Sommer 2026: Deutscher Wetterdienst meldet einen der wärmsten Sommer seit Aufzeichnung - DER SPIEGEL
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Analyse des Deutschen Wetterdiensts Gluthitze, leere Flüsse, brennende Wälder – das ist die Sommerbilanz 2026

Mehr als 40 Grad am Tag, gefolgt von Tropennächten: Der diesjährige Sommer erreichte laut Wetterdienst »Dimensionen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden«. Das gilt auch für die Zahl der Hitzetoten.
Thermometer in Berlin (am 27. Juni 2026)
Thermometer in Berlin (am 27. Juni 2026)

Thermometer in Berlin (am 27. Juni 2026)

Foto: Carsten Koall / dpa

Wer diesen Sommer in Deutschland miterlebt hat, dürfte diese Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) wohl unterschreiben. Nach einer vorläufigen Auswertung ist der diesjährige Sommer einer der wärmsten seit Beginn flächendeckender Messungen gewesen.

»Auffällig und außergewöhnlich waren insbesondere die Extreme: Die Hitzewelle Ende Juni erreichte in Ausmaß und Folgen Dimensionen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden« hieß es. Die Temperaturen lagen zeitweise deutlich über 40 Grad, tropische Nächte brachten auch nachts kaum Abkühlung.

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»Eine DWD-Attributionsstudie zur Hitzewelle Ende Juni 2026 ergab: Ohne den Klimawandel wäre eine Hitzewelle dieses Ausmaßes statistisch unmöglich gewesen.« Mit Attributionsstudien kann abgeschätzt werden, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität individueller Wetter- oder Klimaextreme verändert hat.

Der Sommer war nach vorläufigen Angaben zudem sehr trocken, besonders im Westen und Südwesten Deutschlands. »Bei den Sonnenstunden dürfte sich der Sommer 2026 unter den Sonnenschein-reichsten seit Beginn der Aufzeichnungen einreihen.« Weitere Details gibt der DWD am Montag in seiner Sommerbilanz bekannt.

Und das Wetter hatte tödliche Folgen: In diesem Jahr sind in Deutschland nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Mitte August etwa 15.800 Menschen durch Hitze gestorben. 9600 dieser Todesfälle entfielen auf die Extremhitze Ende Juni, wie es im letzten Wochenbericht hieß. Weitere 4000 Sterbefälle seien auf die hohen Temperaturen in den ersten zwei Augustwochen zurückzuführen. Der Bericht betrachtet den Zeitraum vom 6. April bis zum 16. August.

Psychische Gesundheit während Hitzewellen

In diesem Jahr sind damit wesentlich mehr Menschen an Hitze gestorben als in den vergangenen mindestens zehn Jahren. Laut RKI handelt es sich um konservative Schätzungen. Die Zahl könne sogar noch höher liegen. Der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hatte erklärt, viele Fälle würden nicht als hitzebedingt erfasst, weil auf Totenscheinen etwa Organversagen stehe.

Hannah Wallis, Juniorprofessorin an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Magdeburg, forscht zum Zusammenhang von Hitze und psychischer Gesundheit (mehr zum Thema hier ). Sowohl 2025 als auch 2026 habe sie Menschen an Tagen mit mehr als 25 Grad zu ihren psychischen und körperlichen Belastungen befragt und das mit Daten des Deutschen Wetterdiensts abgeglichen.

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Zu den Ergebnissen der ersten Studie im vergangenen Jahr sagt sie: »Je heißer es wird, desto mehr depressive und körperliche Symptome berichteten die Teilnehmer.« Das sei nicht für jeden direkt spürbar. »Es kann sein, dass das ein leichtes, depressives, ängstliches Symptom ist.« Besonders wichtig sei die Erkenntnis: Menschen, die ohnehin schon psychisch vorbelastet waren, haben bei steigenden Temperaturen deutlich mehr ängstliche und depressive Symptome berichtet als Menschen ohne solche Vorbelastungen.

Pegelstände machten Schiffsverkehr schwierig

In der Eifel kam es im August im Hürtgenwald zu einem einwöchigen Großbrand. Häuser wurden evakuiert, Menschen mussten einen Ortsteil verlassen. Auch im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze brach ein Großbrand aus.

Wegen anhaltender Trockenheit und ausbleibendem Regen gingen die Pegelstände am Rhein zeitweise sehr stark zurück. Güterschiffe konnten zeitweise gar nicht mehr oder nur leer fahren. Außerdem verkehrten zahlreiche Fähren nicht mehr.

Wie reagiert die Politik? Bestehende Programme zum Klimaschutz sollten geprüft und besser verzahnt, Hürden für Anträge und Befristungen abgebaut und alles transparenter gestaltet werden, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Man wolle wissen, wo die Länder Geld vom Bund investieren.

»Wir werden außerdem aus dem Hitzesommer 2026 Lehren ziehen und konkrete Hilfen prüfen müssen. Das betrifft vor allem die Vorsorge für Waldbrände, die Ausstattung der Feuerwehren und der weiteren Hilfsorganisationen, die bemerkenswerte Arbeit geleistet haben in diesem Sommer«, sagte Merz. Es gehe auch um Gesundheitsprävention, die Folgen für den Verkehr sowie Land- und Forstwirtschaft.

Als in Deutschland die Wälder brannten, war Friedrich Merz noch im Urlaub. Nun, frisch zurück, rügte er die Klimaleugner. Doch bei der anstehenden Kabinettsklausur konkurriert der Hitzeschutz mit einem anderen Großthema. Mehr hier .

jok/dpa