Energiewende: Chinas Kohleausbau gefährdet Klimaziele - DER SPIEGEL
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Höchster Stand seit fast zehn Jahren Ausbau von Kohlekraftwerken soll Chinas Klimaziele gefährden

China treibt die Solar- und Windkraft vehement voran. Doch die Nation hat 2024 auch in bemerkenswert viele Kohleprojekte investiert, wie ein aktueller Bericht zeigt. Das lasse an der Energiewende zweifeln.
Kohlekraftwerk Guohua Power Station in der nordchinesischen Provinz Hebei (2023)
Kohlekraftwerk Guohua Power Station in der nordchinesischen Provinz Hebei (2023)

Kohlekraftwerk Guohua Power Station in der nordchinesischen Provinz Hebei (2023)

Foto: Ng Han Guan / AP

Neue Kohleprojekte gefährden einem aktuellen Bericht  zufolge Chinas Klimaziele. Die Volksrepublik habe im Jahr 2024 mit dem Bau von Kohlekraftwerken mit einer Leistung von rund 94,5 Gigawatt begonnen – ein neuer Höchstwert seit 2015. Das erklärten das Centre for Research on Energy and Clean Air  (Crea) in Finnland und der Global Energy Monitor  (GEM) in den USA am Donnerstag.

Neu ans Netz gingen Anlagen, die zusammen 30,5 Gigawatt an Leistung erzeugen sollen. Im Vorjahr waren es 49,8 Gigawatt.

China baut damit entgegen dem globalen Trend weiter Kohlekapazitäten auf, wie es in dem Bericht hieß. Die Autorinnen und Autoren verwiesen außerdem darauf, dass im vierten Quartal 2024 deutlich weniger Sonnen- und Windenergie genutzt worden sei, während das Land auf hohem Niveau Strom aus fossilen Brennstoffen erzeugte, obwohl die Stromnachfrage langsamer wuchs.

Potenzial »das Energiesystem neu zu gestalten«

Tatsächlich baut China so viel Sonnen- und Windenergie zu wie kein anderes Land. Im vergangenen Jahr stellte die Volksrepublik laut der nationalen Energiebehörde 356 Gigawatt an Solarzellen und Windrädern auf, 4,5 Mal so viel wie in der gesamten Europäischen Union.

Zum Vergleich: Deutschland baute 2024 rund 16,2 Gigawatt an Photovoltaikanlagen und 2,5 Gigawatt an Windleistung zu.

Der starke Ausbau der erneuerbaren Energien in China habe zwar Potenzial, »das Energiesystem neu zu gestalten«, werde aber durch den »gleichzeitigen massiven Ausbau der Kohlekraft untergraben«, erklärte die Hauptautorin der Studie, Qi Qin.

Die weitere Genehmigung und der Bau neuer Kohlekraftwerke würden oft eher durch Industrieinteressen als durch den tatsächlichen Netzbedarf bestimmt und drohten, China in einer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen einzuschließen, erklärte sie weiter.

Vergangenen Herbst hatten die Organisationen noch festgestellt, dass China im ersten Halbjahr 2024 weit weniger Kohlekraftprojekte genehmigt hatte als im selben Vorjahreszeitraum. Zugelassen wurden demnach 83 Prozent weniger Projekte und damit nur eine Gesamtleistung von 9 Gigawatt.

Klimaneutral bis 2060?

China ist der größte Treibhausgas-Emittent der Welt und hatte jahrzehntelang auf Kohlenkraft als zentrale Energiequelle gesetzt. Bis 2030 will die Nation ihren Höhepunkt beim CO₂-Ausstoß erreicht haben, diesen danach sukzessive abbauen und bis 2060 klimaneutral sein.

Präsident Xi Jinping hatte 2021 angekündigt, den weiteren Ausbau von Kohlekraft »streng zu kontrollieren«. Zwischen 2020 und 2024 stieg die Kohleproduktion jedoch noch mal deutlich von 3,9 auf 4,8 Milliarden Tonnen an.

Ohne »dringende politische Veränderungen« laufe China allerdings Gefahr, in das Muster zu verfallen, immer mehr Energie zu produzieren, anstatt tatsächlich eine Energiewende zu vollziehen, heißt es in dem Bericht. Das »Streben nach Kohle« verdränge die Nutzung günstiger und sauberer Energien.

alw/AFP/AFX/dpa