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Die Berliner „Mokka-Milch-Eisbar“ ist zurück: Ein „verrücktes“ Projekt will die Karl-Marx-Allee wiederbeleben
Kult in der DDR: Der „Mokka-Milch-Eisbar“ neben dem Kino International wurde einst ein musikalisches Denkmal gesetzt. Ein modernes Konzept soll der „toten Gegend“ neues Leben einhauchen.
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Die meisten Leute, die von ihrer neuen Geschäftsidee – der Wiederbelebung der Mokka-Milch-Eisbar auf der Karl-Marx-Allee – gehört hatten, hätten sie für „komplett verrückt“ erklärt. Und wer sich das nicht traute, zumindest für „sehr mutig“. Das sagt das Unternehmerpaar Natacha und Alex Neumann bei der feierlichen Eröffnung der von Grund auf sanierten „Mokka Milch“, wie sie ihr Etablissement jetzt nennen.
Am Mittwoch konnten sich geladene Gäste – bei Eis, Snacks und frisch gezapften oder gemixten Getränken – von dem gewagten Neustart an prominenter Stelle neben dem Kino International einen Eindruck verschaffen.

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Das Konzept des Günderehepaars Neumann besteht aus drei Säulen und verteilt sich auf drei Etagen: Im Erdgeschoss geht es um Gastronomie mit „levantisch-mediterranem Wohlfühlflair“ und Platz für 90 Gäste sowie Café- und Barbetrieb. Laptops sind hier ausdrücklich unerwünscht. Die könnten aber gern mit auf die Empore und in den hinteren Bereich des ersten Stocks genommen werden. Dort darf an insgesamt 40 Arbeitsplätzen ganz offiziell gearbeitet werden. Eine monatliche „Mitgliedschaft“ beginnt bei 350 Euro, einen Tagespass gibt es für 30 Euro.

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Im Untergeschoss ist der sogenannte Clubraum, der für private Events gebucht werden kann. Hier soll zunächst einmal „viel ausprobiert werden“, sagt Unternehmer Alex Neumann. Das könne vom Pilateskurs über Workshops hin zu „Cellokonzerten und Tanzveranstaltungen“ reichen. Einen eigenen Club betreibe man jedoch nicht.

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Unter den geladenen Gästen beim Pre-Opening am Mittwoch war auch der Mann, der 1968 mit seinem Liebeslied „In der Mokka-Milch-Eisbar“ die DDR aufmischte. Auch an diesem von Eckart von Hirschhausen moderierten Spätnachmittag greift Thomas Natschinski zur Gitarre und haut sie raus, die in der DDR zum Kultsong gewordenen Zeilen: „In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich gesehn, in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es geschehn.“

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Mittes Bürgermeisterin Stefanie Remlinger freute sich nicht nur über den feministischen Dreh des Liedes (schließlich grabe, entgegen klassischer Rollenmodelle, hier die Frau den Mann an und nicht umgekehrt), sondern auch über die von der Verwaltung erteilte Betriebserlaubnis. Diese trudelte um 14.10 Uhr ein, knappe zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung, scherzte die Behördenchefin in ihrer Rede. Sie wünschte dem Team viel Erfolg in dieser „etwas toten Gegend“ auf der „pathetisch aufgeladenen und unvollendeten Karl-Marx-Allee“.

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Für Songwriter Natschinski, Sohn des DDR-„Musicalkönigs“ Gerd Natschinski (1928–2015), war die Wiedereröffnung „ein wunderbares Déjà-vu“ im Stammlokal seiner damaligen Band: „Vor der Probe, nach der Probe, da in der Ecke war unser Stammtisch. Da haben wir gesessen und Cola mit Wodka getrunken.“ Manchmal habe es auch einen Eisbecher gegeben. „Das war der Aufhänger, warum wir gesagt haben: Dann machen wir doch ein Lied.“
Auftritte hatte seine Band zwar nie in der „Mokka-Milch-Eisbar“, aber das Lied sei immer ein besonderes geblieben und „noch immer präsent“.

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Auch Claudia Nier war als Schülerin Stammgästin in der „Mokke“, die zusammen mit den fünf anderen Pavillons auf der Karl-Marx-Allee „Magnet für alle Berlin-Besucher“ war, wie sie sagt. Heute freut sie sich über die Wiederbelebung des Ortes und hofft auf positive Strahlkraft für die Umgebung. „Meine Mitschüler und ich trafen uns hier früher täglich – zum Eisessen, Quatschen, Zusammensein.“ Solche Orte fehlten heutzutage in der Gegend. Umso wichtiger, dass dem Leerstand-Trend in der Stadt nun ein neuer Ort der Begegnung entgegengesetzt werde.
Ob Mokka-Martini (in der Bar), Mokka-Eis (im Café) oder Mokka-Marinade (im Restaurant, das erst Mitte Juni starten wird) – das Leitmotiv der neuen, alten Lokalität auf der Karl-Marx-Allee 35 liegt auf der Hand. Jetzt liegt es an der Kundschaft, sich darauf einzulassen. Seit Donnerstag ist für alle geöffnet.
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