Türkei: Forscher entdecken ältestes Schiffswrack der Welt - DER SPIEGEL
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Vor der türkischen Küste Forscher entdecken ältestes Schiffswrack der Welt

Es fuhr über das Mittelmeer, als gerade die Pyramiden gebaut wurden: Forschende haben Reste eines 4500 Jahre alten Wracks gefunden. Sollte das Schiff Wein nach Troja bringen?
Taucher bei einem Artefakt des Schiffswracks
Taucher bei einem Artefakt des Schiffswracks

Taucher bei einem Artefakt des Schiffswracks

Foto: Hakan Öniz

Vor der türkischen Insel Kekova haben Archäologen Spuren eines Schiffswracks entdeckt, das sie auf ein Alter von 4400 bis 4700 Jahren schätzen. Damit wäre das Wrack ungefähr so alt wie die großen Pyramiden in Ägypten. Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy berichtete über den Fund auf der Plattform X . Die Entdeckung vor der Provinz Antalya werfe Licht auf die tief verwurzelte Vergangenheit des Seehandels an den Küsten Anatoliens.

Die Holzkonstruktion des Schiffs selbst ist nicht erhalten geblieben, wie die britische BBC  unter Berufung auf die Mediterranean Archaeology Association berichtete. Die Zeit überstanden hätten aber ein massiver Steinanker und mehr als 30 Amphoren aus Keramik. »Das Schiffswrack ist eine Zeitkapsel auf dem Meeresgrund«, sagte Hakan Öniz von der Akdeniz-Universität in der Türkei der BBC zufolge.

Arbeit am Wrack: »Zeitkapsel auf dem Meeresgrund«

Arbeit am Wrack: »Zeitkapsel auf dem Meeresgrund«

Foto:

Hakan Öniz

Da kein Holz mehr vorhanden war, konnte das Alter der Wrackteile nicht mit der Radiokarbonmethode ermittelt werden. Die Datierung geschah stattdessen durch die Form der Amphoren, deren Stile mit bestimmten Epochen verbunden sind.

Bemerkenswert erscheint den Forschenden, dass an den Amphoren noch Rückstände ihres Inhalts erhalten waren: zähe, glänzende Flecken, die Tausende von Jahren überdauert haben müssen. Um welche Substanzen es sich genau handelt, ist allerdings noch unklar. Nach Angaben der australischen Archäologin Karin Sowada könnte es sich um Wein handeln, Olivenöl oder auch Baumharze.

Dies wirft dem Team zufolge auch ein Schlaglicht auf den Handel und die Handelsrouten dieser Zeit. Gestartet sei das Schiff vermutlich an der östlichen Mittelmeerküste. Das Ziel müsse entweder die Stadt Troja im heutigen Nordwesten der Türkei gewesen sein oder das heutige Kreta.

Auch über das Leben an Bord selbst lässt sich etwas lernen. Laut Kulturminister Ersoy sticht unter den Funden eine Amphore hervor, die neun verschiedene Löcher aufweise und zwei Löcher im Korpus. Sie könne als Kanne zur Herstellung von Käse oder Butter gedient haben. Dies deute darauf hin, »dass Seefahrer auf langen Reisen möglicherweise ihr eigenes Essen produzierten«. Dazu müssten Tiere mit an Bord gewesen sein.

sol