Krankheit und Sport Wie Frank Elstner »positiv-angriffslustig« mit Parkinson lebt
Frank Elstner, Fernsehmoderator:
»Sie können mit Parkinson nicht glücklich spazieren gehen, aber Sie können ihm eine aufs Maul hauen!«
Vor acht Jahren ging Frank Elstner zum Arzt. Immer wieder hatten seine Hände gezittert. Dann kam die Diagnose.
Frank Elstner, Fernsehmoderator:
»Und wenn einem dann der Arzt sagt, Herr Elstner, ich kann Sie nicht schonen, Ihnen geht es wie allen anderen auch, die diese Krankheit haben. Aber bereiten Sie sich darauf vor: Sie haben Parkinson! Dann habe ich mich bedankt für die nette Auskunft und bin runtergerast zu meinem Auto. Da saß mein Freund André und habe es ein bisschen drastischer ausgedrückt, nämlich ich habe einfach nur noch gesagt: Scheiße, ich habe Parkinson!«
Der erste Schock wich einem Drang und dem unbändigen Willen, der Krankheit etwas entgegenzusetzen. Der Fernsehmoderator recherchierte, las Studien und fand heraus, dass sich Bewegung und Sport positiv auswirken und sogar den Verlauf verlangsamen können. Seitdem trainiert Elstner mehrmals in der Woche in einer Physiopraxis in Baden-Baden mit seinem persönlichen Assistenten André Inthorn.
Warum gerade Boxen gut ist und welche Sportarten noch unterstützen können, dazu später mehr. Aber was ist Parkinson überhaupt?
Parkinson ist eine neurologische Erkrankung. In Deutschland sind rund 400.000 Menschen betroffen. In unserem Gehirn produzieren manche Nervenzellen den Botenstoff Dopamin. Durch den Stoff können die Zellen miteinander kommunizieren. Bei Parkinson sterben diese Nervenzellen nach und nach ab, es wird zu wenig Dopamin gebildet. Der Mangel kann unter anderem zu steifen Muskeln, verlangsamten Bewegungen und unkontrollierbarem Zittern führen. Die Verläufe der Krankheit können sehr unterschiedlich sein. Bis heute ist noch nicht vollständig erforscht, warum Menschen an Parkinson erkranken. Die Wissenschaft vermutet, dass neben genetischen Faktoren auch die Umwelt und der Lebensstil einen Einfluss haben. So stehen etwa bestimmte Pestizide im Verdacht, Parkinson zu begünstigen.
Der 82-Jährige leidet aktuell an eher milden Parkinson-Symptomen. Elstner hat sein Leben lang viel Sport gemacht. So fiel es ihm nach der Diagnose nicht schwer, sich zu motivieren. Mit eiserner Disziplin versucht er, seinen Bewegungseinschränkungen etwas entgegenzusetzen. Denn heilen lässt sich die Krankheit nicht.
Wenn er nicht gerade die Boxhandschuhe trägt, wandert der einstige Wetten-dass-Moderator gern am Rhein. Oder fährt mit seinem Assistenten zu einem Bekannten und spielt in dessen Keller Tischtennis. Er hat im vergangenen Jahr sogar an den deutschen Meisterschaften für Parkinson-Erkrankte in Düsseldorf teilgenommen.
Frank Elstner, Fernsehmoderator:
»Wichtig ist natürlich, dass sie Reaktionen trainieren. Weil beim Parkinson kommt es ja oft vor, dass ihnen schwindelig wird, oder sie auf einmal anfangen zu stolpern. Und das kann man üben.«
Viel über Bewegung und den Verlauf der Krankheit weiß Elstner von seinem Arzt Jens Volkmann. Er ist Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Würzburg und forscht seit Jahren zu Parkinson. An seinem Institut beschäftigt er sich auch mit der Linderung der Parkinson-Symptome durch Bewegung. An einem Scan zeigt er uns, welche Gehirnbereiche besonders gefordert sind, wenn Menschen mit Parkinson gehen.
Jens Volkmann, Neurologe Universitätsklinikum Würzburg:
»Also insbesondere in diesen tiefen Gehirnregionen sieht man, dass hier viel mehr Aktivität sich abspielt beim Gehen als beim Stehen. Oder auch hier im Kleinhirn ist eine sehr viel stärkere Aktivität beim Gehen als beim Stehen.«
Aber warum können Menschen mit Parkinson teilweise nur sehr schwerfällig laufen, dafür aber Tischtennis spielen oder boxen? Es gibt in unserem Gehirn wohl zwei unterschiedliche Bewegungssysteme: Das eine nutzen wir, wenn wir uns bewusst entscheiden, etwas zu tun, beispielsweise, wenn das Haus verlassen wollen. Das andere wird durch externe Impulse aktiviert – zum Beispiel ein Wohnungsbrand. Die Bewegungen sind also eine Reaktion auf etwas. Bekommt ein Parkinson-Patient oder eine -Patientin zum Beispiel durch einen Zebrastreifen auf dem Boden den Impuls »Straße überqueren« kann er oder sie häufig recht flüssig über die Straße laufen. Endet der Zebrastreifen, stocken viele Betroffene in ihren Bewegungen wieder – der Impuls ist weg, das Gehirn muss wieder auf die selbstgesteuerte Bewegung umschalten. Und dieses Prinzip funktioniert auch beim Sport: Tischtennisball oder Sparringspartner sind externe Impulse, die das reaktive Bewegungssystem ansprechen.
Jens Volkmann, Neurologe Universitätsklinikum Würzburg:
»Tischtennis muss man reflektorisch halt den Ball schlagen, macht dabei große Bewegungen, muss sehr schnell bewegen. Das regt genau dieses Bewegungssystem an, was durch äußere Reize getriggert wird, was bei der Parkinsonkrankheiten nicht so stark betroffen ist wie das Bewegungssystem, was von selber Bewegungen generiert. Und beim Boxen ist es ganz ähnlich. Sie haben ja ein Ziel. Also, das ist ja therapeutisches Boxen. Es geht ja nicht darum, dass er erst mal jemanden umhaut, sondern es geht darum, dass er ihm im Rahmen der Sporttherapie zum Beispiel mit einem Sparringpartner bestimmte Bewegungen ausführt auf ein Ziel. Und das kann man sehr, sehr gut trainieren. Und das kompensiert dann für die Schwächen, die das andere Bewegungssystem hat.«
Marc Hohmann, Physiotherapeut:
»Das rechte Bein einfach ablegen. Dann gehen wir mal an die Hüfte von vorne.«
Zurück in der Physiopraxis in Baden-Baden. Zweimal pro Woche wird Elstners Körper hier von seinem Therapeuten Marc Hohmann mobilisiert.
Frank Elstner, Parkinson-Patient:
»Es geht aber noch.«
Marc Hohmann, Physiotherapeut:
»Ja, geht gut.«
Marc Hohmann, Physiotherapeut:
»So, jetzt kommt es etwas Zug. Oberschenkel, Gesäßseite an.«
Frank Elstner, Parkinson-Patient:
»Geht gut. Was wiegst du?«
Marc Hohmann, Physiotherapeut:
»Sage ich jetzt hier nicht vor laufender Kamera. 83!«
Ziel der Behandlung ist es, die noch verbliebene Bewegungsfähigkeit zu erhalten und zu stärken.
Marc Hohmann, Physiotherapeut:
»Parkinson geht immer einher mit Einschränkungen im Bewegungsapparat. Wir finden oft bei Patienten, die lange Zeit keine Behandlung hatten, finden wir oft vor, dass muskuläre Verspannungen, Faszien-Probleme und natürlich auch schon Einschränkungen in der Gelenkstruktur dazu führen, dass der Alltag dann wirklich bewegungshemmend funktioniert.«
Wenn die ersten Probleme beim Gehen und Bewegen auftreten, liegt der Beginn der Krankheit häufig schon Jahre zurück. Das macht eine frühe Diagnose kompliziert. Es gibt noch keine Untersuchung zur Früherkennung wie beispielsweise bei Prostatakrebs. Inzwischen konnte aber in Studien das krankmachende Eiweiß etwa in der Haut, im Nervenwasser und sogar im Blut von Betroffenen nachgewiesen werden.
Frank Elstner hat sein Leben lang Menschen unterhalten. Es liegt in seiner Natur, Zuversicht zu verbreiten. Genauso geht er im Alltag mit seiner Krankheit um.
Frank Elstner, ehemaliger Fernsehmoderator:
»Ich bin ein optimistischer Mensch. Und wenn ich an Parkinson denke, dann denke ich nicht daran, wie ich daran zugrunde gehe, sondern ich denke daran, wie ich mich stählen kann und dem begegnen kann. Und ich stehe nicht morgens auf und sage, oh oh, ich habe Parkinson. Ich stehe morgens auf und sage, lieber Gott, vielen Dank, heute Nacht konnte ich endlich mal wieder schlafen. Also es ist eine Frage der Einstellung. Jeder hat das mit sich selbst auszumachen: Will er angriffslustig und positiv angriffslustig durchs Leben gehen, oder will er aufgeben?«