»Zum Mond!«
Diese vier Astronauten wollen endlich hoch hinaus. Vor allem aber weit weg von der Erde – so weit, wie kein Mensch zuvor. Am Mittwoch soll ihre Rakete sie auf eine 10-tägige Mission ins All schicken: einmal den Mond halb umrunden und dann heimkehren. Zuvor wollen sie sich persönlich verabschieden.
Victor Glover, Astronaut: »Wir haben eine schöne Tradition begonnen: Unsere Familien stehen vor dem Gebäude, wenn wir hinausgehen. Das ist der Moment, in dem ich ihnen direkt sagen kann, dass ich sie liebe. Statt eine SMS zu schicken oder anzurufen.«
Christoph Seidler, SPIEGEL: »Wir haben eine Person of Color. Wir haben eine Frau. Wir haben den ersten Nicht-Amerikaner mit dem Kanadier Jeremy Hansen, der in die Nähe des Mondes kommt. Das heißt also, das ist eine Crew, die ist ziemlich divers. Zusammengestellt und vorgestellt zu einer Zeit, als das noch ein wichtiges Thema für die Nasa war.«
In der Orion-Kapsel gelangen die vier Astronauten zunächst mit dem Space Launch System ins All. Die Booster fallen nach gut zwei Minuten zurück zur Erde, kurz darauf auch die erste Stufe. Die Kapsel ist dann auf der Erdumlaufbahn angekommen. Die zweite Stufe wird abgetrennt, die Kapsel für spezielle Tests gedreht. Die Orion besteht aus einem Service-Modul mit Triebwerken, Solarzellen, Wasser- und Sauerstofftanks sowie dem Crewmodul. Wenn alle Tests problemlos verlaufen, fliegt die Kapsel Richtung Mond und erreicht ihn sechs Tage nach dem Start.
Die Astronauten sollen bis zur Rückseite des Mondes gelangen und dabei mit Glück Teile des Erdtrabanten sehen, die niemand zuvor erblickt hat. Wie die Erde von dort aus erscheinen könnte, zeigt diese Visualisierung der Nasa. Die Hoffnung auf neue Erkenntnisse bei dieser und folgenden Missionen ist groß.
Christina Koch, Astronautin: »Der Mond ist ein Zeuge der Entstehung unseres gesamten Sonnensystems. Er ist ein Sprungbrett zum Mars, wo wir mit der größten Wahrscheinlichkeit Hinweise auf früheres Leben finden werden. Aber er ist auch ein Schlüssel dafür, wie andere Sonnensysteme entstehen.«
Ob es Anfang April für die Nasa-Astronauten tatsächlich losgeht, ist allerdings ungewiss. Bei dem geplanten Flug handelt es sich um einen Test, der bereits seit Jahren wegen technischer Probleme immer wieder verschoben wird.
Reid Wiseman, Astronaut: »Wir werden starten, wenn das Fahrzeug uns signalisiert, dass es startklar ist. Und wenn das gesamte Team so weit ist. Es kann also sein, dass wir zur Startrampe fahren und es noch ein paar Mal versuchen müssen.«
Christoph Seidler, SPIEGEL: »Eins der großen Probleme bei den bisherigen Startversuchen war, dass es mit dem Betanken der Rakete Schwierigkeiten gab. Da kommt extrem kalter Sauerstoff und extrem kalter Wasserstoff rein. Das ist echt schwierig für Ventile, für Leitungen. Da gibt es traditionell immer Probleme. Das kann auch dieses Mal wieder passieren.«
Sollte der Testflug der »Artemis 2« problemlos verlaufen, wollen die USA 2028 zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren wieder auf dem Mond landen. Und damit China zuvorkommen, das ebenfalls eine Mondmission anstrebt – vor 2030. Beide Länder verfolgen langfristig ein noch ambitionierteres Ziel.
Christoph Seidler, SPIEGEL: »Die wollen eine Basis jeweils auf dem Mond aufbauen. So ähnlich wie wir heute Forschungsstationen in der Antarktis kennen. Wo Leute dauerhaft leben in einer extremen Umgebung, die erforschen. Darum geht es im Prinzip. Das heißt, dieses Wettrennen ist eigentlich nur so eine Art sichtbares Symbol für die Frage, wer dann in den Jahren und Jahrzehnten danach auf dem Mond den Ton angeben wird.«