Bis zum Wettkampf bleibt nicht mehr viel Zeit. Und so kommt es, dass Fiona Münsterkötter und Louisa Miklosi an diesem Dezembervormittag ins Schwitzen geraten. Stärker, als ihr Trainingsplan das vorsieht.
In einem Studio in Berlin steht Fiona vor einem Ski-Ergo-Gerät. Zwei Bänder, die daran hängen, zieht sie mit einem Ruck nach unten. Ihrer Freundin Louisa, die hinter ihr wartet, laufen die Schweißperlen von der Stirn. Die Aufwärmphase ist gerade erst vorbei. »Viel zu schnell«, sagt Louisa. »Ruhiger machen klappt nicht«, schnauft Fiona und grinst. Kurze Zeit später ziehen sie abwechselnd einen schweren Schlitten über die Bahn.
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Fiona und Louisa sind 25 Jahre alt. Sie trainieren für einen Hyrox, einen Fitnesswettbewerb. Seit einem halben Jahr bereiten sie sich vor, ein paar Tage später wollen sie als Zweierteam bei einer Hyrox-Veranstaltung in Frankfurt starten. Ein letztes Mal vor dem Wettkampf tragen sie beispielsweise einen Sandsack durch den Raum, rudern am Gerät oder werfen einen Medizinball 100-mal gegen eine Platte hoch an der Wand. Vor jeder Übung laufen sie, acht Kilometer insgesamt, das sparen sie sich heute, ausnahmsweise. Wer den Parcours beim Wettbewerb am schnellsten absolviert, gewinnt.
Louisa zieht beim »Sled Pull« einen Schlitten mit schweren Gewichten
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGELLouisa, 25
Das Hyrox-Studio mit den schwarzen Wänden und den lauten Luftfiltern darin erinnert eher an eine Kasernen-Sporthalle als an eine Wellnessoase. Warum tun sie sich das an?
Die beiden jungen Frauen gehören zu einer Generation, für die Fitness selbstverständlich ist. Die nach Gesundheit strebt. Und nach dem perfekten Aussehen. Louisa, die eine Schilddrüsenunterfunktion hat und als Kind gegen Übergewicht kämpfte, sagt es so: »Durch Fitness fühle ich mich stark, selbstbewusst und schön in meinem Körper.«
Pumpen ist zur Massenbewegung geworden. Mit 11,71 Millionen Menschen – knapp 14 Prozent der Bevölkerung – erreichte die Anzahl der Mitglieder in Fitnessstudios nach neuesten Zahlen von 2024 ein Rekordhoch. Von den 15- bis 65-Jährigen ist mehr als jeder Fünfte dort angemeldet. Die Unternehmensberatung Deloitte, die die Daten mit erhebt, rechnet mit weiterem Wachstum. Stefan Ludwig, Partner und Leiter der deutschen Sport Business Gruppe bei Deloitte, spricht von »unausgeschöpftem Potenzial«.
Soziale Medien sind voller junger Frauen mit Bauchmuskeln und prallem Hintern und junger Männer mit dicken Bizeps und breiten Schultern. Es gibt zwar so etwas wie »Gymtimidation« – die Angst, ins Fitnessstudio zu gehen, weil man gar nicht richtig weiß, wie das alles funktioniert, und man sich blamieren könnte. Doch die Millennials und die Generation Z sind der größte Wachstumstreiber – und sorgen für eine Revolution auf dem Markt.
Statt zahlenden Karteileichen mit Zweijahresverträgen sehen sich die Fitnessstudios einer anspruchsvollen jungen Zielgruppe gegenüber, die flexible Verträge und trendige Angebote erwartet. Zugleich drängen immer neue und immer größere Anbieter auf den Markt. Das Geschäft mit den Fitnessstudios steckt in einer weitreichenden Transformation.
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Die Trendsetter
Louisa und Fiona nutzen das kleine, auf Hyrox-Training spezialisierte Studio über die App von Urban Sports Club. Mit ihrem Tarif in dieser Sport-Flatrate können sie jede Woche diverse Studios besuchen. Neben dem Hyrox-Training buchen sie Kurse in einem Spinning-Studio – Fahrrad fahren zu Technomusik – oder rudern an Geräten. Fiona macht Yoga und Pilates, Louisa geht tanzen. »Es ist angenehm, morgens aufzuwachen und sich zu überlegen, wie ich mich heute fühle, nach Yoga oder nach Krafttraining«, erzählt Louisa. Im Freundeskreis habe »fast jeder Urban Sports Club oder etwas Ähnliches«, sagt Fiona. »Dadurch können wir gemeinsam was machen.«
»Der Anteil der Millennials wächst bei uns stetig«, sagt Benjamin Roth, Co-Gründer von Urban Sports Club. In den Großstädten eröffnen neue Boutique-Studios. Roth erzählt, dass einige neue Studiobetreiber teils ohne große Ausgaben für Marketing und Vertrieb planen würden, weil sie damit rechneten, dass die meisten Kunden ohnehin über die Sport-Flatrates kämen.
Poster mit Arnold Schwarzenegger im Hyrox-Studio
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGEL
Urban-Sports-Club-Gründer Benjamin Roth und Moritz Kreppel mit Wellhub-Chef Cesar Carvalho (Mitte)
Foto: Urban Sports ClubBenjamin Roth, Co-Gründer von Urban Sports Club
Rund die Hälfte der Fitnessstudios in Deutschland wird von Einzelunternehmern betrieben. Das könnte sich bald ändern. Die größten deutschen und europäischen Fitnessketten liefern sich einen Verdrängungswettbewerb. Die LifeFit Group, zu der etwa Fitness First gehört, übernahm im vergangenen Jahr FIT/One. Das niederländische Unternehmen Basic Fit sicherte sich Clever Fit und wurde damit – gemessen an der Anzahl der Studios – Marktführer in Deutschland (siehe Grafik).
Urban Sports Club, bislang in sieben EU-Ländern aktiv, wurde im vergangenen Jahr vom brasilianisch-amerikanischen Konkurrenten Wellhub übernommen. »Eigentlich wollten wir gar nicht verkaufen«, sagt Roth. Aber Wellhub und Urban Sports Club hätten »viele globale Konzerne als Kunden, die ihren Mitarbeitern weltweit ein Wellbeing-Angebot machen wollen«.
Die Ketten müssen sich etwas einfallen lassen, um die junge Kundschaft anzulocken. Früher waren Knebelverträge über ein oder zwei Jahre Standard. Heute bieten viele Studios zusätzlich Verträge an, die sich monatlich verlängern. Das kenne die junge Zielgruppe von Streaminganbietern, sagt Deloitte-Partner Ludwig: »Sie sind es gewohnt, ein Abo abzuschließen und zum Monatsende wieder zu kündigen. Und wenn sie zwei Monate später wieder Lust darauf bekommen, schließen sie ein neues Abo ab.« Im deutschlandweiten Schnitt zahlen Fitnessstudiobesucher knapp 44 Euro pro Monat für ihre Mitgliedschaft.
Um aus der Masse herauszustechen, fördern die Anbieter auch das, was der US-amerikanische Soziologe Erving Goffman in den Fünfzigerjahren als »Eindrucksmanagement« beschrieb: Es geht weniger um den Sport als um die Selbstdarstellung als sportlicher Mensch. Im Dezember richtete Urban Sports Club mehrere »Content Classes« für Influencer und Alltagsathleten in deutschen Großstädten aus. In diesen Kursen war es ausdrücklich erwünscht, dass gefilmt und fotografiert wurde. Sogar ein professioneller Foto- und Videograf war anwesend. Louisa und Fiona waren in Berlin dabei.
»Wir wollten unser normales Training mal festhalten«, sagt Louisa. Andere im Raum hätten dagegen keine kompletten Workouts gemacht, »sondern eher geschaut, in welchem Winkel sie sich am besten filmen«. Recht performativ sei das gewesen. Fiona erzählt, dass die Kursleitung gesagt habe: »Ändert die Übung, wenn sie auf Video nicht schön aussieht.«
Urban Sports Club teilt dazu mit, dass es sich um ein Pilotprojekt gehandelt habe und dass das Trainingserlebnis im Mittelpunkt stehen sollte. Kursleitungen seien entsprechend geschult worden. »Es entspricht nicht unserem Konzept, Übungen primär aus ästhetischen Gründen zu verändern.«
Der Angreifer
Um zu verstehen, wie sich die Szene zum Gesundheits- und Selbstvermarktungsmekka entwickelt hat, fragt man am besten einen, der schon lange dabei und noch lange nicht fertig ist.
Unternehmer Jacob Fatih will mit seinem Start-up aGYM ein neues globales Fitnesskonzept aufbauen. Und er startet dabei von null. Man könnte das als größenwahnsinnige Idee eines Mannes abtun, der die Wände seiner Essener Villa und seine eigene Haut mit Motivationssprüchen pflastert. An der Küchenwand steht: »positive first«. Beim Geräteworkout im leer gepumpten Indoorpool blickt Fatih auf den Spruch »Impossible is a liar« (»Unmöglich ist ein Lügner«). Er hat sich das Wort »Demut« über das Handgelenk und »Love« und »Hope« über acht Finger tätowieren lassen.
Jacob Fatih, Gründer von FitX und aGYM: »Positive first«
Foto: Svenja Ava MüllerJacob Fatih
Sollte seine Idee gelingen, wäre es die dritte große Discount-Fitnesskette, die der 50-Jährige mit aufzieht.
Beim ersten Gespräch im April 2024 hängt hinter Fatih am Kühlschrank zwischen Karten und Restaurantflyern ein Foto aus Zeiten, in denen Kamerafilme noch zum Entwickeln gegeben wurden: Es zeigt drei Männer in T-Shirts und kurzen Hosen in einem Jachthafen auf Mallorca, der junge Fatih ganz links, die Haare kurz, er posiert mit gespanntem Bizeps und lächelt in die Kamera. Rechts neben ihm mit Sonnenbrille und Glatze steht sein Mentor, Rainer Schaller, zu Lebzeiten einer der ganz Großen in der deutschen Fitnessindustrie.
Als junger Mann war Fatih als Flüchtling aus Iran nach Deutschland gekommen und lernte Schaller kennen. Dieser wollte zur Jahrtausendwende mit einer Idee die Sportindustrie revolutionieren: Fitness zum Discountpreis, geöffnet rund um die Uhr. Muckibude für jedermann, weg vom anrüchigen Image. »McFit« nannte Schaller seinen Laden.
Fatih sagt, er sei bei McFit eingestiegen, als es erst eine Handvoll Studios gab. Er sei Filialleiter geworden und habe schließlich den Vertrieb für Deutschland gesteuert. Schaller nahm Fatih unter seine Fittiche und mit in den Urlaub nach Mallorca. McFit wuchs binnen zehn Jahren zum Branchenprimus.
Doch Fatih wollte mehr. Er gründete 2009 das Unternehmen FitX, ohne Finanzierung durch eine Bank, wie er erzählt. Banken hätten »Muckibuden« damals abgelehnt. Fatih baute die Kette zu einem der stärksten Konkurrenten von McFit auf. Über dem Foto von Mallorca hängt eine Trauerkarte mit einem weiteren Bild: Es zeigt Schaller, seine Freundin und zwei Kinder. Die Familie starb 2022 vor der Küste Costa Ricas, als ihr Privatjet abstürzte. »Ich finde es schade, dass wir zuletzt keinen Kontakt mehr hatten«, sagt Fatih. »Ich bin ihm wahnsinnig dankbar.«
Fatih trennte sich erst von McFit, 2019 dann von FitX. Seinen rechten Zeigefinger ziert inzwischen das Logo seines neuen Fitnesskonzepts aGYM. Mit einer App und modernem Design will Fatih Kundinnen und Kunden locken. In das hauseigene Test-Gym in Essen wird mit dem Smartphone eingecheckt. Lange Vertragslaufzeiten nennt er missbilligend »Dauerschuldverhältnisse«.
Fitnessstudios müssten schnell erreichbar und transparent im Preis sein, findet Fatih. »Dann ist es meiner Meinung nach auch kein Problem, bis zu 30 Prozent der Bevölkerung ins Fitnessstudio zu bringen«.
Im Test-Gym sammelt sein Team Informationen, wie sich Menschen motivieren lassen, dranzubleiben bei der Fitnessroutine. »Keep going« lautet der Slogan der neuen Marke. Die ersten Mietverträge sind unterschrieben, das erste Studio soll in absehbarer Zeit im Ring-Center III in Berlin-Lichtenberg eröffnen.
Experten sind zurückhaltender, was Chancen in diesem Bereich angeht. Die Beratungsagentur Deloitte hält es im Discountsegment für schwieriger, neu zu gründen. »Die Konkurrenz ist groß und professionell«, sagt Branchenexperte Ludwig.
Geschafft hat es der europäische Branchenführer Basic Fit. Innerhalb von drei Jahren hat das börsennotierte Unternehmen es vom Markteintritt in Deutschland zum Marktführer nach Studioanzahl gebracht – durch die Übernahme von Clever Fit. Basic Fits eigene Studios kommen fast ohne Personal aus, das Unternehmen betreibt eine aggressive Preispolitik: Ein Jahresabo gibt es hier ab knapp 20 Euro im Monat plus einmalige Anmeldegebühr, günstiger als bei der Konkurrenz.
Platzhirsch unter Druck
Platzhirsch McFit gerät durch solche Angriffe unter Druck. Das liegt auch an hausgemachten Problemen: Viele Studios sind veraltet. Der Mutterkonzern RSG Group, benannt nach Gründer Rainer Schaller, hat 2024 deshalb eine Modernisierungsoffensive gestartet. In Berlin hat im November 2025 ein Studio im neuen Look eröffnet.
Modernisiertes McFit im Einkaufszentrum in Berlin: Neues Konzept soll junge Kundschaft anziehen
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGEL
Tischtennisplatte im Eingangsbereich
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGEL
Bunte Gewichte: Die Studios seien »instagrammable« gestaltet
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGELKnapp zwei Wochen später, an einem Montagnachmittag, ist der auffällige Eingangsbereich mit Tischtennisplatte, Sitzmöglichkeiten und Steckdosen zwar nur übersichtlich belegt, aber der Trainingsbereich ist voll. Die drei Butterfly-Maschinen sind belegt, im Freihantelbereich wird es eng.
Fynn, 21, im Deutschlandtrikot von Musiala, wechselt an die frei werdende Butterfly-Maschine, Warm-up, dann drei Wiederholungen, je bis zum Versagen der Brustmuskulatur. »Die neue Optik ist wirklich gut, und es gibt viele neue Geräte«, sagt er. Nicol, 26, dehnt sich im angegliederten Kursraum. Sie findet die großen Fenster und den breiten Spiegel super, wie sie sagt, um tanzen zu üben. Für Vy, 30, ist der Standort ausschlaggebend, nah an ihrem Wohnort. Sie stemmt bunte Langhanteln in einer Übung namens »Romanian Deadlift«.
Fynn beim Training an der Butterfly-Maschine
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGELFynn, 21, McFit-Kunde
Nicol beim Stretching
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGEL18-Jährige im Frauenbereich des McFit-Studios
Der Frauenbereich ist nur von der Umkleide aus zugänglich, es ist ein einzelner Raum mit Geräten links und rechts an der Wand. Hier trainiert eine 18-Jährige, die anonym bleiben möchte. Über die Hälfte der Mitschülerinnen und Mitschüler ihrer Stufe gehe ins Fitnessstudio, schätzt sie. Das sei »nicht immer so ganz gesund« – viele würden einem toxischen Schönheitsideal nacheifern. Auch sie will mit dem Training ihren »Po aufbauen«, aber auch »ein bisschen Stress abbauen«. Am neuen Studio gefalle ihr, dass der Frauenbereich wirklich getrennt sei vom Rest und nicht einsehbar.
In den kommenden Jahren will McFit die Studios nach und nach modernisieren. Der neue Co-Chef der RSG Group, Hagen Wingertszahn, und der Vizepräsident für Marketing und Vertrieb, Nico Hartwig, wollen erklären, wie McFit versucht, seinen Rückstand aufzuholen.
Fürs Pressefoto setzen Wingertszahn und Hartwig sich nebeneinander auf ein im Zebramuster bezogenes Sitzmöbel in einem transparenten Kubus auf Stelzen, der mitten im Berliner Großraumbüro steht. Ein Mitarbeiter fragt im Vorbeigehen, ob die beiden geheiratet hätten. Wingertszahn lacht laut und droht im Scherz, den Kollegen beim nächsten Spruch in die Personalabteilung zu schicken.
Auch wenn es um die eigenen Fehler geht, ist Wingertszahn direkt. »Wir sind spät dran, aber wir machen die Marke jetzt zukunftsfähig«, sagt er. Gründer Schaller habe vor seinem Tod »weniger Entwicklungspotenzial in McFit gesehen«. Über Jahre sei nichts investiert worden. »Das merkt man.«
Stattdessen wandelte Schaller einige McFit-Studios in Premiumstudios der Marke John Reed um. 2020 ersteigerte er die traditionsreiche US-Marke Gold's Gym, in der schon Arnold Schwarzenegger und andere Prominente trainierten, und erfüllte sich einen persönlichen Traum. Aus dem Discountkönig war ein Luxusfan geworden.
Nach dem Tod des Gründers sattelte Erbe und Bruder Gerd Schaller vom Dirigenten zum Fitness-Co-Chef um. »Wir haben dann die Rolle rückwärts gemacht«, sagt Wingertszahn. Sie schlossen oder verkauften die McFit-Studios in mehreren europäischen Ländern und konzentrierten sich auf Deutschland, Österreich und Italien. »McFit ist unser größter Trumpf«, sagt Wingertszahn, »wegen der hohen Markenbekanntheit.«
Hagen Wingertszahn, Co-CEO der RSG Group, und Nico Hartwig, Vizepräsident für Marketing und Vertrieb
Foto: Jens Gyarmaty / DER SPIEGELNico Hartwig
Die Zeiten, in denen die Kunden in jedes neu eröffnete Studio strömten, seien vorbei. »Es gibt inzwischen alles vom 50-Quadratmeter-Boutique-Studio bis zum 5000 Quadratmeter großen Luxusgym«, so Wingertszahn. »Der größte Druck, den wir haben, ist der Wettbewerbsdruck.« Da müsse man etwas bieten.
Marketing- und Vertriebschef Hartwig kümmert sich um die strategische Vermarktung und somit auch um die Modernisierung der Studios. »Fitness ist heutzutage nicht mehr nur eine Gesundheitsmaßnahme«, sagt er. »Es ist ein Lifestyle. Deshalb wollen sich junge Menschen mit der Marke identifizieren können und auch Fotos machen.« Die Studios seien bewusst »instagrammable« gestaltet, sie seien heller, freundlicher und bunter.
»Den Erfolg eines Studios bestimmt zu mehr als die Hälfte die Lage«, sagt Wingertszahn. »Der Rest hängt vom Produkt ab.« McFit habe den Eingang als Communitybereich gestaltet, »weil junge Menschen einen Ort wollen, an dem sie nicht nur trainieren, sondern auch mit ihren Freunden abhängen können«.
Bei McFit darf ab 15 Jahren trainiert werden. Dort ist erstaunlicherweise die ganz junge Zielgruppe unter 20 besonders bindungsfreudig. »Wenn die ganz Jungen uns einmal gefunden haben und regelmäßig trainieren, bleiben die meist bei uns. Das ist vielleicht wie mit dem ersten eigenen Bankkonto«, sagt Hartwig. Die etwas Älteren wünschten sich mehr Flexibilität.
So wie Louisa und Fiona. Im letzten Training vor dem Hyrox-Wettbewerb versuchen sie, ihre Aufregung in den Griff zu bekommen. »Neulich habe ich meine Instagram-Startseite zurückgesetzt, weil ich fast nur noch Hyrox-Videos ausgespielt bekommen habe«, sagt Louisa. »Damit konnte ich nicht abschalten.«
Sie meint: »Auf Social Media machen die Leute alle Übungen perfekt und erreichen super Zeiten im Hyrox, trotzdem sehen sie dabei wie Models aus und schwitzen nicht mal. Man muss sich immer wieder sagen: Das ist nicht die Realität.« Ihr wichtigstes Ziel sei, es überhaupt ins Ziel zu schaffen. »Wenn wir das dann in 1:40 Stunden erreichen, wäre das cool«, sagt Fiona.
Jens Gyarmaty / DER SPIEGEL
Einer Branche geht es trotz der schlechten Wirtschaftslage gut: Die Fitnessindustrie wächst und verzeichnet Mitgliederrekorde. Von den 15- bis 65-Jährigen ist hierzulande mehr als jeder Fünfte in einem Fitnessstudio angemeldet. Besonders bei Jüngeren wird das zur Selbstverständlichkeit – und damit steigen die Ansprüche an die Studios. Redakteurin Katharina Koerth (M.) wollte wissen, wie die Fitnessbetriebe versuchen, die Generation Z zu umwerben, etwa indem die Studios »instagrammable« gestaltet werden. Besonders in den Großstädten ist das Angebot riesig. Koerth traf die beiden jungen Sportlerinnen Louisa Miklosi und Fiona Münsterkötter (li.). Sie fahren in Boutique-Studios zu Technomusik auf Fahrradtrainern, machen Yoga oder gehen tanzen. Zuletzt bereiteten sie sich auf einen sogenannten Hyrox vor, einen Fitnesswettbewerb, der Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit kombiniert. »Viele junge Menschen wollen sich stark und gesund fühlen«, sagt Koerth. »Vielen geht es aber auch ums Aussehen. Die sozialen Medien erzeugen einen großen Druck, fit zu wirken.«
Am Wochenende des Wettkampfs postet Louisa ein Video auf Instagram. Familie und Freunde sind nach Frankfurt gereist und haben riesige Plakate gebastelt. »Hot Girls do Hyrox« steht auf einem.
Am Ende rennen Louisa und Fiona Hand in Hand ins Ziel: Geschafft in 1:36 Stunden. Jemand gibt ihnen aufblasbare Krönchen.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde in der Grafik »Starkes Geschäft« die Firma Pfitzenmeier falsch benannt. Wir haben den Fehler korrigiert.