Ig-Nobelpreis: Die skurrilsten Ig-Nobelpreisträger - DER SPIEGEL
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Kuriose Studien Wenn die Zebra-Kuh Fliegen verwirrt

Auszeichnung, aber mit Augenzwinkern: Bei den Ig-Nobelpreisen wird kuriose Forschung geehrt – die Spaßalternative zur Quantentheorie. Hier sind sechs besonders amüsante Studien.
Verleihung des Ig-Nobelpreises in Boston: Forschung zu Zebrastreifen-Tarnung
Verleihung des Ig-Nobelpreises in Boston: Forschung zu Zebrastreifen-Tarnung

Verleihung des Ig-Nobelpreises in Boston: Forschung zu Zebrastreifen-Tarnung

Foto:

Robert F. Bukaty / AP

Der Nobelpreis gilt als der renommierteste Preis in der Wissenschaft, die Verleihung aber nicht unbedingt als besonders amüsante Veranstaltung. Anders ist es beim Ig-Nobelpreis: Hier werden seit 1991 Forschungen ausgezeichnet, die »erst zum Lachen und dann zum Denken anregen«. Schon der Titel Ig-Noble ist ein Wortspiel: »Ignoble« heißt auf Deutsch etwa »unehrenhaft«.

»Annals of Improbable Research « (AIR), Fachpublikation für wissenschaftlichen Humor, organisiert die Zeremonie an der Universität Boston. Die Gala soll nach Angaben der Veranstalter »das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren«. Ganz egal, ob es um die Wachstumsgeschwindigkeit von Fingernägeln oder die Pizza-Vorlieben von Eidechsen geht.

Zeremonie beim Ig-Nobelpreis 2016

Zeremonie beim Ig-Nobelpreis 2016

Foto: Brian Snyder / REUTERS

Seit der ersten Verleihung hat der Ig-Nobelpreis  die Welt schlauer und lustiger gemacht – wie diese ausgewählten Studien zeigen:

Aus Kuh mach Zebra

Ein Team aus Japan zeigte, wie Kühe vor Stechfliegen geschützt werden können. Mit aufgemalten Zebrastreifen landen bis zu 50 Prozent weniger Insekten auf den Tieren. Für diese Erkenntnis bekamen die Fachleute dieses Jahr den Ig-Nobelpreis für Biologie. Die Forscher bemalten japanische Schwarzrinder mit wasserbasierten Lacken und zählten, wie viele Fliegen sich im Beobachtungszeitraum niederließen. Der neue Zebra-Look reduzierte die Anzahl dramatisch.

Forscher Tomoki Kojima, Träger des Ig-Nobelpreises

Forscher Tomoki Kojima, Träger des Ig-Nobelpreises

Foto: Brian Snyder / REUTERS

Der Studie  zufolge lassen sich mit der Bemalung die wirtschaftlichen Verluste durch Stechfliegenbefall verringern. Wenn Kühe damit beschäftigt sind, die Schädlinge abzuwehren, bleibt weniger Zeit zum Grasen, Fressen und Liegen; zudem sind die Rinder einem Verletzungsrisiko ausgesetzt. Die damit verbundenen Verluste für die Rinderproduktion in den USA werden der Studie zufolge auf 2,2 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.

»Shower Courtain Effect«

Ein morgendlicher Klassiker: Beim Duschen bauscht sich der Duschvorhang auf und klebt unangenehm am Körper. David Schmidt untersuchte genau dieses Alltagsproblem in einer Studie  an der Universität Massachusetts. Mit sogenannter Flüssigkeitssimulations-Technologie konnte er die Tropfen und den Sprühnebel beobachten, die sich auf dem Duschvorhang festsetzen.

Untersuchungsobjekt Duschvorhang (Symbolbild)

Untersuchungsobjekt Duschvorhang (Symbolbild)

Foto: Sian Smith / Getty Images

Der Studie zufolge erzeugt der Sprühnebel aus dem Duschkopf einen Wirbel wie bei einem Hurrikan. Im Zentrum dieses Wirbels herrscht Unterdruck, durch den sich der Vorhang wölbt. Die Kräfte, die durch den Wirbel herrschen, seien allerdings sehr schwach, stellte Schmidt fest. Deshalb gebe es das Problem nur bei leichten, dünnen Duschvorhängen. 2001 wurde er für diese Studie mit dem Spaßpreis in Physik geehrt.

Sex macht die Nase frei

Bei verstopfter Nase hilft wohl nicht nur Nasenspray: Ein Team aus Deutschland, der Türkei und dem Vereinigten Königreich bekam 2021 für einen ganz besonderen Zugang zu diesem Thema den Ig-Nobelpreis für Medizin.

Der leitende Forscher Olcay Cem Bulut sagte einmal dem »Business Insider«, er habe auf der Grundlage von »Selbstbeobachtung« eine Ahnung entwickelt, dass Sex womöglich die Nase freimache. Gemeinsam mit Kollegen ging er der Sache genauer nach.

Hilfe bei Atemproblemen?

Hilfe bei Atemproblemen?

Foto: raquel arocena torres / Moment / Getty Images

In seiner Studie  legte das Team dar, dass ein Orgasmus bei Sex mindestens eine Stunde lang die Nase befreit – genauso gut wie rezeptfreie abschwellende Mittel. Die Forscher untersuchten die Nasenatmung von 18 Paaren vor und direkt nach dem Höhepunkt. Dann testeten sie in mehreren Abständen noch mal. Im Vergleich zum Spray sorgte der Orgasmus für eine ähnlich freie Nase.

Warum ist der Kot von Wombats quadratisch?

Wombats sind die einzigen Tiere, die würfelförmigen Kot produzieren. Die Gewinner des Ig-Nobelpreises 2019 sezierten zwei australische Exemplare und untersuchten  die Struktur und Mechanik der Verdauungssysteme von Wombats, um herauszufinden, warum.

Wombat

Wombat

Foto: Jason Edwards / The Image Bank / Getty Images

Das Ergebnis: Durch einen besonders dehnbaren Darm wird die Form des Kots beeinflusst, nicht etwa durch die Form des Anus.

Die beste Art, ein Nashorn zu transportieren

Kopf oben oder Kopf unten? Um Spitzmaulnashörner in Südafrika vor Wilderei zu schützen, müssen sie oft an einen anderen Ort geflogen werden. Das Gelände ist zu unwegsam, um die Tiere am Boden zu transportieren. Bislang wurden die betäubten Nashörner dafür an ihren Beinen unter einem Hubschrauber aufgehängt. Wildtierarzt Robin Radcliffe von der Cornell University und seine Kollegen in Namibia wollten wissen, ob die Gesundheit der Tiere dadurch gefährdet sein könnte.

Transport eines Spitzmaulnashorns in Südafrika

Transport eines Spitzmaulnashorns in Südafrika

Foto: M.Harvey / WILDLIFE / picture alliance

Sie prüften , ob es den Tieren in einer Seitenlage womöglich besser gehen würde. Dazu prüften die Fachleute in zwei Versuchsreihen die Herz- und Lungenfunktion der Nashörner. Tatsächlich gab es Hinweise darauf, dass es den Tieren beim Kopfüber-Transport besser ging, als wenn sie auf der Brust oder der Seite lagen. Für diese Forschungsleistung wurde das Team 2021 mit dem Ig-Nobelpreis für Transport auszeichnet.

Ein Schleimpilz für ein Zugnetz

Der Schleimpilz »Physarum polycephalum« kann helfen, die besten Routen für Bahnlinien zu finden: Das zeigten Forscher aus Japan und Großbritannien, die dafür 2010 den Ig-Nobelpreis für Verkehrsplanung erhielten.

Foto: Guillaume Souvant / AFP

In der Studie  beschrieben die Forscher, dass der Pilz den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten erkennen und so möglichst effiziente Wege für Tokios Schienennetz aufzeigen kann. Mit den Mechanismen des Schleimpilzes konnten die Forscher ein mathematisches Modell entwickeln, das auch für die Konstruktion von Netzwerken in anderen Bereichen hilfreich sein könnte.

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In diesem Jahr gingen Ig-Nobelpreise übrigens auch nach Deutschland: Ein Forschungsteam, an dem Fachleute der Universität Freiburg beteiligt waren, bekam die Auszeichnung in der Kategorie Frieden. »Dafür, dass sie gezeigt haben, dass das Trinken von Alkohol manchmal die Fähigkeiten eines Menschen verbessert, eine Fremdsprache zu sprechen.«

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