
© Jörn Hasselmann
Die ersten neuen Züge seit 31 Jahren: BVG feiert neue Flotte für die Berliner U-Bahnlinien U5 und U9
Am Montagmittag feierte die BVG die erste offizielle Fahrt der neuen Züge vom Typ „J“ für die U-Bahn. Der Regierende Bürgermeister stieg am Alexanderplatz ein. Die Wagen kommen viele Jahre zu spät.
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Die Zukunft der Berliner U-Bahn hat einen Doppelnamen: „J-JK“. Ein Jahr nach dem Start auf den Kleinprofillinien der U2 feierte die BVG am Montag die ersten neuen Züge für die großen Tunnel, die auf den Linien U5 und U9 fahren sollen.
Zur Feier von „J“ kamen auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Schließlich gab es „gute Nachrichten für die Fahrgäste der U-Bahn“ zu feiern, wie die BVG ihre Einladung überschrieben hatte.
„Für uns ist es ein historischer Tag“, sagte BVG-Vorstandschef Henrik Falk. Die neuen Züge seien ein „Meilenstein für die Stabilität des Betriebs heute und in Zukunft“. Kai Wegner sagte: „Die neuen Züge stehen für einen modernen Nahverkehr. Wir müssen zurück zu Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.“

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Zuletzt waren vor 31 Jahren neue Züge für das Großprofil in Dienst gestellt worden. Anders gesagt: Die Berliner Politik hat mit der Neubestellung viel zu lange gewartet und die Fahrt in die Krise selbst verschuldet. Der Mangel war so groß, dass 2017 Kleinprofil-Fahrzeuge provisorisch für die breiteren Tunnel der U5 umgerüstet wurden. Eine ähnliche Notlösung hatte es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben.
Die Erwartungen an die neue Generation sind deshalb riesig. Bis Ende 2026 sollen 170 Waggons „eingeflottet“ werden, 2027 sollen weitere 170 kommen. Mit diesen neuen Zügen auf der U5 und ab September auch auf der U9 soll sich der Betrieb auch im Großprofil stabilisieren. Im Kleinprofil ist das gelungen. Auf der U2 ist der kleine Bruder „JK“ seit September 2025 in Fahrt. In den vergangenen Monaten lag die Zuverlässigkeit dort bei knapp 99 Prozent.
Ende 2024, auf dem Höhepunkt der Krise, lag die Zuverlässigkeit bei katastrophalen 92 Prozent. Fast jede zehnte Fahrt fiel einfach aus. Die Flotte war so alt, dass die Züge immer schneller kaputtgingen. Die BVG dünnte die Takte aus und rief einen neuen Kurs aus: „Stabilität vor Wachstum“.
Seit Ende April sind die Züge heimlich in Betrieb
Eine echte Premiere war die Fahrt am Montag eigentlich nicht. Heimlich hatte die BVG die ersten drei Züge bereits ab Ende April in Betrieb genommen zwischen Hönow und Hauptbahnhof. Auf den Monitoren werden Fahrgäste zu einer Online-Umfrage animiert: „Wie finden Sie den neuen Zug?“ Seit Montag sind sechs neue Züge auf der U5 in Fahrt.
Berlin braucht immer zwei verschiedene Modelle, da zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Röhren kleiner gebaut wurden als später. Die Linien U1 bis U4 fahren auf den Kleinprofillinien, die U5 bis U9 auf den Großprofillinien. Technisch ähneln sich J und JK stark, viele Bauteile sind identisch. Dies soll die Wartung vereinfachen.
Die BVG lobte sich am Montag, dass „der Regelbetrieb mit den neuen Zügen mehrere Monate früher als geplant beginnt“ – eine mehr als eigenwillige Interpretation. Ganz am Anfang war mal das Jahr 2021 für die Lieferung der ersten Wagen versprochen worden.
Ausgeschrieben wurde der Auftrag bereits vor ziemlich genau zehn Jahren, im Oktober 2016. Die Schweizer Firma Stadler gewann den größten Auftrag der BVG-Geschichte. Doch die unterlegene Firma Alstom klagte dagegen, so entstand die erste große Verzögerung.
Erst 2020 wies das Kammergericht in letzter Instanz die Klage zurück. Stadler begann im Pankower Werk mit dem Bau der gelben Züge. Es kamen Corona und der Ukrainekrieg mit Lieferschwierigkeiten. Und die fertigen Züge funktionierten dann auch nicht auf Anhieb. Alles zusammen schob den Start Jahr für Jahr nach hinten. Stadler-Präsident Peter Spuhler rechnete am Montag so: ein Jahr wurde durch den Streit um die Ausschreibung verloren, zwei durch Covid.
Die U-Bahn-Flotte soll komplett erneuert werden
Für drei Milliarden Euro sollten ursprünglich 440 Wagen für das Kleinprofil und 1060 für das Großprofil gebaut werden. So verkündete es damals die Politik. Diese 1500 Wagen sollten die U-Bahn-Flotte bis 2033 komplett erneuern, das Projekt hieß „Zukunftssichere Schienenfahrzeugbeschaffung“.
Doch die Zukunft ist im Mai 2026 offen. Es steht nicht fest, wie viele Züge die BVG tatsächlich in den kommenden Jahren beschaffen kann. Fest bestellt hat sie bislang nur 484 Wagen: 140 kleine JK und 344 große J. Zuletzt hieß es, dass für mehr das Geld fehlt und die alten Wagen länger fahren müssen. So ist im gerade veröffentlichten Entwurf des neuen Nahverkehrsplans 2026 bis 2028 die Rede von nur 762 neuen Wagen.
Spuhler, der extra aus der Schweiz kam, sagte mit Blick auf die Arbeitsplätze in Pankow: „Wir hoffen, dass möglichs viele Züge abgerufen werden.“ Und legte nach, „es können gerne alle 1500“ sein. Wegner und Bonde gaben auch am Montag keine Zusage.
Vor zwei Wochen hatte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey gesagt, dass der Aufsichtsrat des Unternehmens BVG-Chef Henrik Falk beauftragt habe, zu prüfen, wie mehr Waggons finanziert werden können. Das heißt: Falk muss an anderer Stelle Geld einsparen.
Angesichts des riesigen Sanierungsstaus vor allem bei der Infrastruktur der U-Bahn ist das kein leichtes Unterfangen. Von Januar bis Mai war der Bahnhof Nollendorfplatz für drei der vier Linien gesperrt, weil die Decke einzustürzen drohte. Die eigentliche Sanierung des Bahnhofs ist erst für die Jahre ab 2029 geplant.
In diesem Jahr hat die BVG mehr als eine Milliarde Euro für Investitionen zur Verfügung, mehr als doppelt so viel wie 2025. In Tunnel, Brücken und Bahnhöfe der U-Bahn müssen mehrere Milliarden Euro gesteckt werden.
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