Neue Anleihen und Bargeld So funktioniert der Schuldenschnitt
Griechische Euro-Münzen: Im Tausch gegen die alten Anleihen gibt es auch Bares
Foto: YIORGOS KARAHALIS/ REUTERSHamburg - Jetzt kann es losgehen. Zum Ablauf der Frist am Donnerstagabend hat sich der Großteil der privaten Gläubiger Griechenlands bereit erklärt, an der Umschuldung teilzunehmen - der Rest soll per Gesetz dazu gezwungen werden. Insgesamt geht es um ausstehende Anleihen im Volumen von 206 Milliarden Euro.
Wann der Schuldenschnitt beginnt, ist noch unklar. Für kommenden Montag war eigentlich die Unterzeichnung der Verträge vorgesehen. Zumindest für den Großteil der Anleihen, der nach griechischem Recht begeben wurde, könnte dies auch weiter gelten. Für jene Papiere, die unter ausländischem Recht firmieren, wurde die Umtauschfrist noch einmal bis 23. März verlängert.
Doch egal wann der Umtausch stattfindet, er läuft nach dem selben Prinzip ab. Die Besitzer der alten Anleihen müssen diese an den griechischen Staat zurückgeben. Im Gegenzug erhalten sie mehrere neue Papiere, die allerdings deutlich weniger Wert sind. Insgesamt verzichten die Investoren auf 53,5 Prozent des ursprünglichen Nominalwerts der Anleihen. Für die restlichen 46,5 Prozent erhalten sie eine Mischung aus neuen Papieren und Bargeld.
Weil die Investoren nicht nur auf gut die Hälfte der Rückzahlung verzichten, sondern auch auf einen Gutteil ihrer ursprünglich erwarteten Zinsen, entgehen ihnen insgesamt sogar rund 74 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen. Im Gegenzug erhalten sie die Zusage der europäischen Politiker, bei einem weiteren Schuldenschnitt nicht noch einmal belangt zu werden. Rechtlich sicher ist diese Zusage allerdings nicht. Sollte es irgendwann zu einem wirklichen Staatsbankrott kommen, müssten alle Gläubiger erneut um einen Teil ihres Geldes bangen.
Hier ein Rechenbeispiel, für eine alte Anleihe über 1000 Euro. Für sie erhalten die Investoren neue Papiere über 465 Euro, die sich wie folgt aufgliedern:
- 315 Euro werden in neuen Anleihen des griechischen Staates ausgezahlt. Die Anleihen sind nach britischem Recht ausgegeben und haben eine Laufzeit von 30 Jahren. Die Zinsen sind gestaffelt. Sie beginnen bei zwei Prozent und steigen im Laufe der Zeit auf bis zu 4,3 Prozent. Ab 2022 sollen jedes Jahr fünf Prozent des Geldes an die Gläubiger zurückgezahlt werden.
- Um die Zinserträge möglicherweise noch etwas aufzupeppen, gibt es zusätzlich einen sogenannten Besserungsschein: Er bringt ab 2015 bis zu ein Prozent zusätzlich Zins, wenn die griechische Wirtschaft im Vorjahr entsprechend gut gewachsen ist. Dazu müsste sich die Konjunktur in dem Land allerdings deutlich beleben. Seit vier Jahren steckt die Wirtschaft dort in der Rezession. Im Moment würde der Schein also keine Extra-Zinsen abwerfen.
- 150 Euro sollen in bar an die Investoren ausgezahlt werden, als Anreiz, am Schuldenschnitt teilzunehmen. Dazu stehen aus dem zweiten Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds insgesamt 30 Milliarden Euro als sogenannte Sweetener bereit - zu Deutsch: Süßungsmittel. Das Geld soll aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF kommen, es fließt allerdings nicht sofort, sondern erst im Verlauf der nächsten ein bis zwei Jahre. Für die Zwischenzeit erhalten die Gläubiger niedrig verzinste Anleihen des EFSF mit einjähriger und zweijähriger Laufzeit. So soll dem Fonds Zeit verschafft werden, sich das Geld durch längerfristige Anleihen am Kapitalmarkt zu leihen - und dann in bar an die Gläubiger auszuzahlen.
- Zusätzlich gibt es weitere EFSF-Anleihen mit sechsmonatiger Laufzeit. Sie sollen die Zinsen der alten Griechenland-Papiere ausgleichen, die wegen des Umtauschs nicht mehr ausgezahlt werden können. Ein fiktives Beispiel: Eine griechische Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2015 sieht jährliche Zinszahlungen in Höhe von fünf Prozent vor. Der Stichtag für die Zahlung ist immer der 1. April. Wenn der Schuldenschnitt nun aber wie geplant im März stattfindet, entgehen dem Anleger Zinszahlungen für fast ein Jahr. Diese Zahlungen sollen durch die EFSF-Anleihen ausgeglichen werden.