
© Barbara Braun/Tipi am Kanzleramt
„Berlin sagt Danke!“: Künstlerinnen erinnern an Bar- und Tipi-Gründer Holger Klotzbach
Katharine Mehrling, Peter Raue, Maren Kroymann und viele andere feiern im Tipi am Kanzleramt Leben und Wirken des Kulturmanagers Holger Klotzbach, der im Januar starb.
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Großer Bahnhof am Dienstagabend im Tipi am Kanzleramt. Zu Ehren des Hausherrn, Holger Klotzbach, der am 23. Januar, wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag, gestorben ist.
Inzwischen ruht der Impresario, der der hauptstädtischen Kultur mit seinen Zirkuszelten Leichtigkeit und Charme beschert hat, auf dem Alten St.-Matthäus-Friedhof. In „Rufweite von Rosa von Praunheim“, wie sich auf der Gala zu seinen Ehren vernehmen lässt.
„Die Welt gehört dem, der sie genießt“, lautet ein Zitat von Giacomo Leopardi, unter das Holger Klotzbachs Witwer und Nachfolger Eric Schmidt-Mohan, besser bekannt als Hausdame Marlene, den Abend gestellt hat.
Also geht es im Tipi am Kanzleramt gastlich zu, wo sich Künstlerinnen, Weggefährten und die Entertainment-Presse um die Bühne scharen, über der auf Leinwänden Fotos und Videos aus Holger Klotzbachs Leben flackern. Auch Ausschnitte aus den Programmen des Anarcho-Kabarettisten-Trios „Die 3 Tornados“, mit denen Holger Klotzbach in den 80er-Jahren auf der Bühne stand.

© imago/APP-Photo/imago stock&people/Bearbeitung: Tagesspiegel
„Ich werde eine Leasingagentur in Dreilinden aufmachen“, ulkt Holger Klotzbach da in einer Kabarettnummer mit Arnulf Rating, in der die beiden ein exaltiertes Künstlerpaar verkörpern. „Da können die Schwaben Lederjacken leasen, damit sie heil durch Kreuzberg kommen.“ Klotzbachs Lebensgeschichte, die an diesem Abend in den Erinnerungsreden und Liedern seiner Künstler- und Kulturpolitikerfreunde wiederaufersteht, ist zu Beginn, als er 1969 in die Stadt kommt, eine linke West-Berliner Geschichte.

© Barbara Braun/Tipi am Kanzleramt
In einem Einspielfilm, in dem Holger Klotzbach sich selbst und seine Showzelte Bar jeder Vernunft und Tipi am Kanzleramt vorstellt und skizziert, dass er zuvor als Mitgründer des Tempodroms, des Schwarzen Cafés und des Quartier Latin (der heutige Wintergarten) aktiv war, resümiert er heiter: „Seit ich arbeite, habe ich nie das Gefühl gehabt, dass ich arbeite.“ Dafür hat er die Kulturszene mit einem Konzept, aus Kleinkunst große Bühnenunterhaltung zu machen, aber erstaunlich umfassend und weit über Berlin hinaus geprägt.

© Barbara Braun/Tipi am Kanzleramt
Sängerin und Schauspielerin Katharine Mehrling, die den Abend zu Klotzbachs Ehren moderiert, bittet als erste Gesangseinlage Chansonnier Tim Fischer zu dieser „Feier des Lebens“ auf die Bühne, dem später Maren Kroymann, Georgette Dee und Sharon Brauner und sie selbst mit dem Song „He“ folgen.
Erlebnisse mit Holger Klotzbach fliegen durch den Raum, eine familiäre, heitere Atmosphäre erfüllt das Zelt. Und Klaus Wowereit, der in seiner Zeit als Regierender Bürgermeister mehr Abende in den Showzelten verbrachte als je ein Regierender vor oder nach ihm, preist die Teamwork-Qualitäten seines Freundes Holger Klotzbach. „Berlin sagt Danke!“, endet seine Würdigung unter donnerndem Applaus.
Heitere Gelassenheit beim Abschied
Als Maren Kroymann übernimmt, liegt ihr Schwerpunkt auf Holger Klotzbachs heiterer Gelassenheit im Angesicht des nahenden Todes, mit der er sich jede Rührseligkeit verbat. Peter Raue liest den Geburtstagstext vor, den er auf Bitten einer Zeitung eigentlich zu Klotzbachs 80. verfasst hat.
Tobias Bonn von den Geschwistern Pfister preist Klotzbachs Qualitäten, Künstlern eine Heimat zu schaffen. „Er wusste immer, wann es Zeit ist, seinen Künstlern eine Flasche Champagner in die Garderobe zu schicken“, sagt er und hebt sein Glas auf Klotzbach, dessen gezeichnetes Gesicht wie der Mond in der derzeit im Tipi laufenden Operette „Frau Luna“ über der Bühne schwebt.
Erst die Kultur ermöglicht die Verfassung der Gesellschaft.
Arnulf Rating, Kabarettist
Als Kabarettist Arnulf Rating, als „letzter Überlebender“ der 3 Tornados, die einst die Haus-und-Hof-Narren der 68er-Bewegung waren, auf die Bühne tritt, ist das ein besonderer Moment. „Holger war ein Macher, immer seiner Zeit voraus“, sagt Rating.
Heute komme ein Kulturstaatsminister daher und wolle die Kultur vom Verfassungsschutz überprüfen lassen, scherzt Rating, „dabei ermöglicht erst die Kultur die Verfassung der Gesellschaft“. Und dann erinnert er an das Berufsverbot für Lehrer, den „Radikalenerlass“, der den damaligen Sozialisten Holger Klotzbach von der geplanten Laufbahn als Lehrer abhielt.
Unterrichtet hat Holger Klotzbach dann aber als Privatlehrer doch – die Artistenkinder im Zirkus Busch-Roland. „Die hat er das Volumen des Zirkuszeltes ausrechnen lassen“, sagt Rating. Es wurde Klotzbachs Eintrittskarte in die Welt der Unterhaltung, die ihn an diesem Abend noch mit weiteren Lobpreisungen und stehendem Applaus ehrt.
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