Vorfreude bei der Ankunft der künftigen ISS-Astronauten am Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Mit dabei: der Deutsche Matthias Maurer.
Matthias Maurer, Astronaut
»Es ist alles sehr aufregend – der erste Weltraumflug steht bevor als Teil eines unglaublichen Teams. Meine Crew-Mitglieder sind herausragend und ich freue mich auf eine tolle Zeit im All.«
Maurer wird der zwölfte Deutsche im All sein. Dreizehn Jahre nach seiner ersten Bewerbung als Astronaut darf er mit der Mission »Cosmic Kiss« endlich Richtung ISS starten.
Christoph Seidler, DER SPIEGEL
»Für Matthias Maurer wird es ein ganz besonderer Start sein. Nicht nur hat er ziemlich lange darauf gewartet, ins All zu fliegen, sondern er wird auch als erster Deutscher mit dieser SpaceX Kapsel der Firma von Elon Musk starten, mit der er im Auftrag der NASA Astronauten zur Internationalen Raumstation transportiert werden.«
DER SPIEGEL begleitete Matthias Maurer schon zu Beginn seiner Astronauten-Ausbildung, hier 2017 im Europäischen Astronautenzentrum in Köln.
Dimitri Tschurkin, Trainer
»Gratulation, gut gemacht. Das ist die entscheidende Fähigkeit. Wenn du dieses letzte Manöver nicht beherrschst, kannst du den Traum vom Flug ins All gleich vergessen.«
Der gelernte Materialwissenschaftler war schon damals begeistert von der Vielfältigkeit der Herausforderungen.
Matthias Maurer, Astronaut
»Klar, das ist genau mein Ding, das verbindet Wissenschaft, es verbindet Technologie am Rande von dem, was machbar ist, es verbindet Teamwork mit internationalen Teams und die Prise Abenteuer.«
Sechs Monate wird Matthias Maurer im Orbit verbringen. Im Gepäck: Rund 100 Experimente, auf die er sich in intensiven Trainings genauestens vorbereitet hat.
Christoph Seidler, DER SPIEGEL
»Da ist zum Beispiel ein Anzug dabei mit Elektroden drin, die die Muskeln stimulieren. Es geht aber auch um sein Fachgebiet Materialwissenschaft, um Metallschmelzen, um die Kristallisation von Beton, die vielleicht mal dabei helfen soll, Beton besser zu verstehen, um ihn dann klimafreundlich herzustellen. Er hatte dann pickepacke volles Programm vor sich im All. Und das wird er dann abarbeiten.«
Die Besonderheit bei dieser Mission: Während seiner Zeit im All wird der 51-Jährige auch mit Amateuren zu tun haben.
Christoph Seidler, DER SPIEGEL
»Wenn alles nach Plan läuft, kommt im Dezember der japanische Milliardär Maezawa vorbei. Der fliegt mit einer russischen Sojus-Kapsel zur Raumstation, will da schon im Weltall Luft schnuppern. Denn er hat dann später auch noch vor, mit einer SpaceX Kapsel von Elon Musk sogar um den Mond zu fliegen, mit Begleitung. Und neben Maezawa kommen wahrscheinlich auch noch andere Privatleute auf die Raumstation. Und das ist natürlich auch interessant. Das ist auch gewissermaßen ein neues Zeitalter, was dort angebrochen ist, was Matthias Maurer dort auf der Raumstation erleben wird.«
Jahrelang hat Maurer nun auf diese Mission hingearbeitet, sogar Russisch und Chinesisch gelernt. Um Außenbordeinsätze zu simulieren, trainierte er zeitweise mit einem 200 Kilogramm schweren Raumanzug unter Wasser. Nun – wenige Tage vor dem Start heißt es: tief durchatmen.
Matthias Maurer, Astronaut
»Ich habe eben schon lachend zu meinen Kollegen gemeint: Es ist das erste Mal, dass ich aufbreche zu einer Reise und ich muss mich um gar nichts kümmern, weil alles wird für mich organisiert. Das heißt ich kann mich voll auf den Start konzentrieren, auf das, was wirklich wichtig ist.«
Zuletzt war 2018 mit Alexander Gerst ein deutscher ESA-Astronaut im All.