Köln: Sondengänger findet auf Acker Silberschatz aus der Römerzeit - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hunderte antike Münzen Sondengänger findet Silberschatz aus der Römerzeit auf Kölner Acker

Mehr als 900 Silbermünzen lagen fast zwei Jahrtausende unentdeckt auf einem Acker südlich von Köln. Dann schlug eine Metallsonde an. Fachleute halten den Fund für sensationell.
Silbermünzen aus Hortfund bei Köln
Silbermünzen aus Hortfund bei Köln

Silbermünzen aus Hortfund bei Köln

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa / picture alliance

Auf einem Acker bei Wesseling südlich von Köln hat ein Sondengänger einen Schatz aus der Römerzeit entdeckt. Nach Angaben des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland ist es der größte Münzschatz aus der Zeit des römischen Kaisers Hadrian, der je in Deutschland gefunden wurde. Das Amt beschreibt ihn als »sensationell«.

Der Finder, der Familienvater Oliver Riedl, sagt, er sei auf dem Acker auf eine Silbermünze nach der anderen gestoßen. Selbst als er schon 15 Münzen geborgen habe, hätten die Signale seines Metalldetektors nicht aufgehört. »Für mich war klar, dass hier etwas Größeres im Boden liegt«, sagt er.

Riedl verständigte daraufhin das LVR-Amt. Archäologinnen und Archäologen machten sich an die Arbeit und gruben 934 römische Denare aus Silber aus. Zusammen wiegen sie mehr als drei Kilogramm. Der Münzschatz wird nun erstmals im LVR-Landesmuseum in Bonn gezeigt.

Älteste gefundene Münze aus dem Jahr 148 vor Christus

Älteste gefundene Münze aus dem Jahr 148 vor Christus

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa / picture alliance

Kaiser Hadrian regierte von 117 bis 138 nach Christus und ist heute vor allem für den Hadrianswall in Nordengland bekannt. Dieser wurde auf seine Anordnung hin angelegt. Der Großteil der entdeckten Münzen wurde aber noch früher hergestellt, im ersten Jahrhundert nach Christus.

Die älteste Münze stammt aus dem Jahr 148 vor Christus, als Rom noch eine Republik ohne Kaiser war. Damit war sie bereits über 270 Jahre alt, als sie vergraben wurde. Dennoch war sie weiterhin ein gültiges Zahlungsmittel.

Warum ein Römer so viel Geld versteckt hat und warum der Schatz nie ausgegraben wurde, dazu kann der Leiter des LVR-Amtes, Erich Claßen, nur spekulieren. Vielleicht sei der Besitzer gestorben, ohne jemandem davon berichtet zu haben, und habe sein Geheimnis mit ins Grab genommen.

Sechs Jahre sparen

Ein römischer Legionär habe damals 300 Denare im Jahr verdient, sagt Rahel Otte, wissenschaftliche Referentin des LVR-Amts. Davon sei etwa die Hälfte für Lebensmittel und Ausrüstung einbehalten worden. »Ein Legionär hätte rund sechs Jahre sein gesamtes verfügbares Geld sparen müssen, um den Wesselinger Schatzfund anzusammeln.«

Heute betrage der Materialwert nur etwas mehr als 6000 Euro, sagt Otte. Der wissenschaftliche Wert sei jedoch immens. Weltweit ist es nach Angaben des Amts der fünftgrößte Fund aus der Zeitspanne.

Mehr zum Thema

Möglicherweise lebte der Besitzer der Münzen auf einem römischen Landgut in der Gegend. Das Gebiet gehörte damals zum Einzugsbereich der Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, des heutigen Köln. Diese Stadt hatte etwa 20.000 Einwohner und besaß Tempelanlagen, Villen mit Mosaikfußböden und Badeanstalten.

Der Fund wurde im Erdblock geborgen und in die Restaurierungswerkstatt des LVR-Landesmuseums Bonn gebracht. Dort fanden die Fachleute Fragmente eines Keramiktopfes und Strohreste. »Wahrscheinlich sind die Münzen ursprünglich in einem mit Stroh ausgepolsterten Topf vergraben worden«, vermutet Otte.

Der Münzschatz aus Wesseling ist nun Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen. Landesarchäologe Claßen lobt das Verhalten des Finders: »Durch seine Umsicht waren wir in der Lage, den Hortfund fachgerecht und vollständig zu bergen.«

msk/dpa