Omikron zirkuliert auch in Deutschland – so viel ist bekannt. Wie weit sich die neue Virusvariante hier schon ausgebreitet hat, lässt sich allerdings noch nicht sicher sagen. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht bislang keine bundesweiten Zahlen.
Krankheitsverlauf
Erste Daten aus Südafrika lassen aber zumindest hoffen, dass die Krankheit bei Patienten mit der Omikron-Mutante milder verläuft.
Julia Merlot, DER SPIEGEL
»Allerdings gilt es da zu berücksichtigen, dass in Südafrika die Bevölkerung sehr jung ist und auch die Betroffenen in den Krankenhäusern recht jung waren. Und dass man anhand von Daten zu Übersterblichkeit davon ausgehen muss, dass ein sehr großer Prozentsatz der Bevölkerung schon infiziert war, also genesen ist und damit möglicherweise einen gewissen Schutz davor hat, jetzt noch mal schwer zu erkranken.«
Ansteckungsgefahr
Schlechte Nachrichten gibt es bezüglich der Infektiosität der neuen Variante.
Julia Merlot, DER SPIEGEL
»Da kann man zumindest nach dem, was man bislang sieht, sagen, dass es deutlich ansteckender ist als Delta. In Südafrika ist es schon dominant, also es hat Delta schon verdrängt, weil es sich so schnell ausbreitet. Und auch in Großbritannien sieht man gerade, dass die Zahlen rasant nach oben gehen. Also es dauert nur so zwei bis drei Tage, bis sich die obigen Fälle verdoppeln, was eine rasant schnelle Zahl ist.«
Schutz durch Impfungen
In ersten Laborversuchen wurden mittlerweile auch Daten dazu gesammelt, wie zuverlässig Impfungen gegen Ansteckungen wirken.
Julia Merlot, DER SPIEGEL
»Geimpfte scheinen das Virus nicht mehr sehr gut neutralisieren zu können. Was das jetzt praktisch bedeutet, also wie hoch das Infektionsrisiko noch ist und nach welcher Zeit das wie stark abnimmt, ist im Detail noch unklar. Aber nach bisherigen Daten muss man schon davon ausgehen, dass der Infektionsschutz der Impfung gegen Omikron nicht besonders gut ist - auch schon mit einem halben Jahr Abstand zur Impfung. Durch Boostern lässt sich das wieder ein bisschen erhöhen. Ein Viertel der Blutproben von Geboosterten konnten Omikron noch neutralisieren.«
Wirksamkeit der Impfstoffe
Schon jetzt forschen Wissenschaftler an einer Anpassung der Impfstoffe. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man entwickelt eine Vakzine, die nur gegen Omikron wirkt. Oder man versucht, den Impfstoff wirksam gegen alle bislang bekannten Mutationen zu machen.
»Also bei den einfachen Impfungen könnte man die wahrscheinlich wirklich recht schnell entwickeln. Bei den Kombiimpfungen rechnen Experten mit drei bis sechs Monaten. Und dann ist die Frage: Müssen die komplett neu zugelassen werden? Also noch mal alle Daten von vorne? Oder wird das nur so eine schnelle Prüfung? So ähnlich wie man es bei der Grippeimpfung auch hat, da wird ja auch jedes Jahr auf eine neue Variante angepasst und dann werden die recht schnell geprüft.«
Auffrischungsimpfungen
Selbst wenn regelmäßig aufgefrischt werden muss – Sorgen vor zu vielen Impfungen sind unbegründet.
»Da gibt es keine Regel, dass man das nicht kann, man impft ja auch bei anderen Krankheiten mit einer gewissen Regelmäßigkeit noch mal nach. Man wird sich das genau angucken. Die Impfstoffe machen ja schon bei der zweiten Impfung ein bisschen mehr Impfreaktion als bei der ersten. Also dass man ein bisschen höheres Risiko hat, Schmerzen an der Einstichstelle zu haben oder Kopfweh. Solche Sachen können vorkommen und das wird man sich genau angucken, ob das bei einer weiteren Impfung noch im Rahmen ist. Aber solange da eben ein Virus zirkuliert, was so schwere Erkrankungen machen kann, ist das dann auch in vielen Fällen sehr eindeutig.«
Weiterer Verlauf der Pandemie
Wie Omikron den weiteren Verlauf der Pandemie in Deutschland beeinflusst, werden die nächsten Wochen zeigen. Noch wollen Wissenschaftler keine Entwarnung geben, dass die neue Variante tatsächlich harmloser ist.
»Man wird natürlich auch schon aus anderen Staaten dann nach und nach Infos darüber bekommen, aber wie es sich in unserer Gesellschaft mit unserer Altersstruktur und unseren Krankheiten, die verbreitet sind, dann gestaltet, da müssen wir uns noch ein bisschen gedulden.«