Ostsee: Wie der Wal vor Poel gerettet werden soll - DER SPIEGEL
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Bergungsversuch auf Poel Wie der Wal befreit werden soll

Luftkissen, Pontons, Plane: Eine privat organisierte Rettungsaktion will den in der Ostsee gestrandeten Wal zurück in Richtung Atlantik schleppen. Was genau geplant ist und wie es um den Wal steht.
Gestrandeter Buckelwal: Helfer der aktuellen Rettungsaktion haben das Tier mit Tüchern abgedeckt
Gestrandeter Buckelwal: Helfer der aktuellen Rettungsaktion haben das Tier mit Tüchern abgedeckt

Gestrandeter Buckelwal: Helfer der aktuellen Rettungsaktion haben das Tier mit Tüchern abgedeckt

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Jens Büttner / dpa

Wird die überraschende Rettungsaktion für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal Erfolg haben? Rasche Klarheit darüber wird es wohl nicht geben. Die Vorbereitungen einschließlich einer vorsichtigen äußerlichen Untersuchung wurden Donnerstagnachmittag unterbrochen, um dem Tier Ruhe zu gönnen.

Als sich am Freitag ein Taucher näherte, schlug das Tier heftig mit der Schwanzflosse, der Fluke, und drehte sich um beinahe 90 Grad. Die Helfer zogen sich daraufhin zurück. Nach wenigen Minuten beruhigte sich der Wal augenscheinlich wieder und lag erneut still im Wasser. Laut den Verantwortlichen der Rettungsaktion liegen sie derzeit einen Tag im Zeitplan zurück.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Ein Konvoi aus mehreren Lastwagen hatte am Donnerstag Material in den kleinen Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel gebracht. Darunter befinden sich zwei Pontons, die eine wichtige Rolle bei dem Vorhaben spielen sollen.

Bagger auf Ponton: Er soll den Wal freischaufeln

Bagger auf Ponton: Er soll den Wal freischaufeln

Foto: Jens Büttner / dpa

Details der Aktion sind nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Helfer versuchen wollen, das tonnenschwere Tier mit Luftkissen anzuheben. Weil der Buckelwal aber seit mehr als zwei Wochen auf dem Grund festliegt, muss zunächst Meeresboden unter ihm weggespült werden.

Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert werden. Wenn alles gut geht, wird ein Schlepper versuchen, den Wal in die tiefere Ostsee und dann durch Kattegat und Skagerrak in die Nordsee und dann in den Atlantik zu ziehen. Dort könnte das Tier im besten Fall in die Freiheit entlassen werden.

Wie geht es dem Tier?

Alle Experten gehen davon aus, dass der Wal stark geschwächt und schwer krank ist. Ein Walexperte und zwei Tiermedizinerinnen nahmen am Donnerstag vorsichtig Kontakt zu ihm auf und stellten fest, dass er auf Ansprache reagiert, wie die Sprecherin der Rettungsaktion sagte. Sein Blasrohr sei intakt, an ihm seien keine Entzündungszeichen zu erkennen. Aufregung zeige der Meeressäuger nicht. (Wie Anwohner auf Poel die Walrettung erleben, lesen Sie hier.)

Wer steckt hinter der Operation?

Hinter dem Rettungsversuch steht eine private Initiative um Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert , die aus dem Pferdesport bekannt ist. Sie finanzieren und organisieren die Aktion mit Einverständnis der Behörden in Mecklenburg-Vorpommern.

Was sagen andere Experten?

Unter Experten ist umstritten, ob die Rettungsmission dem Wal nicht mehr schadet als nützt. Fachleute vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung und vom Deutschen Meeresmuseum haben am 7. April ein Gutachten veröffentlicht, laut dem der Wal nicht mehr zu retten ist. »Das Tier würde die Belastung eines langen Transportes in die Nordsee nicht überstehen«, heißt es darin. Aufgrund dessen ist eine Lebendbergung und Transport nicht möglich und vertretbar.« Die Experten sind nicht in den aktuellen Rettungsversuch eingebunden.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an der geplanten Rettungsaktion, denn nach den vorliegenden Informationen sei der Wal krank und stark geschwächt, so eine Sprecherin.

Der Walexperte Fabian Ritter zweifelte im Interview mit dem SPIEGEL ebenfalls an den Erfolgschancen des aktuellen Rettungsplans. »Alles, was ihn jetzt berührt, birgt die Gefahr, ihn weiter zu verletzen – und damit dem Tierwohl entgegenzuwirken«, sagte Ritter über den Wal.

Der Meeresbiologe Boris Culik hält die Maßnahmen für vielversprechend. Ob der Wal überleben wird, sei allerdings ungewiss. Unklar ist etwa, ob der Wal womöglich Teile des Fischernetzes und Leinen verschluckt hat, in denen er sich verfangen hatte. »Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen?«, sagte Culik.

Laut Schätzung des WWF sterben jedes Jahr 300.000 Wale, weil sie sich in Netzen und Leinen verfangen. Umweltorganisationen fordern deshalb, etwa Schleppnetze in Schutzzonen zu verbieten und ein Tempolimit für Schiffe, um den Lärm unter Wasser zu reduzieren und Kollisionen zu vermeiden. Auch der vor Poel gestrandete Wal hat Verletzungen, die von einer Schiffsschraube verursacht worden sein könnten.

Auf Poel sind Anwohner zunehmend genervt von dem Spektakel, während Schaulustige am Ufer um das Tier bangen. Eindrücke von vor Ort sehen Sie hier.

koe/dpa