Erstmals seit mehr als 100 Jahren Forscher identifizieren neue Pinguinart auf »Inseln der Trostlosigkeit«
Eselspinguin (Pygoscelis papua) im Südatlantik: Vier eigenständige Arten
Foto: Stefan Nehls / imageBROKER / picture allianceEin internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat erstmals seit mehr als 100 Jahren eine neue Pinguinart identifiziert. Die Studie dazu ist im Fachjournal »Communications Biology« erschienen.
Das Team unter Leitung chilenischer Biologen lieferte genetische Belege dafür, dass Eselspinguine nicht eine große Pinguinart mit mehreren Unterarten darstellen. Tatsächlich gebe es vier eigenständige Eselspinguinarten, schreibt die University of California in einer Mitteilung . Eine dieser Arten sei bislang nicht bekannt gewesen, weil sie – abgesehen von geringfügigen Unterschieden in Größe und Lautäußerungen – wie jeder andere Eselspinguin aussieht: mit weißem Bauch und schwarzem Rücken. »Genetisch unterscheidet sich die Art jedoch eindeutig«, heißt es in der Mitteilung.
Bekannt waren der Studie zufolge bereits der nördliche, der südliche sowie der östliche Eselspinguin. Neu identifiziert wurde der südöstliche Eselspinguin, auch Pygoscelis kerguelensis genannt. Die Studie baut auf einer 2020 veröffentlichten Arbeit auf und etabliert den neuen Namen für die vierte Art.
Eselspinguin in der Antarktis: Erbgutanalysen von 64 Tieren aus zehn Brutkolonien
Foto: Joe Sohm / Newscom World / IMAGO4000 Kilometer von Australien und Südafrika entfernt
Die Art lebt auf den Kerguelen, einer abgelegenen Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean. Menschen leben dort nur in einer Forschungsstation, die Inseln befinden sich jeweils fast 4000 Kilometer von Australien und Südafrika entfernt. Der Entdecker James Cook hatte den Archipel einst als »Inseln der Trostlosigkeit« bezeichnet.
Den nördlichen, den südlichen sowie den östlichen Eselspinguin klassifizieren die Forscher nun nicht mehr als Unterarten, sondern als eigenständige Eselspinguinarten. Die University of California schreibt, die Forscher hätten Pinguinexperten aus aller Welt zusammengebracht, die neue Studie sei ein wissenschaftlicher Konsens. Grundlage dafür seien Erbgutanalysen von 64 Tieren aus zehn Brutkolonien. Außerdem habe man körperliche Merkmale von der Farbe über Lautäußerungen, den Zeitpunkt der Brut, der Ernährung sowie das Fressverhalten analysiert.
Eselspinguine ernähren sich vielseitig. Das führte den Wissenschaftlern zufolge auch zur Entstehung des südöstlichen Eselspinguins. Die Vögel entfernten sich nicht weit von ihren Brutkolonien und nisteten Jahr für Jahr am selben Ort. »Dadurch entwickelten die Populationen auf abgelegenen Inseln Verhaltensweisen und ökologische Anpassungen an ihre jeweilige Umgebung. Im Laufe der Zeit wurden diese durch Selektion im gesamten Genom verstärkt«, heißt es.
Die Zukunft des südöstlichen Eselspinguins sei ungewiss, fürchten die Wissenschaftler. Die globale Erwärmung beeinflusse seine Heimatregionen.