Coronakrise Stadt oder Land - wo es in Deutschland die meisten Infizierten gibt
Die Après-Ski-Bars im österreichischen Ischgl waren wie gemacht für das Coronavirus. Die Leute tanzen dicht gedrängt, fallen sich in die Arme, nippen an flüchtig gespülten Gläsern. Bei der lauten Musik fällt es nicht auf, wenn einzelne immer wieder stark husten müssen. Die feinen Tröpfchen aus ihrem Rachen schweben in der Luft - und landen im Auge, auf dem Mund oder der Nase des Nachbarn.
Der legendäre Skiort ist inzwischen abgeriegelt, Anwohner und Personal stehen unter Quarantäne. Offenbar Hunderte Skifahrer hatten die Viren aus Ischgl in den vergangenen zwei Wochen mit nach Hause gebracht .
In Berlin gibt es einen ähnlichen Fall: Im Club Trompete in Tiergarten infizierten sich mehr als 40 Besucher , sogar zwei Polizisten sind betroffen. Die Behörden suchen nach weiteren Gästen, die am 29. Februar dort gefeiert hatten.
Ist das Infektionsrisiko in dichtbevölkerten Städten besonders groß? Einiges scheint dafür zu sprechen - nicht nur die ausgelassenen Partys in Klubs und Bars. Wo Menschen dichter zusammenwohnen, sie mehr U-Bahn und Bus fahren, sollte es eigentlich auch höhere Infektionsraten geben.
Wir haben die gemeldeten Infiziertenzahlen auf Länder- und Kreisebene analysiert. Schaut man allein auf die Daten der Bundesländer, liegt Hamburg mit mehr als 16 Fällen pro 100.000 Einwohner derzeit deutlich an der Spitze. Womöglich eine Folge der dort gerade zu Ende gegangen Skiferien mit vielen Rückkehrern aus Südtirol und Tirol. Danach folgen jedoch Flächenländer - unter anderem Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern mit ebenfalls mehr als 10 Infizierten pro 100.000. Bremen und Berlin liegen knapp darunter.
Auf die niedrigsten Quoten kommen die fünf ostdeutschen Länder sowie Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Tatsächlich ist die Bevölkerungsdichte im Osten im Vergleich zu den anderen Bundesländern am niedrigsten.
Doch schaut man sich die Quoten auf Kreisebene an, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Die Infektionen pro 100.000 Einwohner hängen bislang offenbar kaum von der Bevölkerungsdichte ab. Es gibt Städte mit hohen und niedrigen Fallquoten - und gleiches gilt für dünner besiedelte Landkreise. Die Werte liegen meist zwischen 0 und 10 Infizierten je 100.000 Einwohner. Ein wichtiger Hinweis: Die Daten auf Kreisebene sind etwas älter als die auf Länderebene - dadurch ergeben sich Differenzen.
Die Grafik oben enthält alle Landkreise mit mindestens einem Infizierten. Fahren Sie mit der Maus oder Ihrem Finger über die Punkte, um zu erfahren, um welchen Kreis oder um welche Stadt es sich handelt. Die Skalen sind logarithmisch, wodurch große Unterschiede kleiner erscheinen, als sie tatsächlich sind.
Extrem aus der Reihe fällt eigentlich nur Heinsberg in Nordrhein-Westfalen - der Kreis mit den bislang höchsten Infiziertenzahlen in Deutschland (185 je 100.000). Deutlich über allen anderen liegen zudem die Landkreise Starnberg, Freising und der Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg, die auf Quoten von über 20 pro 100.000 kommen. Für einen lokalen Ausbruch braucht es offenbar nicht zwingend eine Großstadt.
Auf der anderen Seite hatten - Stand 14. März - immerhin 78 Kreise bislang keinen einzigen gemeldeten Infizierten - darunter kreisfreie Städte wie Flensburg, Jena und Heidelberg sowie Landkreise wie Bamberg, Gotha oder Höxter. Einen guten Überblick liefert die folgende Karte:
Wie sich die Situation in den kommenden Tagen und Wochen weiterentwickelt, lässt sich schwer sagen. Es bestehen ja durchaus Unsicherheiten bei der Erfassung von Covid-19-Fällen. Womöglich wird in manchen Regionen weniger intensiv getestet, was die Zahlen verzerren könnte. Doch es gibt derzeit keine besseren regionalen Daten als die vom Robert Koch-Institut (RKI), die zudem bereits fast zwei Tage alt sind.
Folgende Tabelle enthält die Infiziertenquoten aller Landkreise - Sie können darin auch nach Ihrem Kreis suchen.
Bei den Länderdaten hingegen stammen die Angaben entweder vom RKI, das die Daten der Gesundheitsämter zusammenträgt und nach Bundesländern aufschlüsselt, oder von der Johns-Hopkins-Universität. Im Vergleich zu den Universitätsdaten liegen die RKI-Zahlen etwas niedriger. Der Unterschied ist auf das Meldesystem zurückzuführen, das derzeit leicht hinterherhängt: Die Gesundheitsämter müssen täglich bis 15 Uhr die aktuellen Fallzahlen an das RKI melden. Alle danach gemeldeten Zahlen werden nicht mehr für die tagesaktuelle Gesamtzahl berücksichtigt, die das RKI täglich um etwa 17.30 Uhr aktualisiert.