die Immobilienkrise im Land in den Griff bekommen. Die schwächere Entwicklung armer Länder werde die Spaltung der Welt noch vertiefen, warnte der IWF.

mic/Reuters