Start-up-Konzern Rocket Internet sammelt weiter Geld ein
Rocket-Chef Oliver Samwer: "Top-Liga der Investoren"
Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERSDie Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet lehnt trotz stark gesunkenen Aktienkurses einen Strategiewechsel ab. "Der Kurs unseres Unternehmens ist, dass wir über viele Jahre noch im Investitionsmodus sind", sagte Gründer und Vorstandschef Oliver Samwer am Dienstag in Berlin. Man sei dagegen, "kurzfristig der Börse immer alle drei Monate Häppchen zu zeigen".
Neues Kapital für langfristige Investitionen bringt demnach der Rocket Internet Capital Partners Fund. In einer ersten Runde habe man dafür mehr als gut 385 Millionen Euro eingesammelt, gab Samwer bekannt. "Das ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis in das Rocket-Geschäftsmodell." Von der Summe kommen 46 Millionen Euro von Rocket selbst.
Insgesamt werden mehr als 460 Millionen Dollar angestrebt. Der Fonds mit Sitz in Luxemburg sei auf zehn bis zwölf Jahre angelegt und soll sein Geld gemeinsam mit Rocket Internet in aussichtsreiche Jungunternehmen stecken. Zu den Investoren zählen nach Samwers Worten Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen.
Samwer dementiert Streit im Aufsichtsrat
Mit eigenen Barmitteln von 1,7 Milliarden Euro könne Rocket nun insgesamt 2,1 Milliarden Euro investieren, sagte Samwer. "Damit spielen wir international in der Top-Liga der Investoren."
Die Rocket-Aktie hatte in den vergangenen Wochen stark an Wert verloren. Am Dienstag notierte sie zwischen 18,50 Euro und 19 Euro. Beim Börsengang im Oktober 2014 waren 42,50 Euro erzielt worden.
Nach einigen Personalwechseln widersprach Samwer Berichten, wonach es Konflikte im Unternehmen oder mit einem seiner Teilhaber, der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, gebe. "Das Rocket-Kernteam ist unverändert." Es habe zu keinem Zeitpunkt Streit im Aufsichtsrat gegeben.
Insider hatten mit mehreren Medien über einen Streit zwischen dem Rocket-Management und Kinnevik über den geplanten Börsengang des Lebensmittelversenders Hello Fresh gesprochen. Angeblich hatte Samwer das Berliner Unternehmen für 3,3 Milliarden Euro an die Börse bringen wollen, Kinnevik hätte sich mit einem geringeren Preis zufriedengegeben.
"Von nun an geht es runter" - also aufwärts
Letztlich wurde der Börsengang mit Verweis auf das "Marktumfeld" verschoben, Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau warf als Vorsitzender des Rocket-Aufsichtsrats hin.
Hello Fresh sei extrem erfolgreich, sagt Samwer nun. Man wolle aber auf ein besseres Umfeld warten. "Am Ende gehen sie mit einem Schiff raus, wenn der Wind gut ist."
Samwer sagte, die Verluste seiner wichtigsten Beteiligungen ("Proven Winners") hätten 2015 ihren Höchststand erreicht. "Von nun an geht es runter." Vom vierten Quartal 2017 an sollen drei dieser zwölf Unternehmen dauerhaft profitabel sein. Auch der Schuh- und Modehändler Zalando , der inzwischen Gewinn macht, sei über Jahre für seine Verluste kritisiert worden, verteidigte Samwer den Kurs.