Landwirtschaft Wie Soja-Import heimischen Böden schadet
Arbeiter auf einer Sojaplantage in Brasilien
Foto: Roberto Samora/ REUTERSDer Import von Nahrungsmitteln kann der Umwelt im eigenen Land schaden. Diesen überraschenden Zusammenhang haben Wissenschaftler um Jianguo Liu von der Michigan State University in East Lansing in den USA nachgewiesen.
"Es wird allgemein davon ausgegangen, dass die Importländer im internationalen Lebensmittelhandel Vorteile für die Umwelt haben", schreiben die Forscher, "während die Exportländer Umweltprobleme haben, weil sie Land und andere Ressourcen nutzen, um Lebensmittel für den Export zu produzieren." Es könne aber auch anders sein.
Die Forscher berücksichtigten für ihre Analyse die zehn größten Importländer für Sojabohnen aus Brasilien und den USA, den beiden größten Exporteuren dieser Feldfrucht. Geprüft wurde, wie sich die Felder der Importnationen durch den veränderten Anbau von Nutzpflanzen entwickelten.
Dazu werteten die Wissenschaftler 168 Studien über Stickstoffwerte im Boden aus und analysierten detailliert den Umstieg von Sojabohnen zu anderen Nutzpflanzen in einigen chinesischen Provinzen. Ihre Ergebnisse sind im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht .
Sojabohnen entziehen dem Boden Stickstoff
Dank sogenannter Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln können Sojabohnenpflanzen überschüssigen Stickstoff im Boden und aus der Luft verwerten und müssen daher in der Regel nicht mit Stickstoff gedüngt werden. Beim Anbau anderer Nutzpflanzen bleibt durch intensive Düngung dagegen häufig ein Stickstoffüberschuss im Boden.
Die Forscher untersuchten die Felder, die früher mit Sojabohnen bepflanzt waren und auf denen jetzt Weizen, Mais, Reis oder Gemüse wachsen. Dabei schätzten sie die Stickstoffbilanz in den Ackerböden: ausgebrachter Stickstoff abzüglich des Stickstoffs, den die Pflanzen mit dem Bodenwasser aufnahmen.
Da Sojabohnen den Bodenstickstoff binden, ist die Stickstoffbilanz auf den entsprechenden landwirtschaftlichen Flächen negativ: beispielsweise minus 32.595 Tonnen Stickstoff auf chinesischen Feldern, auf denen Sojabohnen angebaut wurden.
Am schlechtesten ist die Stickstoffbilanz beim Gemüse
Nach der Umwandlung in Mais- oder Reisfelder in den Jahren 2010 bis 2014 sieht die Bilanz dieser Felder anders aus: 91.925 Tonnen Stickstoff aus Düngemitteln, die nicht von den Nutzpflanzen verwertet wurden, belasten nun die Umwelt. Insgesamt ergibt sich allein für die untersuchten Gebiete in China ein Überschuss von 124.520 Tonnen Stickstoff im genannten Zeitraum.
Die durchschnittliche Stickstoffbilanz pro Hektar fällt je nach Nutzpflanze unterschiedlich aus: minus 19 Kilogramm für Sojabohnen, 27 Kilogramm für Weizen, 48 Kilogramm für Mais, 60 Kilogramm für Reis.
Am schlechtesten ist die Stickstoffbilanz für Gemüse: Dort fielen 163 Kilogramm Stickstoff an, die nicht von den Nutzpflanzen verwertet wurden. Die Forscher hoffen, dass ihre Studie zu weiteren Untersuchungen der Folgen des weltweiten Nahrungsmittelhandels führt. "Wenn eine Welt nicht auf systemische, ganzheitliche Weise untersucht wird, werden Umweltkosten übersehen", sagt Jianguo Liu.
Die Überdüngung mit Stickstoff gilt inzwischen als eine der größten Umweltbedrohungen. Stickstoff hat großen Einfluss auf Naturschutzgebiete, Binnengewässer, Wälder und selbst die Meere, wo er das Algenwachstum anregt. Überdüngte Böden und Gewässer sind für viele Lebewesen kein geeigneter Lebensraum mehr, die Artenvielfalt nimmt ab.
In Deutschland gelangen dem Umweltbundesamt (UBA) zufolge mehr als 50 Prozent der reaktiven Stickstoffverbindungen über die Landwirtschaft in die Umwelt. Der Stickstoffüberschuss lag demnach im Jahr 2015 in der Gesamtbilanz bei rund hundert Kilogramm Stickstoff je Hektar landwirtschaftlicher Fläche.