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Nachruf auf Gertrud Frank: „Die wilde Gertrud!“
Sie hatte lang genug im Haushalt ausgeholfen. Hausfrau zu werden, zu heiraten, kam nicht in Frage. Mit 52 wurde sie Yoga-Lehrerin.
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Sie hatte ein Kästchen aus Holz, ihre Geheimschachtel. Sie versteckte sie, niemand durfte hineinschauen. Natürlich waren alle ihre Geschwister neugierig und löcherten sie wieder und wieder. Hatte sie Schätze darin oder gar Süßigkeiten? Gertrud, sag doch mal. Doch Gertrud schwieg. Bis eines Tages zwei ihrer Brüder in einem unbeobachteten Moment die Schachtel öffneten. Es lag ein Radiergummi darin, sonst nichts. Die beiden machten die Schachtel wieder zu, stellten sie weg und sagten niemanden etwas davon. Vielleicht spürten sie, dass man bei insgesamt elf Geschwistern das Recht auf ein Geheimnis haben sollte. Etwas, das nur einem selber gehörte, das nicht geteilt und nicht kommentiert werden soll. Gertrud war Kind Nummer sechs, ein Kind in der Mitte.
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