Warnung von Forschern Klimakrise könnte Atemwegserkrankungen verschlimmern
Smog in New York durch Waldbrände in Kanada
Foto: Andrew Kelly / REUTERSForscher warnen vor einem erhöhten Risiko von Atemwegserkrankungen. Die Folgen des Klimawandels könnten für Erkrankte und chronisch Kranke die Lage noch verschlimmern, zudem könnte auch insgesamt die Zahl der Menschen mit solchen Beschwerden zunehmen. »Wir müssen alles tun, was wir können, um das Leiden der Patienten zu lindern«, erklären Medizinwissenschaftler in der Fachzeitschrift »European Respiratory Journal« .
Sie fordern die EU auf, die Grenzwerte für die Luftverschmutzung zu senken und an die höheren Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anzupassen. Die Forscher handeln im Auftrag der European Respiratory Society, die mehr als 30.000 Lungenspezialisten aus 160 Ländern vertritt.
Ozon, Waldbrände, Feinstaub
Die Klimakrise stellt laut den Medizinern ein Risiko dar: Hohe Temperaturen und wechselnde Wetterbedingungen würden für Menschen mit Atemwegs- oder Lungenerkrankungen die Lage verschlimmern, schreiben die Experten. Bereits heute ist die Zahl der vorzeitigen Tode durch Luftverschmutzung hoch: Laut einem Bericht der EU-Umweltagentur (EEA) starben im Jahr 2020 in den 27 EU-Ländern geschätzt 238.000 Menschen im Zusammenhang mit Luftverschmutzung. In Deutschland belief sich die Zahl der geschätzten Todesfälle demnach auf 28.900.
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Vor allem Extremwetterereignisse, die laut Weltklimabericht künftig zunehmen werden, seien Gift für die Gesundheit. Folgende Risiken beschreiben die Forscher um Zorana Jovanovic Andersen, Professorin für Umweltepidemiologie an der Universität Kopenhagen, in dem Fachartikel:
Bei Hitze kann es besonders in Städten zu einer hohen Ozonbelastung kommen. Bodennahes Ozon reizt die Atemwege, verursacht Husten und Atembeschwerden. Außerdem kann es Lungenerkrankungen wie Asthma, Emphysem oder chronische Bronchitis verschlimmern.
Auch die Folgen von Waldbränden können sich negativ auf den Gesundheitszustand auswirken. Der toxische Rauch verstärkt die ohnehin schlechte Luftqualität weiter.
Durch mehr Dürren könnte es etwa zu Staubstürmen kommen und damit zu einer hohen Feinstaubbelastung.
Aber auch Starkregen und Hochwasser können toxisch sein. Denn durch die Feuchtigkeit kann unter anderem Schimmel in Innenräumen entstehen.
Zudem dürfte die Belastung durch Pollen zunehmen und somit bestehende Allergien verstärken.
Besonders gefährdet sind laut den Forschern Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen, darunter jene mit bereits eingeschränkter Lungenfunktion aufgrund von Asthma, COPD, Lungenkrebs oder anderer Lungenerkrankung. Bei häufigeren Extremwetterereignissen steige das Risiko etwa für pfeifende Atemgeräusche, Kurzatmigkeit, Atembeschwerden oder Notaufnahmen in Krankenhäusern und schließlich für Todesfälle.
Auch gesunde Menschen seien gefährdet. So könnten Hitze oder Waldbrände allergische Reaktionen verstärken, sowie mehr Menschen an Asthma, COPD oder Lungenkrebs erkranken.
Kinder sind besonders gefährdet
»Der Klimawandel wirkt sich auf die Gesundheit aller aus, aber Atemwegspatienten gehören wohl zu den am stärksten Gefährdeten«, sagt Andersen. »Das sind Menschen, die bereits unter Atembeschwerden leiden und viel empfindlicher auf den Klimawandel reagieren. Ihre Symptome werden sich verschlimmern, und für einige kann das tödlich sein.«
Hohe Luftbelastung in Städten und Hitze ist eine gefährliche Mischung für Menschen mit Atemwegserkrankungen
Foto: PPAMPicture / iStockphoto / Getty ImagesKinder seien von der Klimakrise und der Luftverschmutzung sogar noch stärker betroffen, weil sich ihre Lunge noch in der Entwicklung befinde, sie schneller und damit zwei- bis dreimal mehr Luft einatmeten als Erwachsene. Bereits heute führt die hohe Luftverschmutzung mit Schadstoffen wie Feinstaub einer Schätzung zufolge in Europa jedes Jahr zum vorzeitigen Tod von mehr als 1200 Kindern und Jugendlichen. Außerdem steigert sie für Heranwachsende das Risiko für Krankheiten im weiteren Lebensverlauf erheblich, wie aus Berichten der Europäischen Umweltagentur (EEA) hervorgeht .
Weniger fossile Brennstoffe und grünere Städte
Um die Risiken zu senken, hilft laut den Forschern vor allem Klimaschutz: Würden weniger Öl, Gas oder Kohle verbrannt, könnte sich nicht nur die Luftqualität verbessern, sondern auch die Klimakrise eingedämmt werden.
Zudem kann auch ein Umbau der Städte das Leiden von kranken Menschen lindern: mit mehr Bäumen, Verschattung von Gehwegen, weniger Betonflächen und Benzin- und Dieselautos in der Innenstadt.