Forschung zu Geisterteilchen Physik-Nobelpreis geht an Entdecker hochenergetischer Neutrinos aus dem All
Neuer Nobelpreisträger Francis Halzen
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Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den belgisch-amerikanischen Neutrinoforscher Francis Halzen für entscheidende Beiträge zum Neutrino-Observatorium »IceCube« und für die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs. Das teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.
Verkündung des diesjährigen Nobelpreises für Physik am Montag um 11.45 Uhr
Foto:Steffen Trumpf / dpa
Halzen ist ein belgisch-amerikanischer Teilchenphysiker und Professor an der University of Wisconsin–Madison. Er entwickelte das IceCube-Neutrinoobservatorium am Südpol, das Neutrinos aus dem All aufspürt (siehe Fotogalerie). Es handelt sich dabei um einen Kubikkilometer Eis, der mit Sensoren ausgestattet ist.
Das Experiment am Südpol
Mit dem Observatorium können Forscher Neutrinos aus extrem energiereichen Prozessen im fernen Universum erfassen. Die winzigen Partikel jagen in unvorstellbaren Mengen fast lichtschnell durchs Universum. Weil sie aber extrem massearm und elektrisch nicht geladen sind, kommen sie kaum mit anderer Materie in Kontakt und sind deshalb schwer nachzuweisen. Manchmal werden sie auch als Geisterteilchen bezeichnet.
»IceCube«-Experiment: Neutrinojagd unter dem Eis
Mit ihrer Hilfe können Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Zeit unmittelbar nach dem Urknall ziehen. Ebenso können sie sich Gedanken über die Bildung großräumiger kosmischer Strukturen machen.
Für das »IceCube«-Experiment haben Forschende 5160 hochsensible Sensoren bis zu zweieinhalb Kilometer tief im antarktischen Untergrund versenkt. Deren Aufgabe: Sie sollen einen Kubikkilometer Eis untersuchen – und nach kleinsten blauen Blitzen Ausschau halten. Es geht um die sogenannte Tscherenkow-Strahlung. Das feine Leuchten entsteht, wenn Neutrinos mit den Wassermolekülen des Eises kollidieren und dabei eine Kaskade schneller geladener Teilchen in Gang setzen.
Erstmals von einer Frau verkündet
Im 125. Jahr der Nobelpreisvergabe gibt es eine Besonderheit: Erstmals in der Geschichte der Stiftung werden die Namen der Nobelpreisträger für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften von einer Frau verkündet. Die gebürtige Belgierin Ellen Moons trat zum Jahresstart 2026 ihren Posten als neue Generalsekretärin der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften (KVA) in Stockholm an, die die Nobelpreise in den drei Preiskategorien alljährlich bekannt gibt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie im Jahr 1739.
In Medizin waren am Montag die Grundlagenforscher Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel für ihre Entdeckungen im Bereich der Optogenetik mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.
Der Physik-Nobelpreis ging im vergangenen Jahr an die Quantenforscher John Clarke (Großbritannien), Michel Devoret (Frankreich) und John Martinis (USA). Sie hatten eine Grundlage für die Entwicklung der nächsten Generation der Quantentechnologie geschaffen, darunter Quantenkryptografie, Quantencomputer und Quantensensoren.
Seit der ersten Preisvergabe im Jahr 1901 sind bislang 229 unterschiedliche Physik-Nobelpreisträger gekürt worden, darunter nur fünf Frauen. Ein Wissenschaftler, der US-Amerikaner John Bardeen, erhielt ihn zweimal. Der erste Preisträger war der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen, der die Auszeichnung 1901 für die Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen erhalten hatte.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde die Tscherenkow-Strahlung irrtümlich mit einem Teilchenzerfall in Verbindung gebracht. Tatsächlich entsteht das Leuchten, wenn Neutrinos im Eis mit Wassermolekülen kollidieren und dabei eine Kaskade schneller geladener Teilchen auslösen. Wir haben die Stelle korrigiert.