Xenotransplantation US-Forscher dürfen Transplantation von Schweinenieren in klinischen Studien testen
Spenderorgane werden gekühlt transportiert (Symbolbild)
Foto: Sebastian Gollnow / dpaEin Schweineherz, das in einem Menschen schlägt: In Einzelfällen ist das bereits kurzzeitig gelungen. Auch Nieren der Tiere wurden bereits transplantiert. Ein 62-Jähriger lebte im vergangenen Jahr sogar fast zwei Monate lang mit einer Schweineniere, ehe er an einer plötzlichen Herzerkrankung starb, wie jüngst im »New England Journal of Medicine« berichtet wurde.
Die Hoffnung wächst, dass Organe von Tieren den weltweiten Engpass an Spenderorganen beseitigen können. Allein in Deutschland stehen laut Eurotransplant mehr als 8000 Menschen auf Wartelisten. Geforscht wird an der Übertragung von tierischen Organen auf Menschen, Xenotransplantation genannt, bereits seit Jahrzehnten.
Doch nur vereinzelt wurden solche Eingriffe bisher genehmigt. In Deutschland noch gar nicht, in den USA nur durch Ausnahmeregelungen. Nun allerdings erlaubte die US-Arzneimittelbehörde FDA erstmals klinische Studien zur Transplantation von Schweinenieren.
Das Biotechunternehmen United Therapeutics will im Sommer bis zu 50 Menschen in die Studie einschließen, ein Unternehmen namens eGenesis plant ebenfalls Studien. Selbst wenn alles läuft wie geplant, wird die Forschung allerdings Jahre dauern.
Genetisch veränderte Schweine
Damit die Organe von den Empfängerinnen und Empfängern nicht gleich abgestoßen werden, muss das Erbgut der Spendertiere verändert werden. Sie werden dafür gezielt entwickelt und gezüchtet – nicht nur in den USA, sondern auch zum Beispiel an der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Der Leiter der TUM-Sektion Xenotransplantation, Konrad Fischer, erklärt, dass etwa bestimmte Zuckerstrukturen auf der Oberfläche von Schweinezellen verändert werden müssen, gegen die Menschen von Natur aus Antikörper hätten. Bei diesen Entwicklungen seien die Münchner »weltweit ganz vorn mit dabei«.
Schweine sind vielversprechende Spender
Foto: Fotostand / Gelhot / IMAGOSchweine haben sich als besonders vielversprechende Spender erwiesen. »Man nutzt deswegen Schweine, weil diese eine hohe Vergleichbarkeit zum Mensch initial aufzeigen und von den anatomischen Strukturen her eigentlich gut geeignet sind«, sagt der Transplantationschirurg Philipp Felgendreff von der Medizinischen Hochschule Hannover. Er verbinde mit dem Ansatz »eine große Hoffnung«.
Infektionsrisiko noch unklar
Allerdings sei es noch zu früh, um abzuschätzen, wann sich dieses Verfahren etablieren und dann Tausenden Menschen zur Verfügung stehen könnte. »Das hängt auch von den anlaufenden Studien in den USA ab.« Bisher, sagt Felgendreff, hätten Menschen mit Schweineorganen wenige Monate überlebt, bei menschlichen Organen liege die Überlebenswahrscheinlichkeit schon lange bei 10, 15 oder gar 20 Jahren. »Da ist die Lücke noch sehr, sehr groß.«
Eine Herausforderung: Es muss sichergestellt sein, dass die tierischen Organe frei von Mikroorganismen sind, die Menschen schaden könnten. Wie groß die Gefahr einer Infektion über die Transplantation sei, sei nicht einfach einzuschätzen, sagt Joachim Denner von der Freien Universität Berlin. Viren würden am Schutzsystem der Haut vorbei in das System eingetragen. Auch gebe es Viren, die in gesunden Menschen nichts anrichteten, bei kranken Menschen aber schon.
Konrad Fischer, Leiter der TUM-Sektion Xenotransplantation
Derzeit liegt der Fokus auf Nieren und Herz, doch theoretisch können Menschen viel mehr tierische Organe empfangen. Geforscht wird auch an der Transplantation von Lebern und Lungen, von Gelenkzellen sowie Inselzellen für an Diabetes Erkrankte, außerdem an Herzklappen sowie der Transplantation von Haut- und Knochenteilchen zum Beispiel nach Verbrennungen. »Fast alle Organe und Gewebe des Schweins können zur Heilung von Patienten verwendet werden«, erläutert Fischer.
Welche Menschen aber kommen für so einen riskanten Eingriff infrage – und welche wollen das? United Therapeutics möchte unter anderem Patienten in die Studie einschließen, die aus medizinischen Gründen keine Organe von Menschen bekommen können, sowie solche, die wahrscheinlich eher sterben, als innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Niere zu erhalten.
Auch der Transplantationschirurg Felgendreff meint, man sollte nicht jemandem ein Xeno-Organ geben, der eine gute Chance auf ein humanes Organ habe. Vorstellbar sei auch, dass jemand beispielsweise bei akutem Leberversagen rasch eine Leber benötige. Möglicherweise diene dann das Schweineorgan erst einmal als »Überbrückungstherapie« für einen gewissen Zeitraum.
Wenn die nun anstehenden Studien gut verliefen, könnten Xenotransplantationen Patienten auf den Wartelisten helfen, meint Felgendreff. Bis es so weit sei, müsse man »sicher immer noch von Jahren sprechen«, sagt er weiter.