Demografiekrise in den Zoos und wie Kinder spielen wollen: Lese-Empfehlungen der Woche - DER SPIEGEL
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Marco Evers

Elementarteilchen Alarm! Deutschlands Zootiere sind zu alt

Demografie-Krise in den Zoos, wie Kinder spielen wollen und neue Wege in der Suizidprävention: die Lese-Empfehlungen der Woche aus der Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL.

Sie glauben, in der Oper oder im klassischen Konzert sitzen nur alte Leute? Dann gehen Sie mal in den Zoo! Ganz Deutschland vergreist, das Durchschnittsalter hierzulande liegt bereits bei 44,9 Jahren. Aber in den Tiergärten sieht es nicht anders aus. Dort dominiert vor den Käfigen und Gehegen zwar klar die junge Altersgruppe, aber in ihnen, vor allem bei den Säugetieren, herrscht inzwischen Überalterung. Die vielen Oldies unter den Bewohnern stellen die Manager der Tierparks vor neue Herausforderungen.

Alterndes Bonoboweibchen Natalie (li.): Besteht die Lösung in »humanem Töten«?

Alterndes Bonoboweibchen Natalie (li.): Besteht die Lösung in »humanem Töten«?

Foto:

Katrin Binner / DER SPIEGEL

Im Frankfurter Zoo zum Beispiel lebt Bonobo-Weibchen Natalie. Sie geht auf die 60 zu, gern sitzt sie auf einem beheizten Stein, ihr Fell hat kahle Stellen. Zu den Seniorinnen der Einrichtung zählen auch Flusspferd Petra, 50, oder Gorilladame Rebecca, 43. Keine von ihnen dürfte sich noch fortpflanzen – und damit fallen sie für eine der wichtigsten Aufgaben der Zoos aus, die Erhaltungszucht bedrohter Tierarten.

Das Problem besteht ganz allgemein. Der Anteil weiblicher Tiere im fortpflanzungsfähigen Alter ist laut einer aktuellen Studie zwischen 1970 und 2023 in den Zoos von Europa um 49 Prozent gesunken, in Nordamerika gar um 68 Prozent. Was also tun? Wie können die Bestände in den Tiergärten verjüngt werden?

Meine Kollegin Julia Koch hat die Alten im Frankfurter Zoo besucht und mit Wissenschaftlern gesprochen. Da braut sich etwas zusammen. In ihrem Artikel beschreibt sie, wie eine heikle Einsicht bei den Fachleuten reift: Als Lösung für die Vergreisung diskutieren die Expertinnen und Experten die »kontrollierte Mortalität« überschüssiger Tiere durch »respektvolles humanes Töten«.

Bei Fischen, Amphibien oder Reptilien dürfte es da wenig Empörung geben. Aber was ist mit Antilopen? Giraffen? Schimpansen? Wie werden Menschen reagieren, wenn ältere Zootiere künftig an Tiger und Löwen verfüttert würden? Julias Text über die Demografie-Krise in den Tierparks finden Sie hier .

Herzlich
Ihr Marco Evers


Außerdem empfehle ich Ihnen:

  • Neue Wege in der Suizid-Prävention: Alle 51 Minuten beendet in Deutschland ein Mensch das eigene Leben. Dabei wären viele Suizide zu verhindern. Wie? Das lässt sich lernen , in Frankfurt am Main.

  • Wal-Wahn und Wahrheit: Lange vor »Timmy« gab es »Putu«, »Toa« und einen Wal, der zunächst als »Johannes« bekannt wurde. Die historischen Fälle verdeutlichen, was an verzweifelten Rettungsversuchen so problematisch sein kann .

  • Was Kinder wirklich wollen: Spielen ist essenziell für die Entwicklung, wird aber meist aus erwachsener Perspektive betrachtet. Nun haben Forschende die eigentlichen Experten befragt: Kinder. Für Eltern hat der Studienautor eine klare Botschaft .

  • Bluttest bei Neugeborenen: Kurz nach der Geburt werden Babys standardmäßig auf bestimmte Krankheiten getestet. Bald wird das Verfahren um vier weitere Untersuchungen ergänzt. Was Eltern dazu wissen sollten .

  • Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert: Bei einer Marineübung ist das schwedische Militär auf ein Wrack vor der Ostseeinsel Öland gestoßen. Seit wohl über 400 Jahren liegt es dort auf dem Meeresgrund. Experten hoffen auf »einzigartige historische Erkenntnisse«.

  • Weltrekord dank Superschuh: Erstmals sind Menschen ein offizielles Marathonrennen in unter zwei Stunden gelaufen. Ein Grund dafür: die Schuhtechnologie. Mit welchen Tricks arbeiten die Hersteller? Und was könnte die Zukunft bringen? 

  • 40 Jahre nach Tschernobyl: Auch Jahrzehnte nach dem GAU findet sich noch erhöhte Radioaktivität in deutschen Waldböden, vor allem in Süddeutschland. Was Jäger und Pilzsammler beachten sollten.

  • Tod eines Genom-Pioniers: Craig Venter legte sich mit der Elite der Genforscher an. Kollegen nannten ihn »Darth Venter«, er selbst sich einen »Schulversager«. Vor allem war er eins: ein genialer Wissenschaftler .

Bild der Woche

Foto: Hussein Faleh / AFP

Im Süden des Irak liegen die mesopotamischen Sümpfe, ein ökologisch äußerst wertvolles Marschland, das von Menschen seit Jahrtausenden bewohnt wird. Die Unesco hat das Feuchtgebiet 2016 auf die kombinierte Liste des Weltkultur- und Weltnaturerbes aufgenommen. Seit Jahren herrscht jedoch eine bedrohliche Trockenheit in der Region, auch weil flussaufwärts an Euphrat und Tigris Staudämme viel Wasser zurückhalten. Nun hat es im Sumpfgebiet heftig geregnet, und diese Menschen sind sogleich mit ihrem Boot hinausgefahren, unter sich die gemarterte Erde.

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