Gewalt gegen Transgender in Brasilien: Bedroht, verfolgt und verschwunden in Rio
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90 Prozent der Transmenschen in Brasilien arbeiten in der Prostitution. Und werden selbst da geächtet.

© imago/Action Pictures

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Gewalt gegen Transgender in Brasilien: Bedroht, verfolgt und verschwunden in Rio

Sie waren Nachbarn, jetzt ist ihr Telefon tot, und unser Autor sucht die Stadt nach ihr ab. Die Transfrau Thais arbeitete als Prostituierte – eine gefährliche Kombination in Brasilien.

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Thais war 26, als ich neben ihr einzog. Avenida Prado Júnior, Rio de Janeiro. Elfter Stock, ich im Apartment 22, Thais gegenüber. Wir hatten schnittgleiche Wohnungen, 30 Quadratmeter, Kochnische, falsches Fischgrätparkett und Azulejo-Fliesen, die Klotür aus Plastik ratschte beim Öffnen, als zöge man Rollladen durch eine rostige Schiene. Wir trafen uns, wie man Nachbarn so trifft, auf dem Gang, im Aufzug, in den Läden, Bars und Restaurants. Manchmal stießen wir, spätnachts, überarbeitet oder schlaflos, aufeinander, im Cervantes, dem Sandwichladen an der Ecke. Standen dann stundenlang, das Sandwichpapier noch in der Hand, an unsere Wohnungstüren gelehnt und quatschten. Am Tag, als ich nach Deutschland zurückkehrte, versprach ich, Bescheid zu sagen, sollte ich zurückkommen.

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