Biologen entdecken 98 neue Käferarten - DER SPIEGEL
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Exotische Artenvielfalt: Neue Arten im Käferparadies

Foto: SMNK/ Alexander Riedel

Exotische Artenvielfalt Biologen entdecken 98 neue Käferarten

In Indonesien haben Insektenkundler fast 100 bislang unbekannte Rüsselkäfer-Arten bestimmt. Die Lebensweise der kleinen Insekten wirft erstaunlich viele Fragen auf.
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Sie sehen aus wie stachlige Erdbeeren mit Beinchen - nur sehr viel kleiner. Die 98 neu entdeckten Rüsselkäfer-Arten der Gattung Trigonopterus sind nur wenige Millimeter groß. Nach gut 1,5 Jahren Fleißarbeit und vielen Stunden am Sequenzierer ist es Biologen aus Karlsruhe und München gelungen, mehr als 4000 gefundene Exemplare den Arten zuzuordnen. Das Ergebnis ihrer Fleißarbeit präsentieren sie im Fachjournal "Zookeys" .

Über viele Jahre hinweg sammelten Alexander Riedel vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe und seine Kollegen die kleinen Käfer in den unberührten Bergwäldern Westindonesiens. Keine leichte Aufgabe - die Rüsselkäfer leben im Bodenstreu der Urwälder. Auf allen Vieren krochen die Forscher durchs Unterholz und sammelten Bodenproben, aus denen sie die winzigen Insekten mit Hilfe eines feinen Gitters aussiebten.

Zur Bestimmung der verschiedenen Arten machten sich die Forscher moderne molekularbiologische Methoden zu Nutze. Eine große Zeitersparnis bei über 4000 Exemplaren. "Ohne DNA-Analysen hätten wir locker doppelt bis fünfmal so lange gebraucht", sagt Riedel. Die anschließende morphologische Beschreibung allerdings mussten sie auf herkömmliche, vergleichsweise altmodische Art der Taxonomen bewältigen: mit Mikroskop, genauem Hingucken und detaillierter Beschreibung des Käferkörperbaus.

Kompakte Konservendosen

Über die Biologie der Rüsselkäfer ist bisher nur sehr wenig bekannt. So hat beispielsweise noch nie jemand eine Larve gefunden. Und auch wenn sich die Käfer auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen, hat doch jede Art ihre Besonderheit. Einige haben Noppen, andere glänzen goldmetallen, wieder andere haben stämmige Beinchen. Hinweise auf ihre unterschiedlichen ökologischen Nischen, die sie im Boden besetzen.

Denn erstaunlicherweise finden sich auf kleinstem Raum zum Teil sehr viele verschiedene Arten - bis zu 50 Trigonopterus-Arten fanden die Biologen an einzelnen Fundorten. Besonders abwechslungsreich erscheinen die oberen Zentimeter der Urwaldbodenstreu nicht gerade. Doch das täusche, sagt Riedel . "Würde man einen Menschen auf Ameisengröße schrumpfen, wäre auch für ihn der Lebensraum Bodenstreu vielgestaltig." Je nachdem, ob die Käfer weiter oben oder weiter unten leben, finden sich größere oder kleinere Pflanzenteile oder eben nur Erdkrumen, die unterschiedliche Anforderungen an den Körperbau der Käfer stellen.

Allen gemein aber ist, dass sie keine Flügel haben. Ein Vorteil, wie Riedel sagt. "Will ein Käfer fliegen, muss er leicht gebaut sein." Anders die bodenständigen Rüsselkäfer, die teilweise sehr stabil daherkommen. "Kompakte Konservendosen", wie Riedel sie beschreibt.

Ein Käfer namens Acht

Nicht ganz einfach war es, für all die vielen neuen Arten geeignete Namen zu finden. Riedel widmete eine Art dem Naturfilmer David F. Attenborough: Trigonopterus attenboroughi. Trigonopterus delapan von der Insel Flores hat einfach eine Nummer abbekommen. Der Name bedeutet auf Indonesisch: acht. Es gibt auch Arten mit dem Namen satu (eins), dua (zwei) oder tiga (drei).

Welchen Platz die kleinen Rüsselkäfer der Gattung Trigonopterus in der Evolution einnehmen, untersuchen Riedel und seine Kollegen jetzt in Karlsruhe. Viele Fragen gilt es noch zu klären - beispielsweise auch, wie sich die Käfer so weit verbreiten und auf den Inseln ansiedeln konnten , obwohl sie keine Flügel haben. Die Forscher vermuten, dass die Gattung ihren Ursprung in Neuguinea hat. Ein weiter Weg nach Sumatra, Bali, Java und den übrigen Fundorten der heutigen Arten - auch wenn sie dafür mehr als 30 Millionen Jahre Zeit hatten.

Nur eins steht jetzt schon fest: Damit die kleinen Käfer nicht aussterben, muss vor allem ihr Lebensraum geschützt werden. Denn sie kommen nur in den unberührten Wäldern vor, sagt Riedel. "In Kakaoplantagen sucht man Rüsselkäfer vergebens."

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