VW: Audi-Boss zieht Schlechtwetterklausel für Gespräche über Sparmaßnahmen - DER SPIEGEL
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Autobauer in der Krise Audi-Boss zieht Schlechtwetterklausel für Gespräche über Sparmaßnahmen

Der größte Sparplan der Volkswagen-Geschichte bedroht das Werk der Audi-Tochter in Neckarsulm. Dort verteidigt VW-Boss Blume auf einer Betriebsversammlung seinen Kurs, die Arbeitnehmerseite kritisiert die Pläne. Nun wird verhandelt.
Audi-Mitarbeiter im Werk Neckarsulm im Jahr 2015
Audi-Mitarbeiter im Werk Neckarsulm im Jahr 2015

Audi-Mitarbeiter im Werk Neckarsulm im Jahr 2015

Foto: Stephan Görlich / IMAGO

Der Autobauer Audi hat Pflichtverhandlungen über Stellenabbau und Arbeitsbedingungen angestoßen. Er habe die Sozialpartner zu Gesprächen über die künftige Aufstellung des Unternehmens aufgefordert, sagte Audi-Chef Gernot Döllner auf der Audi-Betriebsversammlung im Werk Neckarsulm, das vor dem Aus stehen könnte.

2019 ist im Zukunftspakt des Unternehmens eine sogenannte Schlechtwetterklausel vereinbart worden. Sie legt fest, dass Geschäftsführung und Betriebsrat in Verhandlungen über Sparmaßnahmen treten müssen, sollten sich wesentliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern. Das sei nun der Fall, so Döllner. Alexander Reinhardt, Audi-Betriebsratschef am Standort Neckarsulm, sagte, man prüfe derzeit, ob die Voraussetzungen zum Zug der Klausel gegeben seien. Danach sei der Betriebsrat bereit, in Gespräche einzusteigen.

Der Volkswagen-Konzern, zu dem Audi gehört, hatte im September ein historisches Sanierungsvorhaben angekündigt. Der Sparplan des Unternehmens sieht vor, dass der Audi-Standort Neckarsulm ein Jahr Zeit hat, ein Konzept zur Kostensenkung vorzulegen. Andernfalls droht das Aus. Sollte Audi das Werk dichtmachen, rechnen Wirtschaftsexperten mit dem Verlust von etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Region. Neben den mehr als 15.000 Beschäftigten im Werk hängen etwa 1000 Zulieferunternehmen an der Produktion dort.

Fabrikkosten nicht wettbewerbsfähig?

Das Werk in Neckarsulm gilt als eine der modernsten Autofabriken des Landes, es ist ein Aushängeschild des VW-Konzerns. Gebaut werden dort die Premiummodelle A5, A6, A8 und der e-tron GT. In der Lackiererei steuert eine KI testweise die Trocknung der Karosserien, rund 200 fahrerlose Fahrzeuge übernehmen Transportwege, ein Algorithmus plant die Produktion sechs Tage im Voraus.

Aus Konzernkreisen heißt es jedoch, die Fabrikkosten pro Fahrzeug lägen in Neckarsulm derzeit bei etwas unter 6000 Euro je Fahrzeug. Besonders wettbewerbsfähige Werke in Europa kämen hingegen auf rund 3000 Euro. Anders als bei vielen Kleinwagen bräuchten die in Neckarsulm gebauten Premiummodelle wie der A6 aber auch deutlich mehr Montagezeit. Bereinigt um Stückzahl und Fahrzeugklasse bleibe trotzdem ein Kostenunterschied von rund 2000 Euro pro Auto.

Nun droht das Ende der Produktion. Auf der Betriebsversammlung in Neckarsulm verteidigte VW-Boss Oliver Blume seinen Kurs. Man habe den Konzern über viele Jahre für größere Märkte und höhere Absätze aufgebaut, sagte Blume. Heute seien viele Strukturen zu groß und die Kosten zu hoch, weswegen viele Stellen gestrichen werden müssten. Gleichzeitig nehme der Volkswagen-Konzern Milliarden in die Hand, um den Personalabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten.

Audi-Gesamtbetriebsrat Jens Stammler übte scharfe Kritik an den Schließungsplänen für den Standort Neckarsulm: »Wer unsere Perspektive anzweifelt, stellt damit einen Standort infrage, der die Audi AG mit aufgebaut hat«, sagte Stammler. Die Menschen in Neckarsulm hätten über viele Jahre hinweg mit Engagement, Flexibilität und Loyalität für das Unternehmen gearbeitet.

Zehn Milliarden Euro allein für den Jobabbau – Volkswagens historische Sanierung wird den Autokonzern erst einmal viel kosten. In Wolfsburg droht der nächste Streit über Geld. Wie teuer Volkswagens Radikalkur werden könnte, lesen Sie hier .

jml/dpa