„Sollte der Bundesregierung wichtig sein“: Ärztekammer und SPD-Spitzenkandidat fordern Erhalt des Jüdischen Krankenhauses Berlin
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Das Jüdische Krankenhaus Berlin im Ortsteil Gesundbrunnen.

© dpa/Sebastian Gollnow

„Sollte der Bundesregierung wichtig sein“: Ärztekammer und SPD-Spitzenkandidat fordern Erhalt des Jüdischen Krankenhauses Berlin

Deutschlands einziges jüdisches Krankenhaus ist insolvent. Nun werden Forderungen lauter, die Politik solle mit allen Beteiligten über mögliche Perspektiven beraten.

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Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin (JKB) bekommt Unterstützung aus Medizin und Politik. „Wir erleben einen kalten, unkontrollierten Strukturwandel in der Berliner Krankenhauslandschaft. Ein Opfer dieser gefährlichen Entwicklung ist das Jüdische Krankenhaus“, sagte der Präsident der Berliner Ärztekammer, Peter Bobbert, dem Tagesspiegel am Freitag. „Jetzt zählt tatkräftiges, entschlossenes Handeln der Politik, um zu verhindern, dass uns die in vielen Berliner Kliniken praktizierte Spitzenmedizin verloren geht.“

Bobbert bezieht sich indirekt auch auf die Jüdische Gemeinde. Deren Vorsitzender Gideon Joffe plädierte dafür, das derzeit hoch verschuldete JKB zu erhalten: Der Senat solle dazu eine Beratungskommission einberufen, in der das Krankenhaus, das Land, die Jüdische Gemeinde und die Gläubigerbanken vertreten sind. Ärztekammer-Präsident Bobbert ergänzte: „Der Senat ist in der Pflicht – für Abwarten bleibt keine Zeit. Das Jüdische Krankenhaus ist in seiner Form einmalig und bietet hervorragende medizinische Versorgung.“ Einen Verlust des Standorts könne sich die Stadt nicht leisten.

Es gibt ein einziges Jüdisches Krankenhaus in Deutschland, sein Überleben sollte auch der Bundesregierung wichtig sein

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat für die Berlin-Wahl 2026

Auch der SPD-Spitzenkandidat für die Berlin-Wahl 2026, Steffen Krach, unterstützt die Jüdische Gemeinde. „Die Forderung von Gideon Joffe ist richtig, wir müssen einen Weg finden, das Jüdische Krankenhaus Berlin zu erhalten“, sagte Krach. Entscheidend sei die Rolle der Klinik in Berlins Gesundheitswesen. Krach könne sich etwa eine Integration in die Charité vorstellen, bei der das JKB innerhalb der „Familie“ der Universitätsmedizin eine eigene Rolle behielte.

Für die Rettung des Hauses brauche es „ein finanziell tragfähiges Konzept“, das Gesellschafter, Land und Bund gemeinsam erarbeiteten: „Es gibt ein einziges Jüdisches Krankenhaus in Deutschland, sein Überleben sollte auch der Bundesregierung wichtig sein“, sagte Krach. Der Bund sei bereits an Einrichtungen der Charité beteiligt, etwa am Herzzentrum. Es sei folgerichtig, das Engagement des Bundes zu verstärken und das Jüdische Krankenhaus zu sichern.

Gemeinde-Vorsitzender Joffe hatte vorgeschlagen, das JKB als Schwerpunktklinik für Neuro-Reha, Geriatrie und Psychiatrie zu etablieren. Der Bedarf an Kapazitäten dieser Disziplinen wachse schon wegen der alternden Gesellschaft.

Wie berichtet, gehört das JKB einer eigenen Stiftung. Deren Kuratorium besteht aus fünf Vertretern des Landes, zwei der Belegschaft und zwei der Jüdischen Gemeinde. Derzeit beraten die Gläubigerbanken, wie sich die Schulden in zweistelliger Millionenhöhe begleichen lassen. Langfristig könnte, so befürchten einige, die Technik und die Bauten veräußert und der Standort abgewickelt werden. Das JKB umfasst 380 Betten und fast 850 Beschäftigte.

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