Albrecht Dürer Polyeder: Ein mysteriöses Rätsel wird 500 - DER SPIEGEL
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Geometrie-Rätsel: Fünf Theorien fürs Dürer-Polyeder

Foto: AP/ Herbert F. Johnson Museum of Art

Theorie 5 Dürer verdrängt da was

Im Jahr 1514 schuf Albrecht Dürer seinen berühmten Kupferstich "Melencolia I". Die mathematische Symbolik darin, vor allem das rätselhafte Polyeder, beschäftigt Forscher bis heute. Fünf Erklärungsversuche für das Mysterium.
Von Günter M. Ziegler
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Sigmund Freud: Würfel als Symbol der Männlichkeit

Sigmund Freud: Würfel als Symbol der Männlichkeit

Foto: Hans Casparius/ Getty Images

Dürer verdrängt etwas - das ist ganz klar meine Lieblingstheorie, auch wenn sie womöglich nicht ganz Ernst gemeint ist. Sie stammt von dem US-Mathematiker und Künstler George Hart, der eine wunderbare Webseite über Polyeder  geschaffen hat. Über Dürers Polyeder sagt er: "Man könnte spekulieren, dass der Würfel Männlichkeit symbolisiert und dass das Abschneiden der Spitze in aufgestellter Position eine Freudsche Bedeutung hat."

Die Zuordnung eines Geschlechts bei Polyedern geht übrigens auf Johannes Kepler zurück . Er nennt Polyeder mit mehr Ecken als Seitenflächen männlich und jene mit mehr Flächen als Ecken weiblich. Ein Würfel (acht Ecken, sechs Flächen) gilt demnach als männlich. Die Dualität von Polyedern  ist dann eine Ehe. Den Dualkörper eines Polyeders konstruiert man, indem man die Mittelpunkte seiner benachbarten Seitenflächen miteinander verbindet - siehe Grafik unten. Auf diese Weise entsteht beispielsweise aus einem männlichen Würfel ein weibliches Oktaeder.

Konstruktion der Dualkörper: Verbindet man die Mittelpunkte der Seitenflächen eines Platonischer Körper, erhält man seinen Dualkörper.

Konstruktion der Dualkörper: Verbindet man die Mittelpunkte der Seitenflächen eines Platonischer Körper, erhält man seinen Dualkörper.

Foto: Konrad Polthier/ FU Berlin