Lyten: Northvolt-Investor will offenbar weitere Steuergelder für insolventen Batteriezellhersteller - DER SPIEGEL
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Insolventer Batteriezellhersteller Northvolt-Investor Lyten will offenbar weitere Steuergelder

Ein kalifornisches Start-up will das mit viel Steuergeld unterstützte Unternehmen Northvolt übernehmen. Laut einem Medienbericht plant Lyten, dafür weitere öffentliche Hilfen zu beantragen.
Northvolt-Baustelle bei Heide: »Mehrere Programme, die (...) zugänglich werden«
Northvolt-Baustelle bei Heide: »Mehrere Programme, die (...) zugänglich werden«

Northvolt-Baustelle bei Heide: »Mehrere Programme, die (...) zugänglich werden«

Foto: Chris Emil Janssen / IMAGO

Es ist eine der größten Insolvenzen der jüngeren europäischen Geschichte: Ehe der schwedische Batteriezellhersteller Northvolt in die Pleite rutschte, sammelte er knapp sechs Milliarden von Kreditgebern ein. Darunter viele öffentliche Mittel; allein die deutschen Steuerzahler drohen auf einem Verlust von rund einer Milliarde Euro sitzenzubleiben.

Doch während die Aufarbeitung dieses Förderflops noch läuft, will der wohl neue Investor im Zuge der geplanten Übernahme laut einem Medienbericht bereits weitere Fördergelder beantragen. Das US-Start-up Lyten plane, finanzielle Unterstützung einzufordern, berichtete die schwedische Wirtschaftszeitung »Dagens Industri « unter Berufung auf den Vorstandsvorsitzenden Dan Cook.

Cook wolle sich vor allem an Brüssel wenden. Er sagte der Zeitung: »Es besteht kein Zweifel, dass die Europäische Union eine Batterieproduktion in der Region, auf dem Kontinent, wünscht.«

»Es gibt mehrere Programme, die Lyten durch diesen Deal zugänglich werden«, wird Cook zitiert. Offen ist, welche er genau im Sinn hat. Er habe aber »einige unserer Kooperationspartner gebeten, sich dies anzusehen«.

Unklare Eigentümerstruktur

Ebenfalls unklar ist, ob er auch von Deutschland direkt weitere Gelder fordert – etwa für die bei Heide geplante Batteriezellfabrik. Ausgeschlossen scheint das nicht. Der Bund und Schleswig-Holstein hatten Northvolt vor der Insolvenz schließlich noch zusätzliche Gelder in Aussicht gestellt.

Allein weitere 700 Millionen Euro sollten nach dem »Temporary Crisis and Transition Framework« (TCTF) fließen, wonach EU-Staaten Projekte für Klimaneutralität unterstützen können. Eine der deutschen Northvolt-Töchter hat hierüber einen rechtsgültigen Zuwendungsbescheid erhalten.

Dass ein neuer Investor prinzipiell darauf Zugriff haben könnte, hatte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums dem SPIEGEL bestätigt: »Es gibt keinen Automatismus der Übertragung«, teilte sie mit. Diese sei jedoch »unter bestimmten Voraussetzungen« möglich.

Das Northvolt-Heimatland Schweden will Cook erst mal nicht um Hilfe bitten. Das Land habe »eine Menge durchgemacht«, sagte er »Dagens Industri«. Die schwedische Regierung fuhr zuletzt auch eine restriktive Förderpolitik, die christdemokratische Vizeregierungschefin Ebba Busch hatte die EU für Northvolt in der Verantwortung gesehen.

Lyten war am Freitag am Sitz des Northvolt-Stammwerks Ett in Skellefteå als künftiger Eigentümer der Fabrik in Schweden sowie der deutschen Northvolt-Töchter vorgestellt worden. Die schwedischen Behörden und die Gläubiger müssen den Übernahmeplänen noch zustimmen .

Das Unternehmen liefert Batterietechnik für militärische Drohnen. Anders als Northvolt, das vornehmlich an Lithium-Ionen-Akkus gearbeitet hat, ist es auf Lithium-Schwefel-Akkus spezialisiert.

Bei Lyten handelt es sich um ein deutlich kleineres Unternehmen als Northvolt. Es hat gerade mal rund 300 Beschäftigte, erwägt nun aber, Tausende anzustellen – darunter auch viele entlassene Northvolt-Mitarbeiter.

Bezüglich seiner Eigentümerstruktur hielt sich Lyten zuletzt bedeckt. Es sind nur wenige Kapitalgeber bekannt, darunter der Autokonzern Stellantis oder das Logistikunternehmen FedEx. Cook sprach außerdem von »vielen Milliardären und einer Vielzahl von Millionären« unter seinen Geldgebern, Namen nannte er nicht. Insgesamt gibt es laut »Dagens Industri« rund 800 Miteigentümer, die Größe ihrer Anteile ist nicht öffentlich.

Auch Details der Finanzierung der geplanten Übernahme sind unklar. Zum Kaufpreis äußerte sich Lyten-Chef Cook nicht. Er sprach im Sender SVT aber von einem großen Abschlag, den sein Unternehmen erhalte. Insolvenzverwalter Mikael Kubu warnte, dass durch die Übernahme viele Gläubiger »sehr viel« Geld verlieren würden.

Der Northvolt-Konzern galt als grüne Hoffnung, die der deutschen Autoindustrie bei der Mobilitätswende mit Batteriezellen aus Europa helfen sollte. Unter anderem der Bund, Schleswig-Holstein, die staatliche KfW und die EU beteiligten sich an der Finanzierung.

Lesen Sie hier: So gereizt reagiert Günthers Staatskanzlei auf Fragen zum Northvolt-Debakel 

nna/apr